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Günther Czlapa, Harald Nübel, Marianne Gerlach, Roswitha Vos, Brian Nickholz, Bürgermeister Werner Arndt und Burkhard Eckerland, der Sohn von Günther Eckerland, (v. l.) verleihen Jochen Stelzer die Günther-Eckerland-Medaille.

Politik mit den Menschen

Schwer gelähmt, doch voller Lebensmut: Warum Jochen Stelzer in Marl die Günther-Eckerland-Medaille bekommt 

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Ihre höchste Auszeichnung, die Günther-Eckerland-Medaille, verleiht die SPD kurz vor Eckerlands 100. Geburtstag, an Jochen Stelzer (68). Er engagiert sich unermüdlich und mit Optimismus für Marl – obwohl er schwer behindert und seit 13 Jahren ans Bett gefesselt ist.

Bereits als Kind litt Jochen Stelzer an fortschreitendem Muskelschwund. Damals gaben ihm die Ärzte nur wenige Jahre – er selbst gab sich niemals auf. Und so irrten sich die Ärzte, das Leben geht weiter. Schon mehr als fünf Jahrzehnte. „Trotz meiner Behinderung habe ich ein saugutes Lebensgefühl. Das stabilisiert mein Immunsystem und verlängert mein Leben“, sagt Jochen Stelzer. 

Als junger Mann fuhr er im Rollstuhl durch die Siedlung, scheute sich nicht, Menschen anzusprechen, machte als DJ bei Kellerpartys Musik. Er kandidierte für den Rat, ließ sich im Rollstuhl durch Drewer-Süd schieben und nutzte bei Stadtteilfesten und Infoständen jede Chance, mit den Menschen zu reden. Zweimal wählten sie ihn in Drewer-Süd direkt. 

Vom Bett aus Politik für Marl gemacht

Als Vorsitzender des Ausschusses für Kinder, Jugend und Familien und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD setzte Jochen Stelzer mit anderen ein Behindertentaxi durch und eine Wohngruppe für Menschen mit spastischen Lähmungen. Als Kursleiter der Volkshochschule plante er den ersten Marler Wegweiser für Behinderte durch Marl. Mit der Verdienstmedaille zum Bundesverdienstorden würdigte der Bundespräsident sein Engagement. 

2006 warf eine lebensbedrohliche Lungenentzündung Jochen Stelzer aus der Bahn. Seither ist er ans Bett gefesselt, wird über einen Luftröhrenschnitt künstlich beatmet. Doch über den Verein Selbstbestimmte Assistenz für Behinderte organisiert er seine Betreuung rund um die Uhr, bleibt voller Lebensfreude und mischt sich vom Bett aus in die Politik ein. 

Das Internet ist Jochen Stelzers „Nabelschnur zur Welt“. Über seinen Laptop ist er bestens vernetzt, schreibt Leserbriefe und nimmt Einfluss auf die Politik.

Über ein Spracherkennungsprogramm bloggt er auf seiner Homepage, mailt engagierte Leserbriefe für unsere Zeitung, bleibt mit seinem SPD-Ortsverein in Kontakt. Mit einer in den Laptop eingebauten Kamera und barrierefreier Software drehte und schnitt er sogar einen Film, der Behinderten Mut macht. Das Internet ist seine elektronische Nabelschnur zur Welt. 

Günther Eckerland war sein Vorbild

„Die SPD ist dankbar für dein herausragendes Engagement“, sagte Vorsitzender Brian Nickholz und überreichte dem 68-Jährigen die Günther-Eckerland-Medaille. Dass Jochen Stelzer sie bekommen sollte – darüber habe die SPD Marl nicht lange diskutiert, sagte Bürgermeister Werner Arndt. Mit einer kleinen Delegation besuchte er den engagierten Genossen in seiner Wohnung in Drewer: „Fleißig sind viele. Aber du bist ein Vorbild und hast schon für Barrierefreiheit und für Inklusion gesorgt, bevor wir das Wort überhaupt kannten.“ 

Jochen Stelzer zeigte sich „tief berührt und bewegt, diese schöne Auszeichnung zu bekommen“ – auch weil er Günther Eckerland persönlich kannte: „Mir imponierte seine wunderbare Art, auf Menschen zuzugehen. Er konnte mit dem Kumpel und mit dem Bankdirektor reden. Und er nahm sich Zeit für die Menschen, auch für mich.“ Günther Eckerland habe ihn motiviert, sich politisch einzubringen, sagte Jochen Stelzer. 

Mit konkreter Politik die Probleme der Menschen lösen

Sein Anspruch war es immer, sich für Menschen einzusetzen, die Hilfe brauchen: „Mir gab es ein sehr gutes Gefühl, wenn Menschen dankbar waren für einen Kindergarten oder eine Altenwohnung.“ Vielleicht sei das auch heute ein Weg für die SPD, Politik zu machen: „Wir sollten versuchen, die Probleme einzelner Menschen zu lösen.“

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