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Patient Willi Becker (59, links), der auf Spenderniere warte, im Gespräch mit Dr. Hans-Ulrich Foertsch

Bergmann benötigt Spenderorgan

Warten auf ein neues Leben

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MARL - Willi Becker muss dreimal wöchentlich zur Dialyse. Eine neue Niere könnte seinen Alltag erheblich erleichtern.

Krank sein, das gab es bei Willi Becker nicht. Bis der frühere Maschinensteiger im August 2011 mit der Familie im beim Sonntagsnachmittagskaffee im Garten saß. „Willi, du hast ja ganz dicke Füße“, habe seine Schwägerin ganz erschrocken festgestellt. Am nächsten Tag ging der Recklinghäuser zum Hausarzt. Der schickte ihn ohne Befund weiter zum Urologen, von dort ging es zum Nierenspezialisten. Der stellte für den aktiven Bergmann die genauso überraschende wie erschütternde Diagnose: Die Nierenleistung betrug gerade noch 25 Prozent. Wasser hatte sich im Körper eingelagert. An den Füßen wurde es sichtbar.

„Ich wollte es erst nicht glauben. Aber gut ein halbes Jahr später war ich an der Nadel“, berichtet der heute 59-Jährige nüchtern. Dreimal pro Woche vier Stunden Dialyse, das gehört seitdem zu seinem Leben – seit mehr als sechs Jahren. Genau so lange steht er auf der Warteliste für ein Spenderorgan. „Ich möchte nicht noch einmal fünf Jahre warten müssen“, sagt er und sein Lächeln wird wehmütig.

Für den Marler Mediziner Dr. Hans-Ulrich Foertsch ist ein Schicksal wie da wie die des Bergmanns nichts Ungewöhnliches. „Jeder Mensch kann plötzlich so krank werden, dass ihn nur ein Spenderorgan retten kann“, erklärt er. „Das vergessen die meisten.“ Der Vorsitzende der Ärztekammer Westfalen-Lippe im Verwaltungsbezirk Recklinghausen streitet seit vielen Jahren unerschütterlich für die Organspende. Auch Skandale in jüngster Zeit haben an seiner Haltung nichts geändert.

Viele Menschen warten vergebens

Dr. Hans-Jürgen Foertsch ist 82 Jahre alt und hat dem Praxisalltag schon lange Lebewohl gesagt. Doch wenn es um die Fortbildung von Ärzten geht und vor allem um das Werben für die Organspende lässt er nicht locker. Dass mehr als 10.000 Menschen in Deutschland auf ein Spenderorgan warten – viele davon vergebens – hat den Arzt schon für Jahren dazu gebracht, sich öffentlich für die Widerspruchslösung starkzumachen. Sie bedeutet: Wer nicht zu Lebzeiten widerspricht, kann im Todesfall Organspender werden.

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