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Vor 30 Jahren fiel die Berliner Mauer.

Historischer Tag

Heute vor 30 Jahren: So erlebten Marler den Mauerfall

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Wie erlebten Marler Bürger die Öffnung der Berliner Mauer am 9. November 1989? Wir haben nachgefragt.

Ein historischer Tag: Am 9. November 1989 fiel die Mauer. „Nach meiner Kenntnis ist das... sofort, unverzüglich“, sagte DDR-Politbüro-Sprecher Günther Schabowski um 18.53 Uhr zur Reiseregelung der DDR. Damit endete die deutsche Teilung. Der Weg zwischen Ost und West war frei. Wir fragten Marler Bürger, wie sie diesen Moment erlebten.

Marler erinnern sich 

Besucht hat Hermann Merschmöller den Osten noch nicht, aber am heimischen Fernseher mitgefiebert hat auch er, als die Mauer fiel: „Es war an der Zeit“, sagt er rückblickend. Ob nach der Wende jedoch alles so perfekt gelaufen sei, auch strukturell, da habe er jedoch Zweifel.

Gute Nachrichten in Marl

Die guten Nachrichten der Wende kamen auch im Hause Kadi sehr gut an. „Das ist das Beste, was passieren konnte“, sagt Ali Kadi (64). Auch er habe den Mauerfall daheim am Fernseher verfolgt und hatte danach richtig gute Laune. „Ich bin sehr gut drauf gewesen“, erinnert er sich an den legendären Tag. Danach besuchte er noch einmal Berlin. „Wir sind mit den Arbeitskollegen zum Brandenburger Tor gefahren, in den 90er-Jahren“.

Auf der Fahrt nach Duisburg

„Ich war im Bus in der Nähe von Duisburg, als die Nachricht die Runde machte“, sagt Hans-Peter Schipper, Vorsitzender des Städtepartnervereins Marl-Bitterfeld. „Wir waren auf dem Heimweg, wir kamen von einer Demo aus Brüssel. Dort haben wir von der IG BCE für den Erhalt der Steinkohleförderung demonstriert“. Die Nachricht vom Mauerfall sei für ihn völlig irreal gewesen, er habe es gar nicht glauben können: „Natürlich hatte man schon Vorzeichen gesehen, aber dass es dann wirklich passiert ist ...“

Schritt zur Vereinigung Europas

Für Schipper sei der Mauerfall ein riesiger Schritt auf dem Weg zur Vereinigung Europas gewesen: „Es brauchte die richtigen Männer, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort. Sonst wäre es nicht gegangen.“

DDR erschien fremd

Ingrid Heinen, Schippers Kollegin beim Städtepartnerverein weiß auch genau, wo sie war: „Ich war gerade bei der Hausarbeit zuhause. Da habe ich den Fernseher eingeschaltet und die Ereignisse mit großer Spannung verfolgt“, sagt sie. „Wir hatten keine Bekannten oder Freunde in der DDR, daher war die DDR uns eher fremd. Da war es dann umso beeindruckender, als die Mauer weg war“. Rückblickend sei bei der Wiedervereinigung nicht alles perfekt gelaufen, sagt auch Heinen. Die Leute in Ostdeutschland seien ja regelrecht vom Westen überrannt worden. Das habe zu Frust und Überforderung geführt.

Tränen in den Augen

Die Menschen hatten Tränen in den Augen Die Marler Partnerschaft mit Bitterfeld in Sachsen-Anhalt habe jedoch damals schon sehr gut angefangen. „Es war der April 1990. Wir sind mit Zeitungen, Medikamenten und allem, was wir bekommen konnten nach Bitterfeld gefahren. Als wir abends mit den Menschen vor Ort zusammensaßen, hatten die Älteren Tränen in den Augen“, erzählt Ingrid Heinen. „Das war schon ein tolles Gefühl“.

Aus Marl nach Prag

MZ-Redakteur Patrick Köllner erlebte die Vorboten des Ostblockzerfalls bereits vor der Maueröffnung. Auf einer Oberstufen-Kursfahrt nach Prag begegneten dem damaligen Schüler des Albert-Schweitzer-Gymnasiums viele DDR-Bürger, die sich auf den Weg in die Botschaft der BRD machten. „Da lag wirklich Geschichte in der Luft, die deutlich spürbar war“, erinnert er sich: „Wir trafen Menschen, die wie wir Touristen in Prag waren, die aber nicht wieder nach Hause, sondern in eine freie, aber ungewisse Zukunft fahren wollten.“ Hans-Dietrich Genschers ergreifenden Auftritt auf dem Balkon der Botschaft und die Öffnung der Mauer sah Patrick Köllner später im Fernsehen. In Marl.

Autoren: André Wielebski und Patrick Köllner

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