Die Zahl der Taschendiebstähle in Marl hat trotz der Pandemie zugenommen.
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Die Zahl der Taschendiebstähle in Marl hat trotz der Pandemie zugenommen.

Corona verändert Ermittlungsarbeit

Kriminalität in Marl: Wie sicher die Stadt ist und wo die Polizei Präsenz zeigen will

  • Heinz-Peter Mohr
    vonHeinz-Peter Mohr
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Hinter Zahlen und Daten verbergen sich manchmal aufschlussreiche Fakten. Aus dem Kriminalitätsbericht 2020 des Polizeipräsidiums kann man herauslesen, wie sich die Stadt Marl ist.

Danach ist die Kriminalitätshäufigkeit (die Zahl der bekannt gewordenen Fälle, bezogen auf 100.000 Einwohner) im Jahr der Pandemie deutlich um 705 Taten gesunken. In Marl lag sie 2020 bei 6629 – das ist der niedrigste Stand seit Jahren. Noch 2011 hatte es die Polizei mit 9004 Fällen zu tun.

Corona hat auch die Ermittlungsarbeit verändert, erklärt der Leiter der Direktion Kriminalität im Polizeipräsidium Recklinghausen, Jürgen Häusler. So sank die Zahl der Wohnungseinbrüche in Marl um 21 auf 115, da die Menschen mehr zu Hause waren. „Trotzdem legen wir den Fokus weiter auf Einbrüche. Es sind noch zu viele Delikte“, kommentiert Häusler die Zahlen.

Mehr Taschendiebstähle in Marl

Der Anstieg der Betrügereien im Internet setzt sich fort, weil in der Pandemie viele Menschen zu Hause am PC sind. Die Zahl der Taschendiebstähle stieg trotz Corona von 98 auf 140. Es gab zwar keine Volksfeste, aber als große Geschäfte nach dem Lockdown wieder öffneten, wurden auch die Langfinger aktiv, berichtet der Kriminaldirektor.

Als großen Erfolg wertet die Polizei die Festnahme von mutmaßlichen Mitgliedern einer Drogenbande. Bei Durchsuchungen von sechs Wohnungen in Marl, Herten und Essen fand sie im Mai 2020 mehrere Kilo Heroin, Marihuana und Amphetamin. Mehrere zehntausend Euro Bargeld und ein Motorrad stellten die Polizisten sicher. Monatelang hatte eine Kommission mit der Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt. Festgenommen wurden vier Personen – darunter ein Marler (41), der eine Haftstrafe absitzen musste und sich zweieinhalb Jahre versteckte.

Blutige Tat an der Rheinstahlstraße in Marl

Drei Tötungsdelikte sowie vier Fälle von versuchter Tötung erschütterten die Marler: Am 9. November wurde eine alleinerziehende Mutter bei einem nächtlichen Überfall in ihrer Wohnung an der Rheinstahlstraße mit Messerstichen getötet. Ihr vierjähriger Sohn überlebte lebensbedrohlich verletzt, lag über Wochen auf der Intensivstation. Der 21-jährige Nachbar muss sich nun für die Tat vor Gericht verantworten.

Bisher nicht aufgeklärt wurde die Attacke auf einen fahrenden Linienbus. Im September zerbarsten dort zwei Scheiben, als der Bus nachts gerade über die Bergstraße fuhr. Die sechs Fahrgäste und der Busfahrer blieben unverletzt und kamen mit dem Schrecken davon. Der Staatsschutz ermittelt weiter zu den Hintergründen der Tat (Hinweise unter Tel. 0800 2361 111)

Verbrechenshäufigkeit in Marl unter dem Landesdurchschnitt

Mit 6629 Taten pro 100.000 Einwohner liegt die Kriminalitätshäufigkeit in Marl unter dem Landesdurchschnitt (6774 Taten), aber höher als im gesamten Kreis Recklinghausen (6355).

Künftig, kündigt Jürgen Häusler an, will die Polizei Präsenz an öffentlichen Wegen und Plätzen zeigen – dort wo Bürger Angst haben.

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