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Mit diesem Wagen flüchteten die Täter.

Richter treffen Entscheidung

Brinkforth-Überfall: Prozess endet mit Paukenschlag

Die Beweise schienen erdrückend. Dennoch nahm der Prozess um den Überfall auf das Marler Juwelier-Geschäft Brinkforth eine überraschende Wendung. 

Hinweise ja, Beweise nein: Acht Jahre nach dem Überfall auf das Juweliergeschäft Brinkforth in Marl-Hüls wurde einer der Verdächtigen am Freitag freigesprochen. Die DNA-Spuren reichten für eine Verurteilung nicht aus. Zufrieden waren die Richter am Essener Landgericht mit ihrer Entscheidung allerdings nicht. Sie hatten dem 32-jährigen Serben mehrfach nahegelegt, ein Geständnis abzulegen. 

Zeugen des Überfalls in Marl haben immer noch Angst

„Vielleicht haben sie die Szenen ja noch vor Augen“, sagte Volker Uhlenbrock, Vorsitzender der 5. Strafkammer, während der Urteilsbegründung in Richtung des Angeklagten. Doch der 32-Jährige zeigte keine Regung. Wie schon im gesamten Prozess nicht. „Wie hält man es eigentlich aus, keine Miene zu verziehen, wenn hier Zeugen auftreten, die immer noch zittern?“, so Uhlenbrock. "Zeugen, die Angst um ihr Leben gehabt haben?“

Angeklagter saß sechs Jahre in Haft

Dass der Angeklagte zu den Menschen gehört, die Juweliergeschäfte überfallen, steht fest. Er war 2013 bei einem Raubzug in Madrid angeschossen und festgenommen worden. Sechs Jahre Haft hat er dafür später abgesessen, war dann nach Essen überstellt worden – für den neuen Prozess. Die Indizien schienen zunächst auch gar nicht so schlecht zu sein. Auf Kleidungsstücken, die während der Flucht zurückgelassen worden sind, war die DNA des Angeklagten gefunden worden. Auf einer blauen Postjacke zum Beispiel. Und in einem Handschuh.

Beweise für Tat in Marl waren nachhaltig

„Es gab sehr nachhaltige Hinweise, dass sie einer der Täter waren“, so die Richter. Das Problem war jedoch: Es gab auch Spuren von anderen Männern. Auch die können die Kleidungsstücke während der Tat getragen haben. Die unterschiedliche Dichte von DNA-Spuren, so ein Gutachter vom Landeskriminalamt, sagt nichts darüber aus, wer die Kleidung zuletzt am Körper gehabt habe.

Im Zweifel für den Angeklagten

Den Richtern blieb somit am Ende nichts anderes übrig, als nach dem Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ zu entscheiden. Auf freien Fuß kommt der 32-Jährige allerdings nicht. In Hamburg wartet schon das nächste Strafverfahren – ebenfalls wegen eines Juwelierüberfalls. Hier soll die Beweislage ein bisschen besser sein. Bei dem Brinkforth-Überfall am 14. März 2011 waren Uhren im Wert von über einer halben Million Euro geraubt worden. 

Spektakuläre Flucht aus Marl

Bei der „krimireifen Flucht“, so Uhlenbrock, waren mehrere Fahrzeuge gekapert, die Fahrer mit Waffen bedroht worden. Auch für einen weiteren Überfall im Jahr 2006 auf ein Juweliergeschäft in Essen konnte der Angeklagte nicht verurteilt werden. Für die DNA-Spuren an der Kleidung hatte er im Prozess diese Erklärung parat: Eine Jacke will er verschenkt, eine Jogginghose bei einem Deutschlandurlaub vergessen, und eine Sturmhaube „nur mal zum Spaß“ übergezogen haben."

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