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Baumpfleger Stefan Kerkeling (33) sägt die dicken Äste einer älteren Kopfweide ab – zu ihrem Schutz.

Wertvolles Brennholz

Naturschutz mit der Motorsäge - warum die Kopfweiden am Marler Freerbruchbach gestutzt werden

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Im Freerbruchtal in Marl werden am Tag  nach Weihnachten Kopfweiden gestutzt - schon seit 17 Jahren. Die Naturschutzaktion mit der Motorsäge ist Tradition.

Wenn an dicken Stämmen die Säge angesetzt wird, schlagen Naturschützer Alarm. Nicht so im städtischen Landschaftsschutzgebiet am Freerbruchbach in Marl. Seit 1992 pflanzt der Marler Biologe Prof. Frithjof Küpper (47) dort mit Freunden immer nach Weihnachten Kopfweiden. Sie nehmen mehr CO2 (Kohlenstoffdioxid) auf als andere Baumarten und entfernen es so aus der Luft, erklärt der Forscher. 

Weil sie aber ungeheuer schnell wachsen, schneidet er mit anderen Naturschützen regelmäßig ältere Weiden zurecht: „Sonst würden sie auseinanderbrechen oder umstürzen“, sagt Frithjof Küpper: „Ihr weiches Holz verrottet von innen. Wenn wir hier am Freerbruchbach nichts machen, dann sind die Kopfweiden in 20 Jahren weg.“ 

Nistplätze für Fledermäuse

Kopfweiden sind besonders wertvoll, weil sie Steinkäuzen und Fledermäusen Nistplätze bietet. Fünf stämmige Kopfweiden verlieren am Freerbruchbach ihre schnell nachwachsenden Äste. Jede Menge wertvolles Brennholz kommt so zusammen: „Ein Einfamilienhaus kann man ein Jahr lang mit dem Holz von zwei Kopfweiden versorgen“, erklärt Frithjof Küpper. Das verhindere die Freisetzung von CO2 durchs Heizen mit Öl, Gas oder Kohle. Allerdings, räumt der Wissenschaftler ein, werde durchs Verbrennen von Holz Feinstaub freigesetzt. 

Jedes Jahr einen Baum in Marl pflanzen 

Mit dem geschredderten Holz werden die Gebäude des Recklinghäuser Schulbauern- und Naturschutzhofs beheizt. Ein Dutzend Männer hilft dabei. Einige hatten wie Frithjof Küpper ihren Zivildienst auf dem Schulbauernhof geleistet. 

Einige dicke Äste pflanzen die Naturschützer am Freerbruchbach neu. Deutlich zu sehen ist dort eine Baumreihe mit geraden, stattlichen Stämmen. Sie wurden vor sechs Jahren in die Erde eingegraben, wo sie dann Wurzeln schlugen. Jedes Jahr will Frithjof Küpper einen Baum pflanzen. Sein Soll hat er mit 75 Bäumen längst erfüllt.

Vortragsreihe in der Marler insel

Was Frithjof Küpper sonst noch für den Klimaschutz tut, lesen Siehier.

Mit einem Impulsreferat wird Frithjof Küpper die neue Vortragsreihe „Marler Klima-Perspektiven“ der insel-Volkshochschule eröffnen: Am Freitag, 7. Februar, ab 18 Uhr geht es in der Wiesenstraße 22 um weltweiten Klimawandel und Denkanstöße für lokales Handeln in Marl. Der Eintritt ist frei.

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