Ärger bei der Alten Schmiede

Brief führt zur Kündigung

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MARL - Die Solidaritätsgemeinschaft arbeitsloser Marler Bürger hat einer leitenden Angestellten fristlos gekündigt – doch die Frau will ihren Arbeitsplatz nicht klaglos räumen. Die eine Seite spricht von einer Intrige, die andere von Mündigkeit und Schadensbegrenzung.

Ausgangspunkt für die fristlose Kündigung einer Pflegedienstleiterin vom 1. August 2018 war ein auf den 24. Juni datierter Brief, den früher oder später auch der Vorstandsetage in die Hände gefallen ist. Wie es am Donnerstag im Gütetermin vor dem Herner Arbeitsgericht hieß, ist das von mehreren solidarischen Schmiede-Mitarbeitern unterschriebene Beschwerdeschreiben über das Führungsverhalten der Betriebsleiterin offensichtlich von der später Gekündigten „verfasst und initiiert“ worden.

Während die Arbeitgeberseite sich vor die Betriebsleiterin stellt, weil sie durch das Schreiben mit unhaltbaren Vorwürfen überzogen worden sei, können die gekündigte Pflegedienstleiterin und ihr Anwalt Ismail Kilicli die Aufregung überhaupt nicht verstehen. Abgesehen davon, dass der sofortige Rauswurf ohnehin schon aus formellen Gründen (wegen angeblicher Frist-Versäumnisse) zum Rohrkrepierer werde: Der Brief sei inhaltlich missverstanden worden. Denn die seit mehr als zwölf Jahren in der Alten Schmiede beschäftigte Klägerin und ihre Kollegen, so Anwalt Kilicli, hätten nämlich keinesfalls „die Absicht gehabt, die Betriebsleiterin zu diskreditieren“. Sinn und Zweck des Schreibens sei ganz allein gewesen, den Arbeitgeber vor drohendem Schaden zu bewahren. Und außerdem habe die Klägerin wohl auch gar nicht so verkehrt gelegen mit ihrer Kritik. Angeblich soll aus dem Vorstandbereich der Solidaritätsgemeinschaft arbeitsloser Bürger e.V. nämlich als eine der ersten Reaktionen auf die Kritik an der Betriebsleitung der Satz gefallen sein: „Bitte ersparen Sie mir doch eine offizielle Beurlaubung.“ Das spreche mehr für Verständnis, die jetzt geäußerte Empörung sei daher wenig überzeugend. „Solche Briefe sind immer schwierig“, betonte Arbeitsrichterin Nadja Große-Wilde im Gütetermin. Denn teilweise seien darin „schon ein paar Spitzen“ enthalten. Inwieweit der Brief letztlich einen Rauswurf rechtfertigen könnte, müsse aber sorgfältig geprüft werden.

Mit Blick auf das Prozessrisiko und die – so oder so – erheblich belastete Arbeitsatmosphäre schlug die Vorsitzende Richterin eine einvernehmliche Trennung per Vergleich vor. Die Solidaritätsgemeinschaft soll die Pflegedienstleiterin danach freistellen und ihr noch bis zum 31. Januar 2019 das volle Gehalt plus 14.340 Euro Abfindung zahlen. Beide Parteien haben nun drei Wochen Zeit, über diesen Vorschlag nachzudenken. Platzt der Vergleich, kommt es zum Kammertermin.

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen (dpa-Zentralbild)

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