Mit lautem „Kläppern“ zogen die Kinder von der Christ-König-Kirche in Marl zur Kapelle auf dem Hof Vahnstiege.
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Mit lautem „Kläppern“ zogen die Kinder von der Christ-König-Kirche in Marl zur Kapelle auf dem Hof Vahnstiege.

Das bedeutet der Brauch

Kläppern zu Ostern - warum viele Kinder und Eltern in Marl Lärm machten

  • vonJürgen Wolter
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Mit lautem Klappern, oder besser „Kläppern“, zogen Kinder aus Sickingmühle von der Christ-König-Kirche zur Kapelle auf dem Hof Vahnstiege. Der Brauch des „Mittagkläpperns“ ersetzt das Läuten der Kirchenglocken, die an den Kartagen schweigen.

„Die Glocken schweigen von der Abendmesse am Gründonnerstag bis zum Abend des Karsamstag,“ erläutert Pastor Ulrich Müller, der zuvor mit den Kindern und ihren Eltern eine kurze Andacht in Christ-König gefeiert hatte, in der er in verständlichen Worten den Kindern die Passionsgeschichte, das Leiden und Sterben von Jesus Christus am Karfreitag, nahebrachte.

Jesus am Kreuz, ein römischer Soldat, Maria und Johannes: Diese Figuren symbolisieren die Kreuzigungsgeschichte. Sie wurden nach der Andacht aus der Kirche in Marl zur Kapelle getragen, begleitet vom lauten „Kläppern“ der Kinder.

Holzkläpper bastelte die Gemeinde in Marl selbst

„Der Volksmund spricht auch davon, dass die Glocken nach der Abendmesse am Gründonnerstag nach Rom fliegen, wo sie vom Papst gesegnet werden“, so Ulrich Müller. „Sie läuten dann erst wieder mit der Auferstehung Christi, die im Osterfest gefeiert wird.“ Statt zu läuten wird dann am Karfreitag „gekläppert“ oder auch „gekleppert“.

In vielen Regionen wird dieser Brauch auf unterschiedliche Weise begangen. „Es gibt auch Ratschen oder Rasseln, die dabei zum Einsatz kommen“, so Ulrich Müller. Die Holzkläpper an der Christ-König-Kirche hat die Gemeinde selbst gebastelt: Ein beweglicher Holzschlägel trifft auf eine Holzplatte, was ein lautes Klappern ergibt. In Regionen des Weinbaus wurden mit dem „Kleppern“ der Kinder auch die Arbeiter in den Weinbergen zum Mittag gerufen, wenn die Kirchenglocken schwiegen.

Umzug auf den Hof Vahnstiege in Marl

Das rhythmische „Kläppern“ an Christ-König symbolisierte auch die harten Schritte der römischen Soldaten, die Jesus gefangen nahmen und ans Kreuz schlugen. „Jesus wusste, dass sie kommen würden, um ihn zu holen und er hatte Angst“, erläuterte Pfarrer Müller den Kindern. „Deshalb hat er am Abend des Gründonnerstag gebetet und das haben auch wir bis 24 Uhr in der Nacht getan: für alle die Angst haben, vor Corona, vor Leid und Hunger in der Welt“.

Die Jesusfigur wurde nach dem kurzen Umzug in der Kapelle auf dem Hof Vahnstiege platziert. Ulrich Müller freute sich, dass trotz der veränderten Abläufe wegen der Corona-Bestimmungen sehr viele Kinder und ihre Eltern zum „Mittagskläppern“ gekommen waren. „So viele hatten wir lange nicht“, so der Pastor der Pfarrei St. Franziskus. An der Kapelle erinnerte er zum Abschluss daran, dass das Leid von Jesus nach christlichem Glauben in der Auferstehung ein Ende findet: „Und das feiern wir mit dem Osterfest.“

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