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Physiotherapeuten helfen mit manueller Therapie. In der Corona-Krise bleiben viele Patienten allerdings zu Hause.

Einige Praxen am Limit

Therapeuten in Marl wollen in Corona-Krise mit unter den Rettungsschirm - Warnungen vor Unterversorgung

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Gehen die Therapeuten beim Rettungspaket der Bundesregierung leer aus? In Marl sind die ersten Praxen am Limit. Warnungen vor einer Unterversorgung werden laut.

  • Therapeuten schlagen Alarm
  • Einzelne Praxen sind wegen der Corona-Krise am Limit
  • Kommen nur Ärzte und Krankenhäuser unter den Rettungsschirm?

Kliniken und Arztpraxen rüsten sich für eine größere Zahl an Corona-Patienten. Ihre zusätzlichen Kosten und Finanznöte sollen mit Milliardenhilfen aufgefangen werden. Doch auch vielen Therapeuten steht das Wasser bis zum Hals. Sie kritisieren, dass sie nicht unter den Rettungsschirm der Bundesregierung kommen, den der Bundesrat jetzt beschlossen hat.

„Krankenhäuser, Rehabilitationseinrichtungen, Vertragsärzte und Pflegeeinrichtungen werden unterstützt“, heißt es in einer Pressemitteilung des Bundesgesundheitsministeriums. „Ich habe das Gefühl, dass wir Physio- und Ergotherapeuten überhört werden“, sagt André Laufer aus Polsum, stellvertretender Vorsitzender des Physiotherapieverbandes in NRW: „Herr Spahn hat uns nicht erwähnt. Die ersten Therapiepraxen sind am Limit, auch in Marl. Wenn wir zumachen, wäre das für die Patienten eine Katastrophe“, warnt Laufer. 

Termine in Marl gehen zurück

Schon jetzt gebe es in seiner Praxis Ausfälle von 70 bis 80 Prozent, weil Ärzte Verordnungen nicht mehr ausstellen. „Ich habe Angst, dass das eskaliert. Es gibt Patienten, die eine Lymphdrainage dringend brauchen.“

Wie André Laufer musste auch das TherapieCenter in Hüls sein angeschlossenes Fitness- und Bewegungszentrum schließen. Hausbesuche sind weggefallen, die Termine um 50 Prozent zurückgegangen, berichtet Mitinhaber Tobias Kaufhold, der ein 45-köpfiges Team einsetzt. Einziger Lichtblick: Die Krankenkassen hätten den Therapeuten Wege eröffnet, eine Behandlung per Videochat abzurechnen. 

Schutzausrüstung ist knapp

Auch Ergotherapeutin Stephanie Seyer-Brügemann arbeitet jetzt verstärkt mit Video-Chats. Das Problem: „Ältere Patienten kriegen sie nicht richtig eingestellt“. Noch im Februar war die Alt-Marler Ergotherapie-Praxis ausgebucht. Jetzt muss sie Kurzarbeit anmelden, weil Altenheime, Familienzentren und Grundschulen geschlossen sind, die Hälfte der Patienten wegbleibt. Auch medizinisch notwendige Termine fielen aus. Stephanie Seyer-Brügemann: „Bei einem frischen Schlaganfall zählt jeder Tag Therapie, sonst ist das Training nicht mehr aufzuholen. Auch den Ablauf einer Demenz kann man mit Training deutlich verzögern.“ 

Um ihre Schutzausrüstung müssen sich die Praxen selbst kümmern. Nach Krankenhäusern, Ärzten und Pflegeheimen sind sie die letzten, die mit Masken versorgt werden. Viele Therapeuten halten Sicherheitsabstand, arbeiten mit Masken, informieren, dass ihre Praxen geöffnet bleiben. Trotzdem kommen Risikopatienten nicht mehr, weil sie Angst vor Corona haben. 

Appelle der Verbände

André Laufer appelliert über seinen Verband an die politisch Verantwortlichen, Therapeuten mit Ausgleichszahlungen zu retten – damit die Praxen auch nach der Corona-Krise noch existieren und Menschen heilen.

Auch der Spitzenverband der Heilmittelverbände, in dem bundesweit mehr als 75.000 Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Podologen organisiert sind, schlägt Alarm.

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