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Rudolf Rothenbücher hat noch viele Erinnerungsstücke aus seiner Kindheit. Sie reichen bis in die 1940er-Jahre zurück. Dazu gehören Fotos seiner Eltern, Spielzeuge und ein kleiner Koffer, in dem die „Schätze“ lagern. 

Luftangriff

Als die letzten Bomben des Zweiten Weltkriegs auf Marl fielen

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Vor 75 Jahren, am 17. März 1945, fand der letzte Luftangriff des Zweiten Weltkriegs auf Marl statt. Rudolf Rothenbücher hat ihn erlebt.

  • Rudolf Rothenbücher hat den letzten Bombenangriff in Marl erlebt.
  • Ziel war das Werksgelände der Zeche Auguste Victoria zwischen der Römer- und Victoriastraße.
  • Als "grauenhaft" beschreibt Rudolf Rothenbücher das Erlebte.

An den Tag des letzten Luftangriffs auf Marl kann sich Rudolf Rothenbücher noch genau erinnern. Damals war er fünf Jahre alt und lebte mit seinen Eltern, drei Schwestern und einem Bruder in Hüls. „Unser Haus stand an der Ecke Scharnhorst- und Lützowstraße“, blickt der 80-Jährige zurück. Die Straßen wurden später umbenannt in Droste-Hülshoff- und Georg-Herwegh-Straße. Weil die Wehrmacht den Alliierten gegen Kriegsende kaum noch Luftabwehr entgegensetzen konnte, fand der Angriff nicht im Schutz der Nacht, sondern gegen 15 Uhr am helllichten Tag statt. „Vor dem Angriff sahen wir zuerst ein Aufklärungsflugzeug am Himmel“, erinnert sich Rudolf Rothenbücher. 

Wo genau die Bomben einschlugen, zeigt eine Karte im Besitz von Rudolf Rothenbücher. Woher die Karte stammt, will er nicht verraten. Sie wurde von Markscheidern erstellt.

„Der Flieger zog einen Kondensstreifen hinter sich her, an dem sich die Bomber orientieren sollten.“ Ziel war das Werksgelände der Zeche Auguste Victoria zwischen der Römer- und Victoriastraße. „Durch Westwind verzog sich der Kondensstreifen allerdings. Dadurch verfehlten viele Bomben das Ziel und schlugen in unserer Siedlung ein.“ Davor heulten die Sirenen zum Alarm. „Meine Mutter rief uns Kinder zusammen, damit wir in einen Bunker in der Nähe flüchten konnten“, sagt Rudolf Rothenbücher. Dann fielen die Bomben.

Gefährliches Spielen in Marl

„Eine explodierte direkt vor der Bunkertür, die Frauen darin haben gebetet.“ Rudolf Rothenbüchers Vater war nicht mit im Bunker. Er leistete als Maschinist auf AV eine Zwölf-Stundenschicht. Zum Glück für die Familie überlebte er den Angriff. 291 Menschen in Marl starben allerdings. Kriegserfahrungen im Kindesalter gemacht Das alles erfahren zu müssen, beschreibt Rudolf Rothenbücher nach 75 Jahren als „grauenhaft“. Die Wahrnehmung im Kindesalter war für ihn und seine Freunde dagegen nicht immer so schlimm. „Wir empfanden das Erlebte teilweise als spannendes Abenteuer.“ Dazu gehörte das lebensgefährliche Spielen mit Granaten und Munition, die die Wehrmacht nach ihrer Flucht aus Marl in Fahrzeugen zurückgelassen hatte. 

„Später beobachteten wir vier Tage lang ängstlich von unserem Fenster aus, wie die Kolonnen der Amerikaner durch die Straßen fuhren. Einmal richtete ein Panzer seine Kanone direkt auf unser Fenster“, sagt Rudolf Rothenbücher. Als ihm ein US-Soldat später Kaugummis und Schokolade zuwarf, ahnte Rudolf Rothenbücher aber, dass bessere Zeiten angebrochen waren. Nach einer langen und erfolgreichen Karriere auf der Auguste Victoria und später bei der Baufirma Züblin ging Rudolf Rothenbücher 2001 in Rente. Er hat drei erwachsene Söhne und lebt mit seiner Frau in Gladbeck.

Marler hatten sich 2015 an das Kriegsende erinnert.

Eine Sprenggranate aus Zweitem Weltkrieg wurde vor Jahren in Marl entschärft.

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