Eine Meise hat eine Raupe des Eichenprozessionsspinners im Schnabel.
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Eine Meise hat eine Raupe des Eichenprozessionsspinners im Schnabel.

Raupen sorgen für Juckreiz

Eichenprozessionsspinner in Marl: Naturschützer finden Lösung gegen die Schädlinge

  • vonClaus Pawlinka
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In Marl sind Hunderte Bäume vom Eichenprozessionsspinner befallen, Fallen versagen. Naturschützer beobachteten jetzt ein wirksames "Gegenmittel".

  • In Marl breitet sich der Eichenprozessionsspinner aus.
  • Die Haare der Raupe können allergische Reaktion auslösen.
  • Gegenmaßnahmen zeigen nicht die gewünschte Wirkung.

Update, 10. Juni, 15.19 Uhr: Britta Müller vom Naturschutzbund Marl (Nabu) informierte unsere Zeitung über eine Beobachtung ihres Kollegen Daniel Schwarzbäcker. Dem gelang jetzt der Nachweis, dass Kohlmeisen tatsächlich mit dem Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner begonnen haben.

"Ausgerechnet am Nistkasten hielten sich die Raupen auf, wo sie von den Meiseneltern eifrig abgesammelt und an den inzwischen flüggen Nachwuchs verfüttert wurden", berichtet Britta Müller.

Keine lebenden Raupen mehr an Eiche in Marl

"Die Meiseneltern schlugen die Raupen zunächst immer wieder auf den Ast und zupften Raupenhaare aus, bevor sie diese an den laut bettelnden Nachwuchs übergaben." An der betroffenen Eiche seien nach zwei Tagen keine lebenden Raupen mehr entdeckt worden.

Britta Müller: "Vermutlich werden die fleißigen Meisen nicht die ganze Stadt retten können, aber der Weg, die Meisen mit Nistkästen zu unterstützen, war sicherlich goldrichtig."

Update, 9. Juni, 10.31 Uhr: Viele Leser meldeten gestern aus ganz Marl Nester des Eichenprozessionsspinners. Nach ihrem Eindruck vermehrt sich der Schädling in diesem Jahr besonders stark. So wurden in Marl-Sinsen auf der Wallstraße herabgefallene Nester auf dem Fußweg entdeckt. Wer auf öffentlichem Gelände Nester entdeckt, kann sich unter ☎ 995427 oder per E-Mail an julian.wagner@marl.de an den Zentralen Betriebshof wenden.

Viele Eichenprozessionsspinner krabbeln wie hier an der Halterner Straßen über die an den Bäumen aufgehängten EPS-Fallen hinweg.

Immer mehr Meldungen zum Eichenprozessionsspinner in Marl

Unsere bisherige Berichterstattung: Beim Zentralen Betriebshof gehen immer mehr Meldungen ein: „350 von bislang 900 kontrollierten Bäumen sind befallen“, sagt ZBH-Chef Michael Lauche. „Nach jetzigem Stand sind das weniger als im Vorjahr.“

An 120 seien die Nester bereits entfernt worden. Lauche hofft, dass die Lage nicht schlimmer wird. „Aber wir haben viele präventive Maßnahmen gegen die Raupenpopulation ergriffen. An ausgewählten Standorten (Schulen, Kindergärten, Spielplätzen) wurden die Eichen mit einem speziellen Mangrovenextrakt behandelt.“ Damit hätte die Stadt im letzten Jahr gute Erfahrungen gemacht.

Marl: Starker Eichenprozessionsspinner-Befall an Halterner Straße

An der Halterner Straße in Sinsen sei der Raupenbefall trotz aufgehängter Fallen deutlich schlimmer als in den vergangenen Jahren, sagt Anwohner Rüdiger Didschuweit. Bereits im April sei es losgegangen. „Wenn es windig ist, können wir nicht auf der Terrasse sitzen oder die Fenster öffnen“, erzählt der Sinsener. 

Oswald Berwanger aus Sinsen wünscht sich mehr Initiative seitens der Stadt. Die ganzen Präventiv-Maßnahmen hätten aus seiner Sicht nichts gebracht. „Es juckt überall“, sagt er und spricht damit, wie er in einer Mail an den ZBH schreibt, vielen Anwohnern aus der Seele.Insgesamt wurden nach Auskunft des ZBH bereits 900 Eichen im Stadtgebiet auf Nester der giftigen Raupen untersucht. Die Kontrollen gehen weiter.

Marl: Eichenprozessionsspinner bereits jetzt weit verbreitet | cityInfo.TV

Marl: Eichenprozessionsspinner bereits jetzt weit verbreitet | cityInfo.TV

Eichenprozessionsspinner: Meisen in Marl bleiben aus

Im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner hatte sich der ZBH auch Unterstützung aus der Tierwelt erhofft. Im letzten Jahr hat die Stadt 100 Nistkästen in gefährdeten Bereichen aufhängen lassen. „Leider sind diese Kästen, die gerne von Meisen bezogen werden, nur zu etwa 25 Prozent belegt“, berichtet Michael Lauche. Meisen gelten als natürliche Fressfeinde der Raupen.

Hormon-Fallen zeigen keinen Erfolg gegen den Eichenprozessionsspinner in Marl

Auch die Hormon-Fallen, die der ZBH als Versuchsprojekt auf der Langehegge und der Halterner Straße angebrachte, haben keinen durchschlagenden Erfolg gezeigt. Je 20 Eichen wurden damit ausgestattet. Die Raupen sollen in einen Beutel gelockt werden, der hoch am Stamm aufgehängt wurde.

Auch Hunde sind vom Eichenprozessionsspinner bedroht.

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