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Ernst Spranger übernimmt die Auslieferungen für die Buchhandlung Wystup.

Geschlossene Geschäfte

Händler zwischen Angst, Hoffnung und Verständnis in der Coronakrise

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  • Claus Pawlinka
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Die Geschäfte in Marl sind geschlossen. Die Inhaber warten sehnsüchtig, ihre Läden wieder öffnen zu können. Existenzangst geht um.

  • Jeder Tag zählt für die Händler in Marl.
  • Viele Händler setzen auf den Onlinehandel.
  • Es geht für die Inhaber um die Existenz. 

Diesen Anblick hätten wohl nur die wenigsten vor ein paar Wochen vorhergesagt: geschlossene Geschäfte, leere Cafés und vorsichtige Menschen, die mit Masken und Handschuhen durch die Straßen streifen. Dass die Geschäfte geschlossene sind, heißt aber auch, dass sie keinen Umsatz machen. Jeder Tag, den die Läden zu sein müssen, bedroht die Existenz der Inhaber. Unsere Redaktion hat sich umgehört, wie diese mit der Situation umgehen. 

Die Tür ist zu, aber auch in der Corona-Krise ist das TUI-Reisecenter an der Hülsstraße 22 weiter erreichbar. Telefonische oder Mail-Anfragen zu Reisen oder Stornierungen werden selbstverständlich entgegengenommen und bearbeitet. „Wir haben uns so aufgeteilt, dass jeweils zwei meiner Mitarbeiterinnen zu den gewohnten Öffnungszeiten von 9.30 bis 18 Uhr durchgängig für unsere Kunden da sind“, so Inhaberin Renate Sons. 

Marl: Hoffnung auch in der Coronakrise 

Was sie freut: „Viele unserer Kunden unterstützen uns, indem sie Gutscheine für Reisen kaufen. Eine tolle Sache, die zeigt, dass wir hier sehr viel Vertrauen bei ihnen genießen.“ Was sie ärgert: „Trotz der vielen verkauften Reisen bekommen wir wegen der Stornierungen von den Reiseveranstaltern keine Provision. Unsere Arbeit wird damit nicht bezahlt. Geld, das letztlich in der Kasse fehlt“, sagt sie. Da müssten andere Regelungen gefunden werden. Finanzielle Hilfe hat sie natürlich beantragt. Die Zusage ist schon da. „Die Unterstützung aus dem NRW-Sofortprogramm habe ich am Samstagmittag beantragt. Abends kam bereits die Bestätigung.“ Sie hat keinen Gedanken daran verschwendet, ihren Mitarbeiterinnen wegen der Krise zu kündigen. „Wir haben hier ein sehr gut funktionierendes Team, das auch in dieser schwierigen Zeit zusammenhält.“ Trotzdem hofft Renate Sons, dass bald wieder Normalität eintritt. „Aber wann das sein wird, weiß wohl niemand.“

Ungewöhnliche Wege des Kundenkontakts beschreitet Ursula Thierling von der gleichnamigen Schuhoase an der Brassertstraße 99. „Wir haben auf Facebook eine Seite erstellt, über die man sich über unsere Angebote informieren und Wünsche äußern kann“, so die Inhaberin, die ihr Geschäft seit 16 Jahren in Brassert betreibt. Die Schuhe, die sich Kunden ausgesucht haben, werden dann per Lieferservice bei ihnen vorbeigebracht. „Das Angebot wird recht gut angenommen“, sagt Ursula Thierling. Für sie wichtig: Sie zeigt damit ihren Kunden, dass es ihr Geschäft noch gibt. Es ist die zweite schwierige Situation, die sie und wohl die gesamte Brasserter Kaufmannschaft erleben muss. Erst war es die lang andauernde Sanierung der Brassertstraße mit den vielen erforderlichen Umleitungen, die den Geschäftsleuten zusetzte. „Ich habe hier um jeden Kunden kämpfen müssen“, sagt sie. Viele kämen auch aus Haltern, Dülmen oder Recklinghausen. „Die haben aufgrund der Umleitungen Probleme gehabt, uns zu finden“, beklagt sich die Geschäftsfrau. Jetzt hat sie mit der Corona-Problematik zu kämpfen. „Es ist schon eine beängstigende Situation.“

Positive und negative Entwicklungen für Buchhändler in Marl 

Fünf von sechs Mitarbeitern der Buchhandlungen Wystup sind ebenfalls in Kurzarbeit, erklärt Ernst Spranger, Ehemann der Inhaberin Hannelore Spranger. „Es ist schwer abzuschätzen, wie lange wir das durchhalten“, sagt er. Wie die Umsätze sich entwickeln, sei abzuwarten. Die Filiale in Hüls ist geschlossen. Im Hauptsitz an der Brassertstraße 71 hat nur die Zeitungs- und Zeitschriftenabteilung weiterhin geöffnet. Auf der anderen Seite gibt es durchaus gute Nachrichten: „Die Menschen hamstern auch Bücher. Wir merken, dass es größere Lieferungen an die Kunden gibt“, sagt Spranger. Mal- und Bastelbücher sowie Schulbedarf seien sehr gefragt – vor allem Lernmaterial für die Abiturprüfungen. Per Lieferdienst kommen die Bestellungen zu den Kunden. Ordern können Interessierte via Telefon oder im Internet. „Die individuelle Beratung am Telefon wird gut angekommen“, sagt Spranger. 

Auch Arno Just, Dirk Bachmann und Michael Kopke berichten von Hoffnungen und Problemen in ihren Geschäften. Lesen Sie das ime-Paper!

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