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Udo Schmidt sitzt in Marokko fest.

Coronakrise

Marler sitzt in Marokko fest - so geht es ihm auf dem Campingplatz 

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Am 20. März rief das Land den Ausnahmezustand aus. Nach einem Wüstentrip musste Udo Schmidt (65) auf dem Campingplatz bleiben. Wann der Marler mit seinem Allrad-Lkw wieder nach Hause darf, ist ungewiss.

  • Der Marler Udo Schmidt reiste allein durch Marokko.
  • Dann verkündigte das Land den Ausnahmezustand.
  • Er verweilt seither auf einem Campingplatz.
Aus einer Rundreise durch die einsamen Weiten Marokkos wurde für Udo Schmidt jetzt ein unfreiwilliger Aufenthalt auf einem Campingplatz. Der Ingenieur im Ruhestand war bereits seit Anfang Februar in dem nordafrikanischen Land unterwegs. Dann überschlugen sich die Ereignisse.

Als von der deutschen Botschaft wegen der Corona-Krise erstmals die dringende Ausreiseempfehlung erteilt wurde, fuhr Udo Schmidt mit seinem Allrad-Lkw noch durch die Wüstenlandschaften. Am 20. März rief Marokko dann den Ausnahmezustand aus. Damit verbunden waren ein Reiseverbot sowie eine Ausgangssperre. „Viele Touristen sind an diesem und auch noch am nächsten Tag in Richtung der spanischen Enklaven Ceuta und Mellila aufgebrochen“, sagt Udo Schmidt: „Die Leute machten sich in der Hoffnung auf den Weg, noch eine Fähre auf das europäische Festland zu bekommen.“

Udo Schmidt fährt mit dem Motorrad zum Einkaufen.

Todraschlucht statt Fähre nach Europa

Für sich selbst sah der Marler dagegen keine realistische Chance mehr, noch vor der Einstellung der Fährverbindungen an die Küste zu kommen. Stattdessen ging es für ihn zum Zeitpunkt der Ausrufung des Ausnahmezustands zur Todraschlucht. Dabei handelt es sich um ein bei Touristen beliebtes Ziel im Herzen des Landes. Udo Schmidt konnte sich dort auf einem Campingplatz einrichten. Dabei hatte er Glück. Denn: Bereits am Nachmittag des 20. März wurden viele Unterbringungsmöglichkeiten wie Hotels, Herbergen und Campingplätze aber auch Restaurants geschlossen. „Außer mir gibt es noch ein deutsches Paar aus München auf dem Platz“, beschreibt Udo Schmidt seine verbliebenen persönlichen Kontakte. Mit den Gegebenheiten vor Ort ist der Marler zufrieden: „Die sanitäre Einrichtung ist für marokkanische Verhältnisse außergewöhnlich gut.“ Auch der restliche Zustand des kleinen Campingplatzes sei „vorbildlich und sauber“.

Die Wüstenlandschaft in Marokko

Mann aus Marl fährt mit dem Motorrad zum Einkaufen

Problemlos sei auch die Versorgung mit Lebensmitteln. „Der Ausnahmezustand schränkt die Bewegungsfreiheit zwar ein, aber Besorgungen für den Lebensunterhalt sind natürlich weiterhin erlaubt“, sagt Udo Schmidt. Die erledigte er bereits zweimal mit seinem Geländemotorrad, das er auf seiner Reise glücklicherweise mit dabei hat. Auf dem Zweirad ging es zum Einkaufen in die knapp 14 Kilometer entfernte Stadt Tinghir. Der Ort liegt etwa 450 Kilometer von Casablanca entfernt in der Mitte Marokkos. Auf dem Weg dorthin gibt es zwei Straßensperren mit Polizeikontrollen. Probleme hätte es dabei nicht gegeben. Udo Schmidt: „Die marokkanischen Beamten sind, wie auch in der gesamten Zeit vor dem Ausnahmezustand, mehr als höflich. Sie sind sehr freundlich und verständnisvoll und teilweise auch daran interessiert, wie die Lage in Deutschland ist.“ Die Stadt Tinghir wirkt auf den Marler trotz ihrer circa 45.000 Einwohner wie ausgestorben. „Das erinnert an eine Geisterstadt“, so Udo Schmidt. Die Schaufensterscheiben der meisten Geschäfte seien vergittert. Dazu sind Eingänge mit Stahltüren oder Toren verschlossen. Ausnahmen sind Lebensmittelgeschäfte oder auch Tankstellen.

In Marokko sitzt Udo Schmidt fest.

Laut Udo Schmidt sind Obst, Gemüse und Milch ohne Einschränkungen reichlich vorhanden. Auf den traditionellen Märkten, den sogenannten Souks, sei die Leere und Stille für Udo Schmidt aber „regelrecht bedrückend“. Obwohl er keine gravierenden Einschränkungen der Lebensqualität erleiden muss und auch keine körperlichen Beschwerden hat, empfindet Udo Schmidt die Abgeschiedenheit, den wenigen Austausch mit anderen Menschen und die damit verbundene Leere auf dem Campingplatz als bedrückend. Daran ändert für ihn auch der traumhafte Rundumblick auf Palmen und Berge nichts. Wie es weitergeht und wann er ausreisen kann, kann Udo Schmidt nicht sagen: „Aufgrund der Sprachproblematik sind mir marokkanische Informationen nicht zugänglich. Auch von der deutschen Botschaft sind hilfreiche Infos seit Beginn der Krise nur unzureichend oder gar nicht zu bekommen.“ So bleibt es für Udo Schmidt vorerst beim Aufenthalt in seinem „Paradise Prison“, wie er es nennt.

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