Psychische Krankheiten im Lockdown

Depression und Angststörungen: Funktioniert Therapie auch auf Distanz?

  • Meike Holz
    vonMeike Holz
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Selbsthilfegruppen versuchen, die Zeit des Lockdowns mit Zoom-Meetings oder Telefongesprächen zu überbrücken. Funktioniert das?

Seit mittlerweile einem Jahr beherrscht die Corona-Pandemie unseren Alltag. Und nun schon zum zweiten Mal ein wochenlanger Lockdown. Wieder wurde das Leben heruntergefahren. „Viele fallen in ein Loch“, sagt Karsten Lamche, Gründer der Selbsthilfegruppe (SHG) Lebensfreunde Marl. „Durch Corona haben wir mehr zu tun.“

Viele erkennen, dass sie ihre Probleme nicht allein bewältigen können und suchen Rat. „Im Gespräch mit Freunden hören sie nur: ,Stell dich nicht so an‘“, berichtet Lamche. Hilfesuchende werden alleingelassen. Auch, weil man ihnen die Krankheit nicht ansieht oder es ein Tabuthema ist. Bei der SHG Lebensfreunde, die sich vorrangig mit drei Krankheitsbildern – Depression, Trauer, Angsterkrankungen – befasst, finden sie jedoch Gehör. Erst in einem Kennenlerngespräch, später in der Gruppe.

Marl: Treffen unter strengen Auflagen wieder erlaubt

Auf ihren gemeinsamen Austausch müssen die Selbsthilfegruppen seit Wochen verzichten und versuchen, den Kontakt mit Alternativen aufrecht zu erhalten. Entweder per Telefon, Kurznachrichten oder in Videokonferenzen. In der Corona-Schutzverordnung hat Karsten Lamche einen Passus entdeckt, wonach Treffen aus dringenden medizinischen oder therapeutischen Gründen wieder erlaubt seien. Der Gruppensprecher kontaktierte das Ordnungsamt, erstellte ein strenges Hygienekonzept und erhielt grünes Licht: Mit den gängigen Einschränkungen dürfen sich bis zu zehn Teilnehmer starke Gruppen treffen.

Die Treffen in den Räumen an der Julius-Wegener-Straße seien enorm wichtig, betont Lamche: „Es ist für uns ein geschützter Ort.“ Das seien die eigenen vier Wände oftmals nicht. Auf ihre regelmäßigen Treffen müssen die Marler Gruppen des Blauen Kreuzes aktuell noch verzichten. Selbsthilfe bei Suchtkrankheiten ohne Kontaktaufnahme geht jedoch nicht. „Anfangs hielten wir nur telefonisch Kontakt“, berichtet Daniel Köhler, der in einer Gruppe, die sich regelmäßig im Gemeindehaus an der Auferstehungskirche trifft, als Moderator fungiert.

Zoom-App als Alternative

„Wir haben aber eine Alternative entdeckt, die Zoom-App“, führt er fort. Soll heißen: Die Gruppe trifft sich im virtuellen Raum. „Das funktioniert ganz gut“, sagt der Moderator. Er betont aber, dass allwöchentliche Videokonferenzen „keinesfalls ein Ersatz für die persönlichen Treffen sind. Wir bleiben so aber wenigstens in Kontakt und tauschen uns aus. Die Gefahr für Suchtkranke, die noch nicht gefestigt sind, ist groß“, sagt Köhler. Sie brauchen den regelmäßigen Austausch – bei ihren gewohnten Treffen.

Rubriklistenbild: © Thomas Nowaczyk

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