Der Polizeieinsatz am Römerweg in Marl dauerte lange
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Der Polizeieinsatz am Römerweg dauerte lange.

Update: Politisch motivierte Kriminalität?

Munition in Marl gefunden - das war wohl kein gewöhlicher Fall

  • Heinz-Peter Mohr
    vonHeinz-Peter Mohr
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  • Thomas Fiekens
    Thomas Fiekens
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Die Polizei war über Nacht fast 14 Stunden bei einem Einsatz am Römerweg in der Haard. Dort fanden die Kräfte eingegrabene Munition. Das Aufdecken des Munitions-Erddepots hat nach Informationen dieser Zeitung mit üblichen Weltkriegs-Zufallsfunden nichts zu tun.

Update, 2. Februar, 18.20 Uhr: Nach der Sicherheitssprengung am Sonntag stehen Experten der Polizei vor Rätseln. Wer hat dort wann Handfeuerwaffenmunition, Granaten und selbst gebaute Zündvorrichtungen offensichtlich gezielt verbuddelt? Und: Warum? Wie berichtet, ist der Staatsschutz der Recklinghäuser Polizei involviert, ein Indiz dafür, dass sie in ihre Ermittlungen aus gegebenem Anlass intensiv die Möglichkeit politisch motivierter Kriminalität einfließen lässt. Die Sensoren eines Hobby-Sondengängers hatten auf der Suche nach – im Idealfall historischen – Metallgegenständen im Boden angeschlagen. Sonst wäre das mit einer Platte abgedeckte Munitionsdepot in seiner Abgeschiedenheit wohl nie entdeckt worden. Die Polizei wurde alarmiert. Auch dass am Ende ein Spezialist des Landeskriminalamtes NRW und nicht etwa eine Bereitschaft des Kampfmittelbeseitigungsdienstes die Munition sicherheitshalber gezielt vor Ort sprengte, ist ein Hinweis auf einen außergewöhnlichen Fall.

Update, 1. Februar, 14.55 Uhr: Bei der Munition, die die Polizei in der Haard gefunden hat, handelt es sich um eine Rauchgranate und eine Handgranatenhülle, die aus Sicherheitsgründen gesprengt wurden. Auch mehrere selbst gebastelte Zünder und verschiedene Kaliber (Patronen) von Schusswaffen wurden entdeckt. Mengenangaben machte die Polizei bisher nicht.

Die metallische Munition, die am Römerweg ausgegraben wurde, war stark korrodiert (zerfressen), berichtet Polizeihauptkommissar Andreas Wilming-Weber: „Wir wollten kein Risiko eingehen, dass da was hochgeht.“ Entschärfer des Landeskriminalamts haben einen Teil gesprengt. Sie können deshalb nicht mehr exakt sagen, was im einzelnen in der Erde verbuddelt war. Der Staatsschutz ermittelt weiter, wer die Munition am Römerweg deponiert hat. Die Polizei geht davon aus, dass sie seit Jahren dort lag.

Polizei nimmt den Munitionsfund in Marl ernst

Update, 31. Januar, 16.15 Uhr: Dass der Staatsschutz eingeschaltet ist, darf als Indiz dafür gelten, dass die Polizei die Sache ernst nimmt und keine Prüfung auslässt. Nachdem per Zufall Mitte Januar ein sogenannter „Erdbunker“ bei Seevetal in Niedersachsen gefunden wurde, sind die Behörden besonders sensibilisiert. Das dort gefundene Material – Chemikalien und Bombenbauanleitungen – kann womöglich nach derzeitigem Stand linksextremistischen Revolutionären Zellen (RZ) zugeschrieben werden. Ermittler machen sie für 300 Anschläge verantwortlich, einige davon im Ruhrgebiet.

Update, 31. Januar, 13.31 Uhr: Kriminaltechniker sind dabei, die Munition zu untersuchen. Einiges deutet darauf hin, dass sie schon seit Jahren in dem Wald gelegen hat. Ein Marler, der in dem Wald mit einem Metalldetektor unterwegs war, hatte sie freigegraben und die Polizei verständigt. „Wir sind froh, dass er sich gemeldet hat“, sagt Polizeihauptkommissar Andreas Wilming-Weber.

Fundstelle in Marl wurde gesperrt

Das berichteten wir bisher: Wie Polizeihauptkommissar Andreas Wilming-Weber mitteilt, ist bei der Sprengung nichts passiert. Die abseits gelegene Stelle im Norden von Marl wurde zuvor abgesperrt.

Der Staatsschutz wurde eingeschaltet und hat Ermittlungen übernommen. Über die Menge und die Art der Munition macht die Polizei vorerst keine Angaben. Weitere Teile wurden sichergestellt. Ein Zeuge hatte die Einsatzkräfte gerufen, weil er einen Verdacht geschöpft hatte. Der Einsatz wurde erst heute morgen gegen 9.30 Uhr beendet. Einsatzkräfte der Marler Feuerwehr waren vorübergehend vor Ort, um die Lage mit der Polizei zu besprechen.

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