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Das Bild zeigt Schulkinder in einer der Schulen in Tanzania. Das war Teil eines Programmes das von Großbritannien, der World Bank und Schweden co-finanziert wurde.

Top-Managerin in Krisenländern

Marlerin geht dahin, wo Terror und Armut Alltag sind

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Christina Sandkühler gehört zu den besten weiblichen Führungskräften Großbritanniens unter 35. Die gebürtige Marlerin arbeitet erfolgreich an Projekten in Entwicklungsländern.

Sie geht dorthin, wo Krieg und Krisen den Alltag bestimmen. Christina Sandkühler arbeitet als geschäftsführende Direktorin für das junge britische Unternehmen Integrity mit Sitz in London, das Projekte zur Stabilisierung und Entwicklung in diesen Gebieten vorantreibt. Jetzt ist die 34-Jährige von „Management Today“ auf die Liste der Top 35 weiblichen Führungskräfte in Großbritannien unter 35 Jahren im Jahr 2019 gewählt worden. Der Index ist der größte und bekannteste seiner Art in Großbritannien. Zu Christina Sandkühlers Vorgängerinnen gehören so prominente Geschäftsfrauen wie Modeschöpferin Stella McCartney und das jüngste weibliche Mitglied des Houses of Lords, Baroness Lane-Fos of Soho. „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich ausgewählt werde“, sagt die gebürtige Marlerin. Integrity ist ein junges aufstrebendes Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen in Sachen Entwicklungshilfe. „Unsere Aufgabe ist meistens, dafür Sorge zu tragen, dass Entwicklungshilfegelder effektiv ausgegeben werden“, erklärt sie. 

Für das Gespräch mit unserer Redaktion ruft Christina Sandkühler aus der jordanischen Hauptstadt Amman an – ein sicherer Ort in dem von Terror und Gewalt geschüttelten arabischen Raum, in dem sie häufig unterwegs ist. Ständige Standortwechsel, immer neue Perspektiven – das ist für die gebürtige Marlerin Alltag geworden. Die 34-Jährige berät vom Regionalbüro in Amman aus Entwicklungsprojekte, die zur Stabilisierung dienen, unter anderem in Syrien, Palästina oder dem Libanon. Aber auch Kenia, der Kongo oder Pakistan gehören zu den Ländern, in denen Integrity unterwegs ist. 

Marlerin als erstes weibliches Vorstandsmitglied

Christina Sandkühler arbeitet mit großem Erfolg für das junge britische Unternehmen. Sie ist das jüngste und zugleich erste weibliche Vorstandsmitglied. Seitdem sie vor vier Jahren zum Unternehmen kam, ist Integrity rasant gewachsen. In den letzten drei Jahren konnten Projekte in 17 neuen Ländern etabliert werden. Für die Wachstumsstrategie ist Christina Sandkühler verantwortlich. „Auf das Wachstum bezogen ist meine Rolle zentral“, so erklärt sie sich, warum sie es auf die Liste der jungen Top-Führungskräfte Großbritanniens geschafft hat. 2003 hat Christina Sandkühler Albert-Schweitzer-Geschwister-Scholl-Gymnasium in Marl das Abitur gemachte. „Da wusste ich schon, dass ich gern nach London gehen möchte“, erzählt sie. In Berlin studierte sie Geschichte, Politik und Publizistik. 13 Jahre lang arbeitete sie dann für verschiedene Investmentfirmen, zuletzt für Lasalle Investment Management, eines der führenden Unternehmen der Branche. 

Mit dem Wechsel zu Integrity ging für die 34-Jährige ein Wunsch in Erfüllung. „In großen Unternehmen war ich ein kleines Rädchen im Getriebe. Hier bei Integrity arbeiten alle mit Leidenschaft und Hingabe“, betont sie und fügt bescheiden hinzu. „Allein hätte ich diese Erfolge nie geschafft. Das verdanke ich auch dem tollen Team.“ Integrity bemüht sich, lokale Strukturen in Krisengebieten zu stärken. „Wie kann zum Beispiel ein Bildungssystem in Syrien funktionieren, lautet zum Beispiel eine Frage, der wir uns stellen“, erklärt die Expertin. Dazu setzen die Entwicklungshelfer auch auf lokale Unterstützung. Auf ihren Reisen begegnet Christina Sandkühler Menschen, die direkt von den Folgen der Krisen betroffen sind. „Man entwickelt ganz andere Perspektiven auf die Ereignisse, die täglich in den Nachrichten zu sehen sind“, betont sie. Es gibt bewegende Begegnungen. In einem Projekt traf sie einen Mann, der eine Woche zuvor seine ganze Familie verloren hatte und trotzdem mitarbeitet. „In solchen Momenten kommt man sich klein vor“, sagt die erfolgreiche Managerin. 

Von Nairobi nach Marl

Angst, in Krisenregionen zu reisen, hat sie in der Regel nicht. Die Mitarbeiter werden auf ihre Einsätze vorbereitet. Außerdem erzählt sie: „Ich war zum Beispiel gerade in Nairobi, als das Bombenattentat in Paris geschah. Kenia galt als gefährlich, aber in Paris kam der Terror.“ Aber sie weiß auch: „Man muss sich regelmäßig daran erinnern, dass man vorsichtig sein muss.“ Nächste Stationen sind in Jerusalem und Rammallah – und möglichst bald soll auch wieder ein Abstecher nach Marl möglich sein.

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