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Die Bahnstrecke S9 neben der Willy-Brandt-Gesamtschule in Marl. Hier werden vorerst keine Sträucher weggeschnitten.

Nach der Rodung

Sieg für das Klima: Bahn verzichtet auf Kahlschlag in Marl - Doch einige Fragen bleiben offen

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Die Aufregung von Marler Umweltschützern über die Schnittarbeiten an der Bahnstrecke S9 zeigten Wirkung. Für den Naturschutzbund Marl ist der Fall aber noch nicht geklärt.

Die radikalen Schnittarbeiten neben der Bahnstrecke S9 auf Marler Gebiet sind vorerst gestoppt. Darüber freut sich Erwin Gebauer, Gruppensprecher des Marler Naturschutzbundes (Nabu). „Die DB Netz AG hat sich gegenüber dem Nabu schriftlich geäußert und Fehler eingestanden“, sagt Gebauer: „Wie der entstandene Schaden ausgeglichen werden kann, will die DB Netz AG mit den zuständigen Behörden noch klären.“ 

Waren die Arbeiten in Marl illegal?

Die Bahn hatte im April und Mai Schnittarbeiten an der Strecke S9 in Auftrag gegeben – nach Bahnangaben aus Sicherheitsgründen. Für Erwin Gebauer war die Aktion gesetzwidrig. Denn: Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet den Rückschnitt zwischen 1. März und 30. September. Maßnahmen in dieser Zeit seien laut Nabu nur mit einer Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Recklinghausen (UNB) erlaubt.

Nabu Marl fragt UNB Recklinghausen

Erwin Gebauer stellte der UNB Mitte Juli eine Anfrage per E-Mail, auf die er eine Woche später eine Antwort erhielt. In ihrer Antwort stellte die Behörde klar, dass es „weder eine Duldung noch eine Genehmigung der UNB für die Rodungsarbeiten entlang der Bahnlinie gab bzw. gibt“. Die UNB teilte auch mit, dass es für die Maßnahme auch keiner Duldung oder Genehmigung bedurft hätte. Zuständig für sogenannte „Verkehrssicherungsarbeiten“ sei nämlich das Eisenbahn-Bundesamt

Naturschutzgesetz enthält neue Regeln

Zusätzlich weist die UNB in ihrem Schreiben auf neue Regelungen im Bundesnaturschutzgesetz hin, die seit 2009 gelten. Darin heißt es in §39 weiterhin, dass Schnittarbeiten zwischen März und September verboten seien, dass dieses Verbot aber nicht für Maßnahmen gelte, die zur „Gewährleistung der Verkehrssicherheit“ dienen. Das Argument der Verkehrssicherheit stört Naturschützer wie Erwin Gebauer besonders.

Fragen bleiben offen

Neben der Klärung des Schadensausgleichs durch die Bahn bleibt für den Nabu eine weitere Frage offen: Welche Rolle spielte die UNB in dieser Angelegenheit? Vielleicht gibt es auf der nächsten Sitzung des Naturschutzbeirates des Kreises Recklinghausen am 3. September eine Antwort.

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