Update: Fakt AG bezieht Stellung

Mieter aus Marl sauer über Hängepartie: Monate im Hotel statt in der eigenen Wohnung

  • Heinz-Peter Mohr
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Mieter aus der Julie-Kolb-Straße können trotz Mietvertrags seit Monaten nicht in ihre Wohnungen einziehen. Noch immer übernachten sie in Hotels oder Ferienwohnungen. Sie wollen, dass die Hängepartie endlich aufhört.

Update, 27. Januar, 17.53 Uhr: Zu unserem Bericht nimmt der Vorstandsvorsitzende der Fakt AG, Hubert Schulte-Kemper, Stellung: Die Fakt AG habe Wieko keine schlechten Leistungen angedichtet. Die Fakt AG sei auch nicht Herr des Verfahrens, sondern werde das Objekt schlüsselfertig übernehmen. Ihr sei sogar das Betreten untersagt worden. Hubert Schulte-Kemper wörtlich: „Dass erkrankte Mieter einziehen wollen, ist mehr als verständlich, aber wir können für diese Situation – wie immer wieder betont – leider nichts.“

Der Fakt-Vorstandsvorsitzende erklärt, dass sein Unternehmen das Objekt erst noch schlüsselfertig bekommen muss: „Wir sind nicht die Verantwortlichen und werden die Zusammenarbeit mit Wieko auf den Prüfstand stellen.“ Trotz allen Ärgers sei das Gebäude „ein wunderschönes Haus mit besten preiswerten Wohnungen“.

Stadt Marl hat die Wohnungen nicht abgenommen

Das berichteten wir bisher: Seit Oktober warten einige von ihnen darauf, dass sie endlich in der eigenen Wohnung in Marl leben können. Mehrere Mieter sind mit den Nerven fertig. Zwar haben jetzt fast alle Schlüssel und bringen nach und nach ihre Möbel unter. Doch trotz Vertrags dürfen sie nicht in ihrer Wohnung übernachten. Das Bauordnungsamt hat die Wohnungen bisher nicht abgenommen. Noch seien nicht alle Nachweise erbracht, teilt die Stadt Marl mit – ohne ins Detail zu gehen. Heizung und Warmwasser wurden am Wochenende abgestellt. „Es kommt mir vor, als ob ich Freigang habe und abends wieder zurückmuss“, sagt Mieterin Elke Hintz sarkastisch.

Ebenso wie fünf andere hatte sie ihre alte Wohnung bereits zum 1. Oktober gekündigt, um in eine der 15 neuen barrierefreien Sozialwohnungen zu ziehen. Die Fakt Immobilien AG vermietet die 40 bis 70 m² großen, öffentlich geförderten Wohnungen an Alleinstehende oder Paare zum Preis von 5,25 Euro pro m². Seit Monaten sind die Verträge unterzeichnet, doch das Haus bleibt eine Baustelle. Elke Hintz schläft weiter im Hotel: „Ich hab den Kaffee auf, ich bin ratlos. Das ist doch kein Zustand!“

Mieterschutzverein Marl vertritt einige Geschädigte

Andere Mieter mussten fünfmal den Umzug verschieben, ihren Kater in der Tierpension unterbringen oder bekamen im Hotel kaum Schlaf. „Alles ist mit heißer Nadel gestrickt, diesen Eindruck hat jeder“, sagt die schwerbehinderte Carola Kestermann (53). Mindestens vier Mieter lassen sich mittlerweile durch Anwälte des Mieterschutzvereins vertreten.

Vermieter Fakt und Generalunternehmer Wieko haben jahrelang zusammengearbeitet, auch beim Marler Stern. Jetzt schieben sie sich gegenseitig die Verantwortung für Verzögerungen zu. Beide beteuern, alles für die Mieter getan zu haben. Die Fakt AG habe keinen Einfluss auf den Bauverlauf, sagt Dr. Oliver Lind, verantwortlich für das Projekt in Drewer. Den Mietern teilte das Unternehmen gestern mit, dass die Firma Wieko Verzögerungen wegen des Brandschutzes zu verantworten habe. Oberbauleiter Thomas Herrmann vom Generalunternehmer Wieko GmbH hält dagegen: „Uns werden schlechte Leistungen angedichtet. Aber wir haben alles Erdenkliche ermöglicht, damit die Mieter nicht zum Spielball werden.“

Alle 15 Wohnungen in Marl-Drewer vermietet

Alle 15 Wohnungen sind nach Auskunft Linds vermietet. Einige erst seit diesem Jahr. Die Fakt AG zeigte sich zuversichtlich, dass die Mieter nun zum 1. Februar einziehen können. Alle Rechnungen für Hotels und Ferienwohnungen würden beglichen, versicherte Oliver Lind unserer Redaktion.

Rubriklistenbild: © Julia Dziatzko

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