Das Corona-Jahr in der Landwirtschaft

Marl: Weniger Fleisch für die Kantine, mehr Eier für den Hausgebrauch

  • Heinz-Peter Mohr
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Das Jahr 2020 stellte die Landwirte in Marl vor besondere Herausforderungen. Jetzt ist der letzte Mais geerntet. So fällt die Bilanz aus:

Hubert Franzen (56) ist einer der wenigen Vollerwerbsbauern in Marl. Mit der Ernte dieses Jahres ist er zufrieden. „Sie ist wesentlich besser als im letzten Jahr“, freut er sich. Ein paar Schauer im Sommer hätten den Mais gerettet. Und weil es im Februar kaum Tage ohne Regen gab, blieb die Feuchtigkeit lange im Boden. Weizen, der sehr viel Wasser benötigt, baut Hubert Franzen aber gar nicht erst an.

Marl: Preisverfall bei Schweinefleisch trifft Landwirtschaft hart

Hatten Schweinezüchter vor einem Jahr ihre Tiere noch zu hervorragenden Preisen an die Schlachthöfe verkauft, so trifft sie in diesem Jahr der Preisverfall seit der Schweinepest besonders hart. Hubert Franzen bedient mit anderen Landwirten einer Erzeugergemeinschaft den Schlachthof in Recklinghausen. Weil die Asiaten die Märkte dicht gemacht haben, sind auch dort die Preise gesunken. Franzen nimmt zurzeit etwa 130 Euro pro Schwein ein, 25 Euro weniger als üblich. Bei 40 Schweinen in der Woche sind das hohe Ausfälle von 1000 Euro. Viele Landwirte in Marl haben in den letzten Jahren hohe Summen investiert und ihre Betriebe erweitert. Gerade deshalb sind Verluste schwer zu verkraften, wenn marktmächtige Schlachthofbetreiber wie Tönnies die Preise drücken.

Marl: Nachfrage nach Rindfleisch gesunken

Zudem sind oder waren wegen der Pandemie viele Kantinen geschlossen. Dadurch haben auch die Bullenmäster Probleme, ergänzt der Landwirt: Denn das meiste Rindfleisch werde in Kantinen gegessen. Noch immer seien die Preise für Rindfleisch nicht wieder gestiegen.

So sind die Landwirte organisiert

Der Landwirtschaftliche Localverein in Marl ist ein Zusammenschluss und eine Interessenvertretung der örtlichen Bauern. Er wurde 1918 gegründet und hat heute rund 70 Mitglieder. Vorsitzender ist Hubert Franzen. Nach seinen Angaben gibt es in Marl noch fünf landwirtschaftliche Betriebe mit Vollerwerb und rund 25 Nebenerwerbs-Landwirte.

Bestens sei dagegen die Nachfrage nach Eiern, berichtet Hubert Franzen. Seit der Corona-Krise kommen viel mehr Spaziergänger als früher an seinem Hof vorbei. Sie sehen, dass die 300 Hühner, die Franzen in drei Bauwagen hält, auf den großen Wiesen viel Auslauf haben. Frische Eier gibt es am Linder Weg aus dem Schrank – ein neues Geschäftsmodell. „Das Bewusstsein, dass Lebensmittel etwas wert sind, ist durch Corona gestiegen.“

Nach mehreren Jahren Trockenheit ändert Hubert Franzen den Pflanzenanbau. Ölrettich und gelben Senf sät er als Zwischenfrucht ein, um den Boden fruchtbarer zu machen. Der Senf bilde Nährstoffe aus und binde Wasser.

Rubriklistenbild: © Heinz-Peter Mohr

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