Der Umgang mit schwerstkranken Menschen, die Sterbehilfe wünschen, ist heute Thema im Bundestag.dpa
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Der Umgang mit schwerstkranken Menschen, die Sterbehilfe wünschen, ist am Mittwoch Thema im Bundestag.

Prominente Unterstützung

Kampf um Sterbehilfe: Hilft Karl Lauterbach dem Marler Helmut Feldmann?

  • Martina Möller
    vonMartina Möller
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Helmut Feldmann setzt sich weiter für das Recht auf selbstbestimmtes Sterben ein. Am Mittwoch wird ein neuer Gesetzentwurf diskutiert.

Mehr als ein Jahr nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist die Enttäuschung bei Helmut Feldmann groß. Das Ringen um eine neue gesetzliche Grundlage für die Sterbehilfe dauert an. Insbesondere mit der von Helmut Feldmann angestrebten Erlaubnis für assistierten Suizid tut sich die Politik schwer. „Ich habe ja nicht nur für mich gekämpft, sondern für viele andere schwerkranke Menschen“, sagt der Marler mit Bedauern darüber, dass die Gesetzgebung stockt.

Am 26. Februar 2020 kippte das Bundesverfassungsgericht den 2015 vom Bundestag verabschiedeten Paragrafen 217, der „geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung“ untersagte und damit die Arbeit von Sterbehilfevereinen praktisch verbot. Die Richter erlaubten dagegen unter strengen Voraussetzungen die Beihilfe zum Suizid. Der Marler Helmut Feldmann (74) war in Karlsruhe einer der Kläger.

Würdevoll und ohne Qualen sterben

Er leidet an der unheilbaren Lungenkrankheit COPD, will würdevoll und ohne Qualen sterben, wenn der Erstickungstod droht. Mit dem SPD-Politiker und Mediziner Karl Lauterbach an der Spitze einer interfraktionellen Arbeitsgruppe hat er prominente Unterstützung bekommen.

Im Bundestag legen die Abgeordneten Dr. Karl Lauterbach (SPD), Katrin Helling-Plahr (FDP), Dr. Petra Sitte (Die Linke), Swen Schulz (SPD) und Otto Fricke (FDP) heute einen interfraktionellen Gesetzentwurf zur Suizidhilfe vor. Das Gesetz soll nach ihrem Willen noch vor den Bundestagswahlen im September verabschiedet werden. In der CDU gibt es Widerstand gegen die Sterbehilfe und wenig Bereitschaft, sich noch vor September mit dem Thema zu befassen. Das kritisieren die Initiatoren und auch der Marler Helmut Feldmann.

Auch mehr als ein Jahr nach dem Prozess in Karlsruhe rufen ihn Patientinnen und Patienten aus ganz Deutschland an. „Viele sind nicht nur schwerkrank, sondern auch verzweifelt, weil sie mit Ärztinnen und Ärzten nicht offen über die Sterbehilfe sprechen können“, berichtet Helmut Feldmann. Ein Grund dafür: „In den meisten Ländern sehen sich Mediziner Sanktionen ausgesetzt, sobald sie Hilfe zur Selbsttötung leisten“, so die FDP-Bundestagsabgeordnete Katrin Helling-Plahr in einem Brief an Helmut Feldmann.

Bislang ist nach dem Karlsruher Urteil auch noch keine Anpassung des Betäubungsmittelgesetzes erfolgt. „Nach Rücksprache mit meinem Anwalt werde ich erneut gegen Jens Spahn bei der Berliner Justiz Strafanzeige erstatten“, erklärt Helmut Feldmann. „Denn der Minister hat das Selbstbestimmungsrecht, die Würde des Menschen sträflich ignoriert.“

Bereits im Oktober 2019 hatte der Marler den Bundesgesundheitsminister angezeigt, weil er dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) 2017 untersagt hatte, die Vergabe von Betäubungsmitteln an schwerkranke Patienten in extremen Ausnahmefällen zu erlauben. Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte Ermittlungen jedoch abgelehnt.

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