Blog von Maziad Aloush

Wie drei Jahre einen Menschen verändern

MARL - Vor drei Jahren kam Maziad Aloush als Flüchtling aus Syrien nach Deutschland. In Marl versucht er seitdem, sich eine neue Existenz aufzubauen. In seinem aktuellen Blog-Eintrag blickt er auf diese drei Jahre zurück.

„Seit drei Jahren lebe ich hier in Deutschland. Ich denke viel über diese Zeit nach. Wie stark können drei Jahre einen Menschen verändern. Ich erinnere mich an den Tag, an dem ich auf der Autobahn von Wien nach München unterwegs war. Damals habe ich das erste deutsche Wort gelesen – „Ausfahrt“. Ich habe es total falsch ausgesprochen, und ich fragte den Autofahrer nach der Bedeutung. In Syrien hatte ich schon versucht, viel über die deutsche Kultur zu lernen. Trotz meiner Recherchen habe ich viele neue Dinge kennengelernt, seitdem ich in Deutschland bin. Ich erinnere mich, wie ich mit dem Deutschlernen angefangen habe. Die Leute, die an meiner Seite waren oder noch sind, hatten und haben viel Geduld und korrigieren mich immer wieder. Es gab und gibt hilfsbereite Menschen, die mich überallhin begleiten, um meine Angelegenheiten bei Behörden zu erledigen. Es gab Menschen, die mir mit passender Möbelausstattung geholfen haben. Es gibt die netten Leute, die bei mir klingeln, nur um zu fragen, ob es mir gut geht. Leute, die immer für mich da sind Ich erinnere mich, wie alle mir die Daumen gedrückt haben, als ich auf die Antwort vom BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) gewartet habe und als ich auf meine Eltern gewartet habe. Es gibt Leute, die immer für mich da sind. Die Tage sind schnell vergangen. In diesem Jahr habe ich oft versucht, einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz zu bekommen: Leider läuft nichts, wie ich es mir vorgestellt habe. Jetzt habe ich einen Platz in einer Qualifizierung zum Busfahrer bekommen. Damit fange ich Anfang August an." Die Jäger und der Elefant

Auch in Deutschland verfolgt Maziad Aloush alle Nachrichten aus Syrien. Seine Gedanken über die Lage in seinem Heimatland fasst er in seinem Blog in dieser gleichnishaften Geschichte zusammen:

„Was machen die Jäger, wenn sie einen Elefanten domestizieren möchten? Der Elefant ist groß und stark. Die Jäger graben eine große Fallgrube auf dem Weg, den er täglich nimmt. Sie ist so groß wie der Elefant. Dann decken sie die Fallgrube ab. Wenn der Elefant in die Grube fällt, kann er ohne Hilfe nicht heraus. Die Jäger können ihn nicht herausziehen, er würde sich an ihnen rächen. Die Jäger haben in dieser Lage einen Trick: Sie spalten sich in zwei Gruppen auf, eine Gruppe mit blauer Kleidung und die andere mit roter. Erst kommt die Gruppe die roten Klamotten an die Fallgrube und schlägt den Elefanten. Er kann nichts dagegen machen. Danach kommt die andere Gruppe, die blauen Klamotten hat, und gibt ihm Futter und Wasser. Aber sie befreit ihn nicht. Die Jäger machen das mit dem Elefanten zweimal täglich, zwei Wochen lang. Je schlechter die Roten den Elefanten behandeln, desto mehr Futter und Wasser geben ihm die Blauen. So bekommt der Elefant das Gefühl, dass die Blauen seine Freunde sind. Er wartet täglich darauf, dass sie ihm helfen. Eines Tages kommen die Jäger in Blau und ziehen ihn aus der Fallgrube heraus. Der Elefant folgt den Jägern von da an unterwürfig, gefügig und voller Liebe.“

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