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In unmittelbarer Nachbarschaft der stillgelegten Zeche Auguste Victoria 1/2 wurde die Bergehalde Brinkfortsheide erweitert – auf dem Gelände der ehemaligen Kokerei.

Anklage

Gewässerverunreinigung in Marl: Bürgerinitiative zeigt Mitarbeiter der RAG an

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Die Bürgerinitiative Marl-Hamm hat Strafanzeige wegen Gewässerverunreinigung gegen unbekannte Mitarbeiter der RAG gestellt. Es geht um die Haldenschüttung 2004. 

  • Es geht um die als krebserregend geltenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe.
  • Die Bürgerinitiative Marl-Hamm klagte nach Auswertung der Akten.
  • Bergaufsicht spricht von „Ausreißer-Messwert“

Die Halde Brinkfortsheide wurde ab 2004 bis 2015 auf dem Gelände der 1966 stillgelegten Kokerei Auguste 1/2 erweitert. Vorher gab es Analysen zu den Altlasten der Kokerei.

Gutachter stellten 2002 im Grundwasser eine deutliche Überschreitung des Schwellwertes für die als krebserregend geltenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) fest. An einer Messstelle waren die Werte um das Zehnfache überschritten.

Das Kreisumweltamt forderte damals neue Messstellen und ein Monitoring (= systematische Überwachung), um die Gefährdung abzuschätzen. Denn nordwestlich des Geländes beginnt die Wohnbebauung. Die Bürgerinitiative ist auf diese Fakten gestoßen, nachdem sie Akten ausgewertet hatte, die sie bei der Bezirksregierung einsah.

Bürger aus Marl sind sauer 

„Das ist Umweltverschmutzung, wir stellen Anzeige zum Schutz der Bürger“, sagt ihr Vorsitzender Freddy Schoknecht. Die Staatsanwaltschaft Essen leitete Ermittlungen ein, die noch andauern. Das teilte uns Oberstaatsanwältin Anette Milk auf Nachfrage mit. Die RAG (vormals Ruhrkohle AG) wird zu dem laufenden Verfahren zurzeit keine Stellungnahme abgeben. 

Im Planfeststellungsbeschluss für die Bergehaldenerweiterung Brinkfortsheide (2004 bis 2015) war von einer „deutlichen flächenhaften Belastung“ mit PAK die Rede. Bei Benzol (ebenfalls ein Kohlenwasserstoff) lagen sieben von 42 Proben über dem Prüfwert. Das Kreisumweltamt drängte damals auf drei zusätzliche Messstellen. Es hatte Bedenken gegen eine Haldenschüttung, da so eine Grundwassersanierung erschwert oder behindert werde. 

Nur ein „Ausreißer-Messwert“ in Marl

Dazu sagt Andreas Nörthen, Experte für Bergaufsicht bei der Bezirksregierung Arnsberg, heute: „Ich kenne kaum einen Standort, der intensiver überwacht wurde.“ Er hält die Vorwürfe der Bürgerinitiative für unzutreffend. Seinerzeit seien vier weitere Grundwassermessstellen errichtet worden, so Nörthen. Der gemessene „Ausreißer-Messwert“ habe sich an allen anderen Standorten nicht wiederholt. 2018 seien die Belastungen an allen Stellen unter den Geringfügigkeitsschwellenwerten geblieben – auch im Silvertbach. Ausnahme: An der nordwestlichen Grundwassermessstelle (nahe der Wohnbebauung Hüls-Nord) seien beide Werte gegenüber den Messungen vorher erhöht gewesen. Der Gutachter führe die Belastungen an dieser Stelle auf Verfüllmaterial in den Klärbecken der Kokerei zurück. 

Lesen Sie im e-Paper unserer Zeitung, was die Bergaufsicht nun plant.

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