In Essen steht ein Marler (22) wegen eines blutigen Nachbarschaftsstreits vor Gericht.
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In Essen steht ein Marler (22) wegen eines blutigen Nachbarschaftsstreits vor Gericht.

Prozess am Landgericht Essen

Blutiger Streit in Drewer: Marler Messerstecher (22) steht unter Anklage

  • Jörn Hartwich
    vonJörn Hartwich
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Beim Prozess um einen Nachbarschaftstreit in Marl-Drewer spielten die Richter den Notruf des Opfers ab. Die Aufnahmen sind erschütternd.

Offenbar war es echte Todesangst: Als im Prozess um den blutigen Nachbarschaftsstreit in Marl-Drewer am Freitag der Notruf des Opfers abgespielt wurde, war aus der Stimme des 40-Jährigen pure Verzweiflung zu hören. „Bitte helfen Sie mir schnell, ich bin gerade abgestochen worden“, sagt er der Polizistin am Telefon.

„Ich habe Schiss, dass ich verblute. Der hat mir ins Bein gestochen. Ich kann nicht mehr weiterreden.“ Trotzdem hatte es der Marler noch geschafft, seinen Namen und seine Adresse durchzugeben. Daraufhin waren sofort Streifenwagen und Rettungsdienst in Bewegung gesetzt worden.

Marl: Zweiter Notruf geht ein

Fast zeitgleich war bei der Polizei noch ein zweiter Notruf eingegangen – diesmal vom Täter. Der 22-Jährige war völlig aufgelöst. „Ich glaube, ich habe jemanden abgestochen“, sagte er dem Beamten am Telefon. „Der hat gedroht, mich kaputtzuschlagen.“ Immer wieder wird seine Stimme vom eigenen Schluchzen unterbrochen. Auch ein verzweifelter Schrei ist zu hören. „Ich glaube das alles nicht. Das ist so sch…!“

Trotz der doppelten Angaben hatten die Rettungskräfte zunächst Schwierigkeiten, das richtige Haus zu finden. Das Opfer hatte das offenbar durchs Fenster beobachtet, es geöffnet und zweimal laut um Hilfe gerufen. Auch das ist auf dem Notruf zu hören, den der Angeklagte abgesetzt hat. Gleich mehrfach hatte der 22-Jährige seinem Nachbarn in Bein und Hüfte gestochen. Der 40-Jährige musste notoperiert werden. Es bestand potenzielle Lebensgefahr.

Marl: Angeklagter spricht von Notwehr

Im Prozess vor dem Essener Landgericht hat der Angeklagte die Tat gestanden, dabei aber von Notwehr gesprochen. Auslöser des Streits war angeblich laute Musik. Für eine Nachbarin, die am Freitag als Zeugin ausgesagt hat, war alles unerträglich. „Das mit der Musik war ständig“, sagte sie den Richtern. „Der trat gegen die Wände und auf den Boden. Manchmal hat sich das so angehört, als werde einer kaltgemacht.“ Aber das seien Selbstgespräche gewesen.

Sie selbst habe regelrecht Angst vor dem Angeklagten gehabt. „Außerdem war er mir unsympathisch.“ Einmal habe sie durch ihren Türspion gesehen, wie der 22-Jährige schreiend durch den Hausflur gelaufen sei und dabei immer wieder vor das Geländer getreten habe.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

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