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Die Marlerin staunte über die Stromrechnung.

Horrende Kosten

Junge Mutter aus Marl sollte 1475 Euro für Strom nachzahlen - so urteilt das Gericht 

Eine Frau aus Marl sollte über 1400 Euro für Strom nachzahlen. Sie weigert sich und wird verklagt. Nun fällt das Amtsgericht sein Urteil. 

  • Eine junge Mutter aus Marl sollte über 1400 Euro für Strom nachzahlen.
  • Sie weigert sich. Ihr Stromlieferant Extra Energie klagt.
  • Das Amtsgericht Marl entscheidet zugunsten der Angeklagten.
Als sie die Rechnung ihres Stromanbieters las, musste Chantal Tesmer (22) erst einmal schlucken: 1475,61 Euro sollte die junge Frau aus Drewer nachzahlen. Sie und ihr Baby sollten mehr als dreimal so viel Strom verbraucht haben wie in der Abschlagszahlung fürs ganze Jahr berechnet. „Ich war erschrocken“, sagt Chantal Tesmer, „und ich dachte sofort: Das kann nicht stimmen – höchstens, wenn man ein Ladenlokal hat.“

Verbraucherzentral in Marl hilft

Darin bestärkte sie auch der Berater der Verbraucherzentrale im Marler Stern: Für die Rechnung gebe es keinen nachvollziehbaren Grund, sie müsse ein Irrtum sein. Deshalb weigerte sich die Marlerin, die Nachzahlung zu überweisen. Die Firma Extra Energie verklagte sie – und es kam zum Prozess am Marler Amtsgericht. Das urteilte jetzt ganz im Sinne des Verbraucherschutzes, meint Chantal Tesmers Anwalt Günter Hoffmann aus Marl. Aus Sicht der Richterin muss der Stromlieferant und nicht die Kundin beweisen, dass Rechnung und die Verbrauchsmenge korrekt sind. Die Firma Extra Energie hatte in dem Prozess die Auffassung vertreten, dass bereits die bloße Rechnung ihren Anspruch begründe. Einwände dagegen schließe die Stromgrundversorgungsverordnung größtenteils aus.

Marl: Dreimal so hoher Verbrauch nicht plausibel

Das sah die Richterin anders. Sie wies die Klage von Extra Energie ab. Maßgeblich ist für das Amtsgericht § 307 des Bundesgesetzbuchs. Darin geht es um unangemessene Benachteiligungen durch Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB). [Textbaustein: zze] Der Stromlieferant hatte mit der alleinerziehenden Marlerin eine monatliche Abschlagszahlung von 91 Euro vereinbart. Zugrunde lag ein Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden. Aus der Nachzahlung ergab sich aber ein Gesamtverbrauch von 11.385 Kilowattstunden – obwohl Chantal Tesmer betont, ihr Verbrauchsverhalten habe sich nicht verändert. Weil die Verbrauchswerte von der vorhergehenden Periode nicht plausibel erklärbar abweichen, sei ein Fehler in der Rechnung ernsthaft möglich, urteilte das Amtsgericht.

Die Abweichung benachteilige die Kundin unangemessen. Der Stromlieferant hätte deshalb beweisen müssen, ob der Stromzähler geeicht war und funktionierte. Das hat die Firma aber nicht getan. „Für den Verbraucherschutz ist das Urteil enorm wichtig“, freut sich Anwalt Günter Hoffmann: „Die Richterin hat klare Kante gezeigt. So eine Rechnung kann jeden treffen. Aber dagegen kann man sich wehren.“

Stimmen Ihre Rechnungen und Abschläge für Strom oder Gas? Wer meint, dass sein Stromanbieter einen Fehler gemacht, sollte die detaillierten Rechts-Tipps auf der Seite der Verbraucherzentrale lesen.

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