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Architektonisch eine Besonderheit: das Marler Rathaus, das aber auch polarisiert.

Eine Stadt mit viel Kultur

Marl: Geschichte, Sehenswürdigkeiten, Kultur und Sport in der Stadt des Grimme-Preises mitten in NRW

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Eine Menge zu bieten hat Marl im Kreis Recklinghausen. Auch wenn die Industrie- und Kulturstadt auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, ragen die Nähe zur Haard als Teil des Naturparks Hohe Mark, der Grimme-Preis und die Architektur des Rathauses sowie der Scharoun-Schule heraus.

  • Marl hat insgesamt 87.292 Einwohner (Stand 31.3.2020) und ist damit die zweitgrößte Stadt im Kreis Recklinghausen.
  • Neben dem Rathaus (steht unter Denkmalschutz) gibt es aber noch weitere Sehenswürdigkeiten in dem Ort
  • Bekannt ist Marl vor allem auch wegen des Grimme Preises und seiner kulturellen Einrichtungen

Die Stadtrechte bekam Marl erst 1936 verliehen, auch wenn es bereits in der älteren und mittleren Steinzeit besiedelt war. Aber bereits 890 wird Marl erstmals in einem Kirchenregister urkundlich erwähnt. Besiedelt war der Ort aber bereits in der älteren und mittleren Steinzeit. Das zeigen Funde bei Ausgrabungen im Ortsteil Sinsen. Erste Siedlungen stammen wohl aus der Zeit um 600 v. Chr.

Marl: Einwohner und Lage der Stadt

Geografisch bildet Marl quasi das Tor zum Münsterland. Während im Norden vor allem die Lippe als Grenze dient, stößt der Süden mitten ins Ruhrgebiet vor. Denn der Stadtteil Polsum grenzt direkt an Gelsenkirchen.

Unterteilt wird Marl statistisch laut Verwaltung in die Stadtteile:

  • Stadtkern
  • Alt-Marl
  • Brassert
  • Drewer-Nord
  • Drewer-Süd
  • Hüls-Nord
  • Hüls-Süd
  • Hamm
  • Polsum
  • Sinsen-Lenkerbeck

Die Stadt ist insgesamt 87,653 Quadratkilometer groß. Laut Verwaltung gibt es 87.292 Einwohner.  Der Ausländeranteil liegt bei 13,4%. 1976 hat Marl 92 676 Einwohner. Der Spitzenwert wird nochmal 1994 erreicht – begründet durch den Fall der Mauer. Die angestrebten 100.000 Einwohner sollten aber Illusion bleiben. Marls Nachbarstädte sind neben Gelsenkirchen die zum Kreis Recklinghausen gehörenden Orte Dorsten, Haltern am See, Oer-Erkenschwick, Recklinghausen und Herten.

Die Stadt besitzt zwar die Marler City, hat aber keinen historischen Ortskern. In den 1960er und 1970er Jahren wurde dieses Zentrum "künstlich" geschaffen. Neben dem Einkaufszentrum Marler Stern (mit dem größten Luftkissendach Europas) wurden Wohnhäuser und das Rathaus quasi auf der grünen Wiese gebaut. 

Verkehrswegenetz in Marl

Verkehrstechnisch hat Marl einige Besonderheiten. Denn zu erreichen ist die Stadt sowohl auf dem Wasser, wie auf dem Straßenwege, mit der Bahn genauso wie mit dem Flugzeug. Von der Autobahn 43 führen gleich mehrere Abfahrten direkt nach Marl, selbst ein Autobahnkreuz ist nach dem Ort benannt_ Marl-Nord. Dort kreuzen sich die A43 und die A52. letztere führte über mehrere Kilometer fast die gesamte nördliche und westliche Grenze entlang.

In Mitte, Sinsen, Hamm und Drewer existieren eigene kleine Bahnhöfe. Der Flugplatz Loemühle liegt teilweise auf Marler, teilweise auf Recklinghäuser Gebiet. Diesen nutzte unter anderem zu seiner Amtszeit gerne mal Bundeskanzler Helmut Kohl inkognito. Als Wasserstraße dient der Wesel-Datteln-Kanal.

Der Aufschwung Marls ging einher mit dem Aufkommen der Steinkohle. Gleich mehrere Bergwerke gab es in der Stadt - und mit Auguste Victoria bis 2015 die drittletzte aktive Zeche im Ruhrgebiet. 

Das Gelände des ehemaligen Bergwerks Auguste Victoria (links), dahinter der Chemiepark Marl.

Die Zeche Brassert Danach ging die Entwicklung aber - wie bei vielen Zechen im Ruhrgebiet - schnell bergab. Bereits am 29. Juni 1979 wurde die Zeche stillgelegt.wurde bereits 1972 stillgelegt, nachdem sie 1905 gegründet worden war.

Das Gelände der Zeche Auguste Victoria an der Carl-Duisberg-Straße soll zum Industrie- und Gewerbegebiet gate.ruhr entwickelt werden. Im ersten Abschnitt geht es um die Erschließung von 12,5 Hektar auf der rund 90 Hektar großen Industriebrache. Die Fläche liegt nördlich und südlich der zum Chemiepark führenden Nordstraße. Insgesamt sollen 45 Hektar Industrie- und Gewerbefläche entstehen. Zur ersten Entwicklungsphase gehört der Umbau der Carl-Duisberg-Straße mit zwei Kreisverkehren und neuen Radwegen.Das Land NRW fördert gate.ruhr im ersten Abschnitt mit 14,5 Millionen Euro. Für die erste Realisierungsphase rechnen die RAG MI und die Stadt Marl mit Kosten von ca. 30 Millionen Euro. Abzüglich der erwarteten Verkaufserlöse, der Landesförderung und des Finanzierungsanteils der RAG MI bleibt für die Stadt Marl ein finanzieller Aufwand von ca. 8,9 Millionen Euro für die erste Realisierungsphase.

Kulturelle Höhepunkte in Marl

Herausragendes Ereignis ist alljährlich die Verleihung des Grimme-Preises. Zahlreiche prominente Zeitgenossen fanden und finden regelmäßig den Weg nach Marl. Legendär sind mittlerweile die Besuche von Otto Waalkes, der sich nach der öffentlichen Verleihungszeremonie bei der anschließenden Feier schon mal gerne eine Gitarre nahm und die Gäste unterhielt. 

Begehrtes Objekt: der Marler "Grimme Preis".

Zu den bekanntesten Marler Persönlichkeiten zählt der Filmemache Sönke Wortmann. Bekannt wurde er unter anderem mit seinen Filmen „Kleine Haie“, „Der bewegte Mann“, „Das Wunder von Bern“, „Deutschland. Ein Sommermärchen“, und "Die Päpstin“. Ebenfalls in Marl geboren sind Fußballtrainer Peter Neururer, Beate Peters (Bronzemedaillengewinnerin bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 1987 im Speerwurf), Bischof Franz-Josef Overbeck, Tennisspieler Karsten Braasch, Christian Ahlmann (Bronze-Medaillengewinner Olympia (2004) und Doppel-Europameister (2003) im Springreiten) und DJ Moguai, mit bürgerlichem Namen Andre Tegeler.

Der mehrfach ausgezeichnete Autor und Regisseur Heinrich Breloer wurde zwar in Gelsenkirchen geboren. Doch seine Eltern betrieben das Hotel Loemühle, so dass der Grimme-Preisträger eine besondere Beziehung zu Marl hat.

Philharmonia Hungarica hatte in Marl ihr Zuhause

Musikalisches Aushängeschild war bis zur Auflösung das Orchester Philharmonia Hungarica (PH).  Die Philharmonia Hungarica wurde 1956 von Exil-Ungarn in Wien gegründet. Mehr als 40 Jahre lang war das anfangs sogenannte Flüchtlingsorchester in Marl zu Hause. Finanziert wurde das Exil-Orchester durch den Bund. Ende der 90er-Jahre kam der Beschluss, die Subventionen einzustellen. Zuletzt waren Musiker aus 14 Nationen in der PH engagiert. 2001 wurde das Ensemble aufgelöst. Die Aufnahme aller 104 Haydn-Sinfonien unter Leitung von Antal Dorati gehört zu den musikalischen Meilensteinen in der PH-Geschichte.

Marl: Konzerte mit Stars wie José Carreras

Einer der ersten Solisten war Jahrhundertgeiger Yehudi Menuhin, der später ein Mentor und Ehrenpräsident der Hungarica wurde. Später folgten Auftritte mit Weltstars der klassischen Bühne wie Luciano Pavarotti, Edita Gruberova und José Carreras.

Die Scharounschule in der Westfalenstraße 68a, wurde von 1964 bis 1970 gebaut und gilt als Meisterwerk organischer Architektur. Sie ist eine von nur zwei Schulen, die nach Plänen von Hans Scharoun errichtet wurden. In Marl wird die besondere Schularchitektur Scharouns sichtbar, der Klassenzimmer als „Schulwohnungen“ konzipierte. Die Schule wurde als Volks- und Hauptschule genutzt, war später auch Standort für die gemeinsame Oberstufe der beiden Marler Gesamtschulen. In Marl gibt es zudem zwei Gymnasien und zwei Krankenhäuser (Marien Hospital und Paracelsus-Klinik).

Kultur vor dem Theater Marl.

Kulturell bietet Marl Theaterfreunden ein Zuhause. Denn die Stadt besitzt ein eigenes Theater, in dem unter anderem die Ruhrfestspiele ihr Programm zeigen, Konzerte stattfinden, bekannte Comedygrößen auftreten oder auch Schauspiel präsentiert werden.

Skulpturenmuseum Glaskasten zieht Besucher nach Marl

Ende der 40er Jahre begann die Stadt mit dem Ankauf von Kunstwerken, doch erst 1978 wurde das Skulpturenmuseum gegründet. Das Museum besitzt mehr als 220 Plastiken und 75 Leihgaben. Rund um den City-See und das Rathaus sind Großskulpturen aufgestellt.

Die „Außensaison“ wurde zum Frühlingsanfang mit dem Almauftrieb eingeläutet. Eine Kutsche brachte die beiden bunt gescheckten Polyester-Kühe von Samuel Buri zur Insel im City-See. 

Über alle Kunstwerke informiert das Skulpturenmuseum in einem 200 Seiten starken Katalog. 50 gestochen scharfe Farbfotos zeigen die wichtigsten Anschaffungen. Gemeinsam mit dem Adolf-Grimme-Institut, dem Goethe-Institut und dem ZDF verleiht das Museum seit 1984 den Marler Video-Kunst-Preis. Die besten Videos werden ausgestellt. 1999 kam der Video-Installations-Preis hinzu.

Skulpturen Museum Glaskasten

Der Freundeskreis Habakuk sponsert als Förderverein viele Ausstellungen und ermöglicht Neuanschaffungen. Seit 1990 ist die Paracelsus-Klinik am Lipper Weg eine Außenstelle des Skulpturenmuseums Glaskasten. Die Sammlung umfaßt mittlerweile circa 300 plastische Bildwerke des 20. Jahrhunderts.

Das Wirken des berühmten Architekten Hans Scharoun in Marl

2004 wurde die Scharounschule in die Denkmalliste der Stadt Marl aufgenommen. Die Sanierung hat mehr als insgesamt 10,5 Millionen Euro gekostet. Hans Scharoun (1893 - 1972) war einer der bedeutendsten deutschen Architekten und Städteplaner. Nach seinen Plänen wurden die Philharmonie und die Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz in Berlin gebaut. Scharouns Arbeit steht für die sogenannte organische Architektur. Statt rechter Winkel gibt es sechs- und siebeneckige Waben, unterschiedliche Ebenen und Deckenhöhen lassen immer wieder neue Blickachsen entstehen und bringen Bewegung in die Architektur.

Der Chemiepark Marl und seine Entwicklung

Noch heute ist der Marler Chemiepark der größte Arbeitgeber der Stadt und war einst neben der Kohle verantwortlich für den Aufschwung Marls. 1938 wurde mit der Gründung der Chemischen Werke der Grundstein für den heutigen Chemiepark gelegt. Ziel ist der Aufbau der kriegswichtigen Kautschukproduktion. 1940 wird die Buna-Produktion aufgenommen.

Chemiepark Marl

Nach dem Krieg wird 1951 die Buna-Produktion wieder aufgenommen, 1953 werden die CWH aus alliierter Kontrolle entlassen. Schlag auf Schlag werden das Theater, die insel, die Paracelsus Klinik und neue Schulen eröffnet. Siedlungen schießen aus dem Boden. Auf Loemühle beginnt der Flugbetrieb. 

Der Chemiepark Marl ist über Straße, Schiene und Wasserweg erreichbar. Auch über Pipelines wird der Chemiepark mit Rohstoffen versorgt.  cxbxcb

TSV Marl-Hüls mit einer bewegenden Fußball-Geschichte

Kaum ein Verein im Kreis Recklinghausen hat eine so bewegte Geschichte vorzuweisen wie der TSV Marl-Hüls. Lange Zeit war das Jahnstadion das Zuhause des TSV Marl-Hüls. Das war einmal. Unvergessen ist der größte Erfolg des Klubs: 1954 wurde der TSV Deutscher Amateurmeister. Über Siege gegen Benrath, Köln, Eintracht Nordhorn und Phönix Lübeck  zogen die Hülser ins Finale ein. Dieses fand in der ehrwürdigen Glückauf-Kampfbahn in Schalke statt. 6:1 hieß es am Ende der Partie vor 18.000 Zuschauern gegen Spvgg. 03 Neu-Isenburg - der Titel ging also nach Marl.

Von 1960 bis 1963 spielten die Hülser in der damals erstklassigen Oberliga West. Dabei kam es zu Spielen gegen große Namen. Die Hülser hatten es mit Borussia Dortmund genauso zu zun wie mitSchalke 04 und Borussia Mönchengladbach. Für neu gegründete Bundesliga bewarb sich der Verein 1963 allerdings nicht.

Im Amteurbereich gab es zwischendurch zwar immer mal ein Aufflackern - doch am Ende musste der Verein Insolvenz anmelden: Der alte Verein TSV Marl-Hüls 1912 wurde 2019 aufgegeben, der neue TSV Marl-Hüls 2019 gegründet. Alle verbliebenen Abteilungen treten über. Wichtig: Die Jugendfußballer dürfen ihre alten Spielklassen behalten.

Das Jahnstadion in Hüls war Heimspielstätte und wurde zwischen 1924 und 1927 gebaut. Im 2. Weltkrieg wurde das Stadion teilweise zerstört, so dass man 1948 begann, das dieses wiederaufzubauen und gleichzeitig zu erweitern. 1949 kam es dann zur Wiedereröffnung.

Das ehemalige Jahnstadion.

18.000 Zuschauer beim Spiel TSV gegen Wuppertal

1960 kam es bei dem Spiel zwischen dem TSV Marl-Hüls und dem Wuppertaler SV zu einem Zuschauerrekord. So verfolgten damals 18.000 Besucher dieses Spiel. Im Jahre 1962 wurde beschlossen, eine Haupttribüne zu bauen, die 1964 vollendet wurde. 

Marl: Sportvereine in der Stadt

Rund 70 Sportvereine gibt es Marl. Neben dem TSV Marl-Hüls haben auch ander Klubs in der Vergangenheit immer wieder erfolgreich die Farben der Stadt vertreten. Dazu zählen unter anderem die Fußballvereine SpVg. Marl (gibt es heute nicht mehr), der VfB Hüls und der TuS Sinsen. Beim Thema Handball kommen genauso nostalgische Gedanken auf wie beim Volleyball. In beiden Sportarten war einst der VfL Hüls sehr erfolgreich. Im Volleyball gibt es zudem den VC Marl, der einst mit den Damen in er zweiten Bundesliga spielte.

Im Rolhockey ist der VfL Hüls über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Erfolgreiche Sportkinder der Stadt gab es zudem auch im Tennis, Badminton, Rudern, Schwerathletik und Billard sowie Reiten.

Engagierte Bürger wollen Marl wieder fahrradfreundlich machen

In der Stadt hat sich ein Radler-Stammtisch gegründet. Dieser will die Verkehrswende einleiten und plant einen Radentscheid nach dem Vorbild der Städte Aachen, Bielefeld, Bonn und Essen. Schließlich war Marl mal Pionierin der fahrradfreundlichen Städte und Mitgründerin der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, wurde aber 2014 aus dem Verein ausgeschlossen und landet seit Jahren beim Fahrradklimatest des ADFC unter den Schlusslichtern.

Zu den schönen Plätzen in Marl gehört auch der Rathaussee mit seinen Grünanlagen: Die einen verbringen in der grünen Mitte ihre Mittagspause, die anderen entspannen sich beim Beobachten der Wasservögel, wieder andere haben sich auf einer schattigen Bank mit Freunden und Bekannten zum Schnacken verabredet.

Schweres Zugunglück im Stadtteil Sinsen

In trauriger Erinnerung bleibt Marl aber wegen eines Zugunglücks 1973. Damals starben sieben Menschen in Marl-Sinsen. 

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