+
viele Erinnerungen, Anekdoten und eine kritische Bestandsaufnamhme des Fußballs in Marl lieferten (v.l.): Jürgen Cuber, Joachim Wunschick, Peter Millucks, Josef Schröder, Frank Zander, Matthias Tatsch, Horst Darmstädter, Joachim Kirstein, Stefan Berger und Robert Lemke, sowie (nicht im Bild) Walter Dudler.

Buch über Geschichte geschrieben

Marler Fußball persönlich

  • schließen

MARL - Fußball-Urgesteine haben Buch über den Fußball in Marl geschrieben. „Mit Pferd und Wagen zum Auswärtsspiel“ heißt der Band, für den Joachim Kirstein, Joachim Wunschick und Frank Zander jede Menge Material zusammengetragen und veröffentlicht haben.

„Die ersten Erwähnungen von Fußballaktivitäten in Marl sind rund 100 Jahre her“, stellte Joachim Kirstein zu Beginn fest. Wie war das eigentlich: „Wie kamen die Spieler zu den Auswärtsspielen ohne Auto? Wie waren die Bedingungen auf den Plätzen? Ab wann begann Geld, auch im Amateurfußball eine größere Rolle zu spielen?“ Stefan Berger entlockte den Experten viele Informationen und einige Anekdoten. „Mit dem Fahrrad fuhren wir zu den ersten Auswärtsspielen“, erinnerte sich Horst Darmstädter. „Wenn die in Dorsten oder Dülmen stattfanden, kamen wir meist schon kaputt am Spielort an.“ Das Dreirad-Fahrzeug von Möbel Schulte in Hüls oder der Lkw aus dem Möbelhaus im Bunker am Lipper Weg in Drewer waren dann später schon der erste Luxus. „Spieler konnte man zum Verein locken, wenn man ihnen eine Wohnung besorgen konnte“, berichtete Peter Millucks.

Wie hoch die Fußballpläne dann im aufstrebenden Marl nach dem Krieg flogen, berichtete Josef Schröder: „Der Neubau des Jahnstadions in Hüls sollte zweistöckig erfolgen und 60 000 Zuschauer fassen können wie das Müngersdorfer Stadion in Köln. Es gab sogar schon ein Model“. Dazu kam es aber nie, auch wenn bekannte Fußballgrößen wie Trainer Rudi Gutendorf ihre ersten Lorbeeren in Hüls verdienten: Auf mehr als 18 000 Zuschauer bei einem Heimspiel kam auch der Deutsche Amateurmeister TSV nie.

Die mangelnde Bereitschaft, sich in Vereinen ehrenamtlich zu engagieren, und auch die Konkurrenz durch Sonntagspiele der Bundesliga gehen zulasten der Amateurvereine. Alle, nicht nur der VfB und der TSV, sind von der Negativentwicklung betroffen. „Wir könnten viel mehr junge Mitglieder aufnehmen, aber wir wissen nicht mehr, wie wir das organisieren sollen“, zog Peter Millucks ein ernüchterndes Fazit. Der Amateurfußball steckt in einer strukturellen Krise: Das konstatierten alle Experten. „Amateurfußball muss wieder einen anderen Stellenwert bekommen“, lautete ihre einhellige Forderung: „Die Vereine sind wichtige Anlaufstellen in den Stadtteilen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare