Nina Neuhaus, Petra Kläsener und Maren Mauelshagen (v. li.) mit Informations-Material zur Arbeit der Frauenberatungsstelle Marl.
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Nina Neuhaus, Petra Kläsener und Maren Mauelshagen (v. li.) mit Informations-Material zur Arbeit der Frauenberatungsstelle Marl.

Frauenberatungsstelle zieht Bilanz

Häusliche Gewalt steigt um 58 Prozent - Was ist der Grund?

  • Markus Weßling
    vonMarkus Weßling
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Wesentlich mehr Klientinnen als im Vorjahr suchten 2020 Hilfe bei der Frauenberatungsstelle. Im Corona-Jahr ging es vielfach um psychische Probleme.

Die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle wissen zu berichten, dass sich viele Frauen im vergangenen Jahr nicht während des ersten Corona-Lockdowns, sondern erst anschließend an die Einrichtung gewandt haben. Der Grund dürfte auf der Hand liegen: Während des Lockdowns standen viele Frauen unter Dauer-Kontrolle ihrer Männer – es war ja Daheimbleiben angesagt. Erst danach ergab sich vielfach die Gelegenheit, Kontakt mit den Beraterinnen aufzunehmen.

Das allerdings wurde dann in großem Umfang getan: Die Zahl der Klientinnen hat im Jahr 2020 im Vergleich zum noch „normalen“ Jahr 2019 erheblich zugenommen, von 263 auf 346. Zusätzlich alarmierend ist die deutlich gestiegene Zahl der Fälle, in denen häusliche Gewalt eine Rolle spielte: 48 waren es 2019, 76 im vergangenen Jahr – ein Anstieg um 58 Prozent.

Die neu gestaltete Homepage der Frauenberatungsstelle Marl hat einen großen „Not-Aus-Knopf“: Wenn sich eine Frau auf der Internetseite informiert und überraschend jemand hereinkommt, der davon besser nichts mitbekommen sollte, ist nach Drücken der großen Schaltfläche flugs die Google-Startseite auf dem Bildschirm zu sehen.

Fataler Gedanke: Ich bin selbst Schuld

Immer wieder Frauen gibt, die berichten, ihnen sei ja „eigentlich gar keine Gewalt“ angetan worden – und auf Nachfrage dann erklären, sie seien etwa gewürgt oder gegen die Wand gedrückt worden – nach dieser Vorstellung wäre es nur Gewalt, wenn sie geschlagen worden wären. Dabei ist der Gewalt-Begriff viel weiter zu fassen.

Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass sehr viele Frauen, die die Beratung aufsuchen, nicht wirtschaftlich unabhängig sind. Ganze neun Prozent der Klientinnen sind in Vollzeit, weitere 13 in Teilzeit beschäftigt. Die übrigen leben von Rente, Sozialleistungen des Staates – oder sind eben vom Partner abhängig. Eine Trennungs-Absicht unter diesen Voraussetzungen in die Tat umzusetzen ist nicht so einfach, wie Maren Mauelshagen und Nina Neuhaus wissen. Sie sind es, die mit den Klientinnen arbeiten, und zwar nach folgenden Maßgaben: unabhängig von der Herkunft, Religion und sexueller Orientierung – und, für viele ganz wichtig – kostenlos und auf Wunsch anonym.

Sie sehen, dass die Corona-Lage neben der stark steigenden Zahl der Fälle von häuslicher Gewalt auch mehr Anfragen von Klientinnen mit psychischen Problemen wie Depressionen, Ängsten und so genannten Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) mit sich bringt.

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