+
Das Essener Landgericht hat geurteilt.

Wie die Richter urteilten

Im Kiosk Messer gezückt und ausgerastet - trotzdem muss der Täter nicht ins Gefängnis 

  • schließen

Er zückte ein Messer im Kiosk, schmiss mit zwei Bierflaschen und verletzte einen Angestellten. Doch ins Gefängnis muss der Angeklagte aus Marl nicht.

Die Richter am Essener Landgericht haben zwei Jahre Haft auf Bewährung verhängt. Es hatte eigentlich nichts darauf hingedeutet, dass der syrische Familienvater am Abend des 16. Mai 2019 völlig ausrasten würde. Er hatte seine Wohnung in der Adolf-Grimme-Straße verlassen, um Zigaretten zu kaufen. Der Weg führte ihn in Richtung Hüls, zur Straße Am alten Sportplatz. Dort war er bereits bekannt. Die Situation war auch lange Zeit völlig entspannt. Das zeigen die Video-Aufzeichnungen der Überwachungskameras. Doch dann wurde es auf einmal turbulent. 

Der 38-Jährige hatte sich darüber aufgeregt, dass eine gerade erst gekaufte E-Zigarette nicht funktionierte und wollte sein Geld zurück. Dass sie gar nicht funktionieren konnte, weil die Batterie fehlte, konnte ihm offenbar nicht klargemacht werden. Vielleicht auch, weil er praktisch kein Wort Deutsch versteht. Was dann passierte, war gefährlich.

Mit Bierflaschen geschmissen

Der Angeklagte zückte ein Messer, schmiss mit zwei Bierflaschen. Einer der Kiosk-Angestellten wurde dabei auch verletzt. Die Staatsanwaltschaft hatte den Fall ursprünglich als versuchten Raub angeklagt. Genau das war jedoch von Anfang an umstritten. „Er hätte sich doch alles nehmen können als er das Messer in der Hand hielt – auch eine neue E-Zigarette“, sagte Verteidiger Tim F. Schubert. „Doch genau das hat er nicht getan.“ Von einer Bereicherungsabsicht könne deshalb keine Rede sein. 

Genau so sahen es am Ende auch die Richter. Dass der 38-Jährige überhaupt ausgerastet ist, hatte offenbar auch etwas mit seinem übermäßigen Amphetamin-Konsum zu tun. Aus Sicht einer Psychiaterin wäre der Syrer deshalb eigentlich ein Kandidat für eine Zwangstherapie. Doch genau das ist wegen der absoluten Sprach-Barriere schwierig.

Angeklagter aus Marl muss "clean" werden

„Clean“ werden muss der Angeklagte trotzdem. Die Richter des Essener Landgerichts haben neben der Bewährungsstrafe monatliche Drogenscreenings angeordnet. Sollte dabei Rauschgift nachgewiesen werden, droht doch noch der Gang ins Gefängnis.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Sechsjähriges Mädchen wird in Herten angefahren und muss ins Krankenhaus 
Sechsjähriges Mädchen wird in Herten angefahren und muss ins Krankenhaus 
Sky verliert Rechte an der Champions League - doch es kommt noch schlimmer für die Fans
Sky verliert Rechte an der Champions League - doch es kommt noch schlimmer für die Fans
Maskierter onaniert auf fremder Terrasse - dann stürzt er sich auf Bewohner
Maskierter onaniert auf fremder Terrasse - dann stürzt er sich auf Bewohner
Zugverbindung Berlin - Recklinghausen kommt ab Montag - es gibt nur einen Haken
Zugverbindung Berlin - Recklinghausen kommt ab Montag - es gibt nur einen Haken
SuS-Vorsitzender feiert heute seinen 60. Geburtstag
SuS-Vorsitzender feiert heute seinen 60. Geburtstag

Kommentare