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Edeka-Mitarbeiter Philipp Ulbrich steht vor weitgehend leeren Regalen.

Hamsterkäufe

Coronavirus: Auswirkungen überraschen den Einzelhandel in Marl

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In Marl bunkern viele Bürger Lebensmittel. Die Einzelhändler haben einen solchen Kaufrausch noch nicht erlebt.

  • Die Marler Supermarkt-Leiter sind überrascht.
  • Viele Lebensmittel sind ausverkauft.
  • Weniger Desinfektionsmittel in Altenheimen.

An einen solchen Kaufrausch, wie in der letzten Woche, kann sich Hans-Günter Zutz nicht erinnern. „Das hat sich angefühlt, als stehe der nächste Weltkrieg bevor“, sagt der Betreiber von zwei Edeka-Supermärkten. Selbst bei großen Krisen wie dem ersten Irakkrieg (1990) oder nach den Terroranschlägen vom 11. September (2001) hätten die Menschen sich laut Hans-Günter Zutz nicht so mit Vorräten eingedeckt. „Mitte letzter Woche begannen die Kunden damit, verstärkt bestimmte Artikel einzukaufen.“ In seinen Läden waren das bevorzugt länger haltbare Lebensmittel, Papiertaschentücher, Toilettenpapier und Küchenrollen. 

Marler achten auch in der Krise auf die Preise

Bei aller Angst vor einer möglichen Coronaepidemie blieben die Kunden laut Hans-Günter Zutz preisbewusst: „Bei Nudeln gingen die günstigen Hausmarken zuerst weg. Teurere Marken blieben in den Regalen zurück.“ Den Grund für die Hamsterkäufe kann sich Zutz nicht genau erklären: „In den Medien gab es in dieser Richtung ja gar keine Berichterstattung. Das entwickelte sich alles durch Mundpropaganda.“

Der plötzlich einsetzende Kaufrausch erstaunte auch Philipp Ulbrich: „Günstige Nudeln waren sofort weg, aber auch bei den Süßwaren und Knabbergebäck griffen die Kunden verstärkt zu“, sagt der stellvertretende Leiter eines Marler Supermarkts. Auch in Datteln kommt es zu Hamsterkäufen. Zu den weiteren Verkaufsschlagern gehörten Mehl, Zucker und Fertiggerichte wie Dosensuppen. Sorge über ausbleibenden Nachschub macht sich Philipp Ulbrich nicht, die Nachlieferung fiel in dieser Woche aber kleiner aus, als gewünscht. Nur knapp die Hälfte der bestellten Ware konnte geliefert werden. Für den Umsatz bedeute das geänderte Kaufverhalten zwar kurzfristig eine Steigerung, langfristig allerdings hätten die Händler davon nicht viel. Philipp Ulbrich: „Die jetzt gekauften Produkte reichen den Kunden ja erst mal eine Weile. Die werden wir in der nächsten Zeit entsprechend seltener verkaufen.“ In Oer-Erkenschwick hat Edeka einen Grilltermin mit 250 Gästen abgesagt.

Zulieferer begrenzen Desinfektionsmittel in Marl

Problematischer ist die Lage im Altenzentrum Philipp-Nicolai-Haus. Hauswirtschaftsleiterin Petra Drescher: „Wir haben viele Dinge des täglichen Bedarfs zwar immer auf Vorrat, aber Desinfektionsmittel sind jetzt knapp.“ Laut Petra Drescher beschränkte ihr Lieferant die Höchstbestellmenge auf 40 Flaschen pro Einrichtung. 

Wie die Situation bei Aldi, Rossmann und dm aussieht, lesen Sie im e-Paper unserer Zeitung.

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