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Helmut Feldmann hat den Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angezeigt

Prozess

Sterbehilfe für Paralympics-Siegerin – einem Marler bleibt dieser Wunsch bisher verwehrt

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Paralympics-Siegerin Marieke Verwoort aus Belgien hat Sterbehilfe in Anspruch genommen. Helmut Feldmann aus Marl bleibt dieser Wunsch bisher verwehrt. Er kämpft vor Gericht für sein Recht auf selbstbestimmtes Sterben.

Marieke Vervoort war eine der erfolgreichsten Behinderten-Sportlerin. Jetzt ist sie tot. Im Alter von 40 Jahren beendete Vervoort ihr Leben durch Sterbehilfe - mit einem Glas Sekt in der Hand. So hatte sie sich es gewünscht. Vervoort litt an einer extrem schmerzhaften und unheilbaren Muskelkrankheit. Die Belgierin hatte sich bereits früh für einen Tod durch Euthanasie entschieden.

Auch die Krankheit von Helmut Feldmann aus Marl ist austherapiert. Er leidet an der nicht heilbaren chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung COPD und hofft auf einen sanften Tod mithilfe von Medikamenten. Zurzeit kämpft der 72-jährige Marler vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe für sein Recht auf selbstbestimmtes Sterben.

Betäubungsmittel sollen schmerzlosen Tod ermöglichen

Bereits 2017 hatte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig geurteilt, dass der Staat unheilbar Kranken in extremen Ausnahmesituationen den Zugang zu einem Betäubungsmittel und damit zu einem schmerzlosen Tod nicht verwehren dürfe. Seither gingen zahlreiche Anträge beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte ein. 

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wies das Bundesinstitut jedoch an, entsprechende Anträge von Bürgern abzulehnen. „Er setzt sich über die Richter hinweg", so Helmut Feldmann. "Und er verletzt mein Persönlichkeitsrecht."

Marler klagt auch vor dem Bundesverfassungsgericht

Anfang Juli hat der Bundesgerichtshof zudem ein Grundsatzurteil gefällt. Ärzte sind nicht verpflichtet, bei definitiv sterbewilligen Patienten lebensrettende Maßnahmen zu ergreifen. Für den leidenden Marler Helmut Feldmann ist der Richterspruch ein positives Signal.

Am 16. und 17. April hat auch das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe über die Sterbehilfe verhandelt. Ein Urteil zu Paragraf 217 des Strafgesetzbuchs verhandelt, der die „geschäftsmäßige Förderung der Sterbehilfe“ unter Strafe stellt, wird in den nächsten Wochen erwartet.

Marler kämpft auch für andere Betroffene

 "Ich kämpfe nicht nur für mich, sondern auch für viele andere Betroffene", betont Helmut Feldmann aus Marl.

Hinweis der Redaktion: Generell berichten wir nicht über Selbsttötungen, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. Hilfe bietet auch der Krisendienst Psychiatrie für München und Oberbayern unter 0180-6553000.Weitere Infos finden Sie auf der Webseite www.krisendienst-psychiatrie.de/.

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