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Soziales Risiko Schulkinder

Bildungs- und Gesundheitsstand

Deutsche Kinder schneiden schlecht ab

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MARL - Marls Kinder belegen im kreisweiten Vergleich beim Bildungs- und Gesundheitsstand einen mittleren Platz. Wer aus einem besseren Elternhaus stammt, hat im Leben bessere Chancen.

Kinder, die zu Hause in der Familie nicht deutsch sprechen oder deren Eltern nur eine mangelhafte Schul- und Berufsausbildung haben, tragen ein hohes soziales Risiko: Sie sind häufiger krank, medizinisch schlechter versorgt und haben bei der Schuleingangsuntersuchung oft nicht den Entwicklungsstand, der ihrem Alter entspricht.

Gute Sprachkenntnisse sind entscheidend für bessere Bildung und damit auch für gesünderes Leben, so Dr. Sabine Wadenpohl, Gesundheits- und Bildungsberichterstatterin des Kreises Recklinghausen. Sie hat Daten aus den Schuleingangsuntersuchungen von 2013 bis 2017 ausgewertet: „Marl ist nicht Bullerbü“, sagt sie. Übersetzt: Im Vergleich mit dem übrigen Kreis Recklinghausen ist Marl zwar keine Idylle. Die Stadt belegt beim Bildungs- und Gesundheitsstand ihrer Kinder einen mittleren Platz. Aber kaum in einer anderen Kommune sind soziale Unterschiede und damit die Chancen und Risiken so unterschiedlich verteilt wie in den Marler Stadtteilen.

Wächst ein Kind in Polsum auf, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es aus einem Elternhaus mit hohem Bildungsstand kommt und gute Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung hat. Im Stadtkern mit sozialen Brennpunkten ist die Ausgangssituation schlechter. Bildung und Gesundheit gehören zusammen, betont Dr. Sabine Wadenpohl: „Der Raum prägt die Menschen.“ Ihre Forderung: „Da müssen neue Konzepte her.“ Kindertagesstätten zum Beispiel müssten je nach Standort unterschiedlich ausgestattet sein, so die Gesundheitsexpertin.

Fast ein Drittel (29 Prozent) der Kinder in Marl lebt in Familien, die Einkommen vom Sozialamt oder Jobcenter beziehen. Im Kreisdurchschnitt sind es 25 Prozent. 40 Prozent stammen aus einem Elternhaus, in dem es ein geringes Maß an Bildung gibt. Wie sich die Situation in der Einschulungsphase darstellt, zeigen Daten wie diese: 2017 konnten knapp zehn Prozent der Marler Einschulungskinder (67) kein Deutsch. Rund 200 der angehenden Erstklässler hatten keinen altersgemäßen Sprachstand, davon die Hälfte aus deutschsprachigen Elternhäusern. Etwa 100 Mädchen und Jungen zeigten bei den Tests Schwierigkeiten mit der Körperkoordination beim Hüpfen, Balancieren oder dabei, etwas vom Boden aufzuheben.

„Erkennt das Kind, ob auf zwei Bildern zwei oder zehn Bälle abgebildet sind und kann es ,weniger‘ und ,mehr‘ richtig benennen? Bei diesem Test scheiterten rund 100 der Fünf- bis Sechsjährigen aus Marl. 42 von ihnen kamen aus deutschsprachigen Familien. „Bei Kindern mit ausländischer Herkunft sind Probleme mit der Sprache oft ein Fremdsprachenproblem, bei Deutschsprachigen wird die Entwicklung nicht ausreichend gefördert“, so Dr. Sabine Wadenpohl. Sie fordert: „Wir brauchen in Stadtteilen wie Mitte und Hüls-Nord Deutsch als Fremdsprache in der Grundschule.“ Um Chancen für benachteiligte Kinder zu verbessern, ist aus Sicht der Expertin vor allem wichtig: Je früher Kinder eine Kita besuchen, desto besser ist der Bildungsstand der Sprache.“ Auch das belegen Schuleingangsuntersuchungen. „50 bis 70 Prozent der nicht deutschsprachigen Kinder haben es geschafft, in der Kita so gut Deutsch zu lernen, dass wir keinen Unterschied zu ihren deutschsprachigen Altersgenossen feststellen.“

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