Die Maskenpflicht gilt in Marl aktuell nicht nur in Geschäften, sondern auch auf öffentlichen Plätzen und in der Hülser Fußgängerzone.
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Die Maskenpflicht gilt in Marl aktuell nicht nur in Geschäften, sondern auch auf öffentlichen Plätzen und in der Hülser Fußgängerzone.

„Schlecht gefühlt und geweint“

Frau aus Marl muss keine Maske tragen: Trotz Attests durfte sie nicht ins Geschäft

  • Heinz-Peter Mohr
    vonHeinz-Peter Mohr
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Ein ärztliches Attest, das von der Maskenpflicht befreit, ist kein Freifahrtschein, ein Geschäft zu betreten. Ladenbesitzer dürfen den Zutritt verweigern - wie ein Beispiel aus Marl zeigt.

Unfreundlich abgewiesen fühlte sich eine junge Frau aus Marl, als sie in einem Brasserter Markt Lebensmittel kaufen wollte. Die Frau trug keine Maske. Seit ihre Schwangerschaft fortgeschritten ist, braucht sie mehr Sauerstoff, schnell wird ihr schwindelig. Ihr Arzt befreite sie von der Maskenpflicht. Doch als sie den Markt in Brassert betrat, hatte sie das Attest nicht dabei. Der Geschäftsinhaber ließ sie nicht hinein. „Die Leute haben mich angestarrt. Ich habe mich richtig schlecht gefühlt und geweint“, erzählt die junge Marlerin. „Über solche Situationen muss öffentlich gesprochen werden.“

Marion Runge, Geschäftsführerin des Handelsverbands Ruhr-Lippe, findet die fragliche Situation für alle schwierig, auch für den Ladeninhaber: „Er weiß ja nicht, ob er einen Maskenverweigerer vor sich hat oder einen Menschen mit medizinischem Problem. Und er ist den anderen Kunden verpflichtet.“ Einige Marktinhaber halten Plastikvisiere anstelle einer herkömmlichen Maske bereit, berichtet Marion Runge: Dadurch könnten Betroffenen besser atmen. „Diese Visiere kann man immer wieder reinigen oder abspritzen.“ Die Erfahrung der Geschäftsführerin: „Der überwiegende Teil der Kunden hält sich an die Maskenpflicht und hat sich daran gewöhnt.“

Auch in Marl kann man „nicht streng genug sein“

Grundsätzlich hat ein Händler immer Hausrecht und kann Maskenmuffel rausschmeißen. Er muss sich nicht mal auf ein Attest verlassen: „Wenn er jegliches Risiko ausschließen will, ist es absolut zulässig, wenn er den Zutritt verweigert, trotz eines Attests“, erklärte Rechtsanwalt Rudolf Ratzel dem Redaktions-Netzwerk Deutschland.

Seit Ende April gilt in Marl die Maskenpflicht. Aus ärztlicher Sicht gibt es keine Alternative zur Maske, sagt Dr. Hans-Ulrich Foertsch, Vorsitzender der Ärztekammer im Kreis Recklinghausen. Er würde der Marlerin raten, entweder streng vorschriftsmäßig den Mundschutz zu tragen oder nicht einkaufen zu gehen, vor allem wenn ihr schwindelig wird: „Wenn man Verantwortung für zwei hat, sollte man das sehr streng sehen. Angesichts der aktuellen Zahlen kann man nicht streng genug sein.“ Die junge Marlerin hat eine Lösung gefunden: Sie bestellt nur noch im Internet. Frische Lebensmittel kauft die Schwiegermutter für sie ein.

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