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Auf dem Sterbebett verabschiedete sich eine ältere Dame von ihrem Hund. Dorothee Steinbeißer begleitete die 92-Jährige, die erst vor wenigen Tagen verstarb, in ihrer letzten Lebensphase.

Hospizverein Marl

Hospizverein Marl wird 15 Jahre alt: Ehrenamtliche erzählt beeindruckende Geschichte

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Die Ehrenamtlichen des Hospizvereins Marl haben 59 Marler im letzten Jahr bis zum Tod begleitet. Seit 15 Jahren stehen sie Sterbenden und ihren Angehörigen bei.

Manchmal dauert die Begleitung nur wenige Stunden, in Ausnahmefällen sogar Jahre. Dorothee Steinbeißer, die seit der Gründung im Verein ehrenamtlich aktiv ist, hat beide Extreme erlebt. Zuletzt war sie an der Seite einer 92-Jährigen, die in der vergangenen Woche beerdigt wurde. Dorothee Steinbeißer lernte die Frau im Krankenhaus kennen, hatte zunächst vor allem Kontakt zu ihrem Sohn. „Wir haben viel telefoniert, im Krankenhaus hätte ich die beiden nur gestört“, erzählt die 71-Jährige. Als der Sohn Dorothee Steinbeißer mitteilte, dass die Frau zum Sterben nach Hause verlegt werden wollte, war sie skeptisch. „Ich selbst hielt das zunächst für keine gute Idee, da die letzte Phase schon weit fortgeschritten war“, räumt sie ein und macht deutlich: „Aber es geht bei der Begleitung nicht um meine Bedürfnisse.“ Das lernen alle, die sich in den Befähigungskursen des Vereins zu Sterbebegleitern ausbilden lassen. 

Was Dorothee Steinbeißer an den folgenden drei Tagen erlebte, beeindruckte sie zutiefst. Im heimischen Pflegebett wirkte die Frau glückselig, hatte ihren Sohn und ihren Hund die ganze Zeit nah bei sich. „Wenn der Sohn etwas zu regeln hatte, war ich an ihrer Seite“, erzählt die 71-Jährige. Damit ist im Kern gesagt, was der Hospizverein leistet. Ist der Erstkontakt über private Initiative, die Palliativstation des Marien-Hospitals, Seniorenheime oder auch den Palliativmedizinischen Konsiliardienst hergestellt, besucht eine der beiden Koordinatorinnen Anja Schröder oder Christa Mendla die schwerst kranken oder sterbenden Menschen. 

Hospizverein Marl sei kein Pflegedienst

Im Erstgespräch loten sie aus, was gewünscht ist. „Wir machen bei der Gelegenheit aber auch klar, dass wir nicht pflegen“, unterstreicht Christa Mendla. Nach dem Gespräch wird geschaut, welcher der 50 Ehrenamtlichen für die Begleitung infrage kommt. Ob die Chemie stimmt, wird in einem zweiten Gespräch, zu dem der Ehrenamtliche die Koordinatorin begleitet, überprüft. Wie umfangreich und intensiv die späteren Kontakte sind, hängt vom Einzelfall ab. Die Ehrenamtlichen verbringen Zeit mit den Betroffenen und ihren Angehörigen, beantworten Fragen, helfen bei Problemen und nehmen sich Zeit zum Reden und Zuhören – immer nach Wunsch und in der vertrauten Umgebung. Stirbt die begleitete Person, werden die Ehrenamtlichen nicht sofort wieder eingesetzt, damit sie Abstand gewinnen können.

 „Nicht alles kann man so wegstecken“, betont Heidi Stein, die seit 2006 dabei ist. Zu sehen, dass der Tod für einen älteren Menschen eine Erlösung sein kann, sei eine Sache. Eine 35-jährige Frau zu begleiten, die vor ihrem Tod noch heiratet, sei aber eine ganz andere. Wie die Ehrenamtlichen das aushalten? Sie sprechen miteinander, mit den Koordinatorinnen, nutzen Supervision und machen Fortbildungen. Dorothee Steinbeißer betont: „Wir sind sehr gestärkt in unserem Tun.“

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