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Im Mittelpunkt des Medieninteresses: Nach Verkündung des Sterbehilfe-Urteils gab Helmut Feldmann Fernsehsendern und Zeitungen jede Menge Interviews.

Sterbehilfe

Bundesverfassungsgericht erlaubt geschäftsmäßige Suizidbeihilfe - Mann aus Marl betroffen

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  • André Wielebski
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Seit Jahren kämpft Helmut Feldmann für das Recht auf Sterbehilfe. Nun hat das Bundesverfassungsgericht die geschäftsmäßige Beihilfe zum Suizid erlaubt.

  • Helmut Feldmann aus Marl kämpft seit Jahren für das Recht auf Sterbehilfe
  • Am Mittwoch entschied das Bundesverfassungsgericht den umstrittenen Paragraphen zu kippen
  • "Ich bin erleichtert", sagt der Marler Helmut Feldmann

Update, 26. Februar, 18.50 Uhr:

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts über mögliche Neuregelungen bei der Sterbehilfe beraten.

Das Urteil gebe dem Gesetzgeber ausdrücklich Spielraum zu Regulierungen und Konkretisierungen, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch in Berlin. Er wolle nun mit allen Beteiligten sprechen, um eine verfassungsgerechte Lösung zu finden.

Als Beispiele nannte er Beratungspflichten und Wartefristen. Zudem gebe es je nach Lebenssituation unterschiedliche Anforderungen an den Nachweis der Ernsthaftigkeit und Dauerhaftigkeit des Sterbewillens.

Update, 26. Februar, 10:35 Uhr: Es ist ein Hammer-Urteil. Die Richter kippen den umstrittenen Sterbehilfe-Paragraphen. Unter strengen Voraussetzungen ist nun eine geschäftsmäßige Beihilfe zum Suizid erlaubt. Der Marler Helmut Feldmann hat jahrelang dafür gekämpft. 

"Ich bin sehr emotional und aufgewühlt, aber auch erleichtert", sagt Helmut Feldmann in einer ersten Reaktion. "Ich habe keine Angst vorm Sterben, aber vor Qualen." Er möchte noch viele Jahre mit seinen Kindern weiterleben, aber wenn die Lebensqualität nicht mehr gegeben sei, so möchte er einen würdevollen Tod sterben.

Er möchte, dass seine Tochter bei ihm ist, wenn es so weit ist. "Das Urteil gibt mir die Sicherheit, die ich brauche, um mein Leben selbstbestimmt zu gestalten", erklärt Feldmann. Er sei dankbar, dass das Urteil dies möglich gemacht habe. 

Marl: Aktive Sterbehilfe weiterhin verboten

Bei dem Urteil geht es um die Beihilfe zum Suizid. Ärzte können nun Medikamente verschreiben, aber die Medikamente selbst verabreichen, das wäre aktive Sterbehilfe, was weiterhin verboten ist.

Über Helmut Feldmann berichten wir am Donnerstag ausführlich im E-Paper und in der Marler Zeitung.  

Entscheidung um das Recht auf Sterbehilfe steht bevor - Mann aus Marl klagte

Unsere bisherige Berichterstattung: Am Mittwoch ist der Tag der Tage für Helmut Feldmann. Wenn das Bundesverfassungsgericht sein Grundsatz-Urteil über die Sterbehilfe spricht, bedeutet dies für Helmut Feldmann (73) das Ende eines jahrelangen Kampfes. 

Seit 2017 berichtet unsere Redaktion darüber, wie der unheilbar an der Lungenkrankheit COPD leidende Rentner sein Recht durchzusetzen versucht: In Würde sterben zu dürfen, ohne unerträgliche Atemnot, ohne einen qualvollen Erstickungstod, wie er ihn bei seiner eigenen Schwester erlebt hat. Dieser Kampf gab ihm Energie, hielt ihn am Leben – auch wenn es immer wieder gesundheitliche Rückschläge gab.

Helmut Feldmann aus Marl gibt nicht auf 

2017 hatte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig geurteilt: „Der Zugang zu einem Betäubungsmittel, das eine schmerzlose Selbsttötung ermöglicht, darf in extremen Ausnahmesituationen nicht verwehrt werden.“ Doch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn untersagte dem Bundesinstitut für Arzneimittel, die Vergabe von Betäubungsmitteln an schwerkranke Patienten in extremen Ausnahmefällen zu erlauben. Helmut Feldmanns Versuch, deshalb ein Verfahren wegen Rechtsbeugung gegen den Minister anzustrengen, ist gescheitert.

Berichte der Marler Zeitung zeigen Wirkung 

Die Berichte unserer Zeitung hätten aber hohe Wellen geschlagen, sagt Helmut Feldmann: „Ich bin sehr froh und dankbar, dass die Menschen direkt mit diesem Thema konfrontiert wurden und sich Gedanken machen.“ Er zitiert aktuelle Umfragen, wonach eine große Mehrheit der Deutschen eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe befürwortet. 

Seine Kraft lässt es nicht zu, nach Karlsruhe zu fahren. Aber er hofft, dass er sich per Live-Schaltung zum Urteil äußern kann: „So oder so – dieses Urteil in höchster Instanz wird der juristische Schlussstrich sein.“ Wir begleiten ihn am Mittwoch und sind live vor Ort. Wir werden an dieser Stelle weiter berichten. 

Helmut Feldmann zeigte Gesundheitsminister Jens Spahn an. Hat der Minister Rechtsbruch begangen?

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