Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, geht für die Grünen ins Rennen um die Nachfolge von Bundeskanzlerin Angela Merkel.  FOTO
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Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, geht für die Grünen ins Rennen um die Nachfolge von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Entscheidung ist gefallen

Kanzlerkandidaten von CDU und Grünen stehen fest - Das sagen Marler Politikerinnen

  • vonJulia Grunschel
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Wir sprachen mit Marler Politikerinnen über die Kanzlerkandidatenkür der Grünen und Christdemokraten und über Frauen in der Politik.

Still und leise haben die Grünen ihre Bundesvorsitzende Annalena Baerbock zu ihrer Kanzlerkandidatin gemacht. Bei der CDU setzte sich nach langem Hin und Her Armin Laschet durch. Wir haben Marler Politikerinnen gefragt, wie sie die letzten Tage erlebt haben, was sie zu den möglichen Nachfolgern von Angela Merkel und generell zum Thema Frauen in der Politik sagen.

Katharina Sandkühler, Stadtverbandsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, wäre auch mit Robert Habeck einverstanden gewesen: „Aber ich finde es gut, wenn gute Frauen nach vorne kommen. Wenn Annalena Baerbock den Wunsch geäußert hat, ist es schön, dass Robert Habeck sie unterstützt. Sie sind beide eine gute, harmonische Doppelspitze.“ An der Kanzlerkandidatin schätzt die 34-Jährige, dass sie aktuell nicht nur die Pandemie im Blick hat, sondern auch Themen wie den Klimawandel.

Dass Annalena Baerbock den Schritt ins Kanzleramt auch bewusst als Mutter von Kindern gehen will, unterstützt Katharina Sandkühler. „Kinder sollten nie ein Hindernis sein, etwas zu tun, sondern uns beflügeln. Wir wissen, für wen wir die Dinge machen.“ Sie selbst merke immer wieder, dass der Spagat zwischen Politik, Arbeit und Familie möglich ist: „Dann, wenn die Familie stark ist. Mann, Eltern, Freunde, Paten – das Netz, das mich unterstützt, ist groß.“

Sandra Schoknecht, die ebenfalls für die Bündnisgrünen im Rat der Stadt sitzt, lobt die Doppelspitze und die Einigung, die sie erzielt hat: „Annalena Baerbock und Robert Habeck sind beide außerordentlich fähig und nicht umsonst im Vorstand“, sagt die Hammerin, die im Herbst erstmals gewählt wurde. Genau wie Katharina Sandkühler sichert sie der Kanzlerkandidatin volle Unterstützung des Ortsverbands zu: „Ich wünsche ihr, dass sie mit ihrer Arbeit erfolgreich ist.“

Marl: Kopfschütteln über Laschet und Söder

Zur Kandidatur gratuliert auch Angelika Dornebeck (CDU) Annalena Baerbock. „Ich freue mich, dass sich eine Frau durchgesetzt hat. Auch in der CDU sind starke und kompetente Frauen immer willkommen“, sagt die 60-Jährige, die für die CDU bei der Bürgermeisterwahl Amtsinhaber Werner Arndt (SPD) unterlag und stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt ist.

Über die Kanzlerkandidatenkür ihrer eigenen Partei kann sie nur den Kopf schütteln. „Herr Laschet und Herr Söder haben nicht sehr besonnen reagiert, das hätte man vernünftiger lösen müssen. Dieses Verhalten hinterlässt keinen positiven Eindruck.“ Dass Armin Laschet in der Gunst des Bundesvorstands nun vorne liegt, sei eine bewusste Entscheidung, die sie unterstützt. „Er ist kompetent, bürgernah und hat weitreichende politische Erfahrung. Um die wirtschaftlichen und politischen Interessen unseres Landes zu vertreten, benötigt ein Kanzler Feingefühl im diplomatischen Umgang mit vielen unterschiedlichen Staatsoberhäuptern. Alleingänge werden langfristig nicht zielführend sein.“

Für die Nachfolge von Armin Laschet an der Spitze des Landes Nordrhein-Westfalen würde Angelika Dornebeck sich die amtierende Heimatministerin Ina Scharrenbach als Landeschefin wünschen.

Bei Ilse Kiffe-Heinze, schulpolitischer Sprecherin der FDP, ist die Situation ähnlich. Als sie vor zwei Jahren als Lehrerin in den Ruhestand ging, begann ihre aktive politische Zeit. „Ich bin aber seit 40 Jahren FDP-Mitglied und habe immer im Hintergrund gewirkt“, erzählt die 67-Jährige. Im Beruf habe sie alles gegeben und auch viel Zeit mit ihren drei Söhnen verbringen wollen. „Frau Baerbock sagt, bei ihr müsse alles in den Hintergrund treten. Dazu wäre ich nie bereit gewesen. Die Zeit für Politik hätte ich mir vielleicht nehmen können, aber ich mache die Sachen auch gerne nacheinander.“

Marl: Leise Einigung überrascht

Grundsätzlich hat Ilse Kiffe-Heinze überrascht, dass sich Annalena Baerbock und Robert Habeck so leise hinter den Kulissen geeinigt hätten. „Bei den Grünen läuft ja sonst vieles eher basisdemokratisch“, so die 67-Jährige.

Dass Baerbock gesagt habe, sie kandidiere, weil sie eine Frau sei, ist für Ilse Kiffe-Heinze abwegig: „Ich mache nicht etwas, nur weil ich eine Frau bin.“

Maresa Kallmeier (SPD), Vorsitzende des Ausschusses für Geschlechtergerechtigkeit, findet es wichtig, dass mehr Frauen in politische Spitzenpositionen kommen. Dazu müssten Talente motiviert und gefördert werden – was den Parteien sehr unterschiedlich gelinge. Sie hofft, dass die Grünen Annalena Baerbock nicht nur aus strategischen Gründen als Kanzlerkandidatin aufgestellt haben.

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