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Dr. Ortlieb Fliedner.

Buch des Ex-Bürgermeisters Fliedner

Demokratie und ihre Werte verständlich erklärt

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MARL - Dr. Ortlieb Fliedner war von 1995 bis 1999 Marls erster hauptamtlicher Bürgermeister. Der mittlerweile in Bonn lebende Jurist hat ein Buch über den Einbürgerungstest der Bundesrepublik geschrieben.

33 Fragen zum Leben in Deutschland müssen Ausländer beantworten, wenn sie als Deutsche eingebürgert werden wollen. Ob wohl alle Deutschen den Einbürgerungstest bestünden? Er besteht er aus einem Katalog von 300 Fragen zur Bundesrepublik und zehn Fragen zum jeweiligen Bundesland. Daraus werden 33 Fragen per Zufallsgenerator ausgewählt. Einer, der alle 310 Fragen ohne langes Nachdenken richtig beantworten kann, ist der ehemalige Marler Bürgermeister Dr. Ortlieb Fliedner (75). Er veröffentlichte jetzt ein Buch über den Einbürgerungstest, in dem er die deutsche Demokratie und ihre Werte verständlich erklärt. Der Titel „Liebe Rana, lieber Achmed“ spielt auf ein syrisches Ehepaar an, das Fliedner und seine Frau in ihrer Heimat Bonn betreut haben. (Die Namen der Syrer wurden für das Buch geändert.) Die beiden Flüchtlinge, Freunde und Nachbarn der Fliedners, wollten sich vertieft mit dem Einbürgerungstest befassen. Als Rechtsanwalt und Autor dreier Bücher zu Recht, Politik und Demokratie war ihr Freund der beste Experte. Ist die Menschenwürde wirklich unantastbar?

Alle 310 Fragen hat Ortlieb Fliedner durchgearbeitet, zu den wichtigen erklärt er in seinem Buch Hintergründe. Was bedeutet zum Beispiel Unantastbarkeit der Menschenwürde? Für den Juristen heißt es konkret, dass Asylbewerber im Sozialstaat Leistungen bekommen, die ihnen ein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Doch 20 Jahre lang wurden die Leistungen für Asylbewerber nicht an Preissteigerungen angepasst. Bis das Bundesverfassungsgericht 2012 feststellte, dass ihre Höhe unvereinbar mit dem Grundrecht auf ein menschenwürdiges Existenzminimum waren. Zurzeit erhalten alleinstehende Asylbewerber, die in Unterkünften leben, Sachleistungen und 135 Euro.

„Liebe Rana, lieber Achmed. Briefe über Deutschland zur Vertiefung der Fragen des Einbürgerungstests“, 210 S., 19,90 Euro, erschienen im Kommunal- und Schul-Verlag Wiesbaden, ISBN 9783829314077

Nicht nur die Justiz, auch die Gesellschaft müsse für ein Leben in Würde sorgen, mahnt Ortlieb Fliedner und denkt an die RTL-Doku „Erwachsen auf Probe“. Dort spielten Jugendliche Probeeltern. Ihnen wurden Säuglinge anvertraut, mit denen sie nicht zurechtkamen: „Wenn eine Gesellschaft so etwas zulässt und ein Millionenpublikum sich anguckt, wie die Babys schreien, dann ist die Menschenwürde gefährdet“, warnt Ortlieb Fliedner. Sein Buch über Stärken, Schwächen und Gefährdungen der Demokratie ist auch für den politischen Unterricht in Schulen geeignet. Eine Schwäche der Demokratie sieht der Rechtsanwalt in der langen Dauer von Entscheidungsprozessen. Doch die müssten Demokraten in Kauf nehmen. Eine willkürliche schnelle Gesetzgebung wie in diktatorischen Regimen könne niemand ernsthaft wollen.

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