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Rudolf Heiland (r.) erklärt dem damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss die Pläne für das neue Marler Rathaus.

Bürgermeister Rudolf Heiland

Wie ein Marler am Grundgesetz mitarbeitete

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MARL - Rudolf Heiland war viele Jahre Bürgermeister von Marl und prägte mit seinen Entscheidungen nachhaltig das Stadtbild. Was vielen nicht so bekannt ist: Er arbeitete auch unmittelbar am Grundgesetz mit.

Als Rudolf-Ernst Heiland am 6. Mai 1965 im Alter von 54 Jahren nach einem Herzinfarkt starb, würdigten der Bundesvorsitzende der SPD Willy Brandt und sein Stellvertreter Herbert Wehner den Marler Sozialdemokraten als „aufrichtigen Freund und unermüdlichen Mitarbeiter“.

Der ehemalige Hilfsmonteur beim Elektrizitätswerk Marl, der 1933 wegen seiner politischen Gesinnung als Sozialdemokrat entlassen wurde, hatte als Widerstandskämpfer gegen die Nationalsozialisten von 1936 bis 1938 zwei Jahre im Zuchthaus gesessen. Er wurde dann als Hilfsarbeiter in den Ostgebieten zwangsverpflichtet. 1945 kehrte er nach Marl zurück.

Ab September 1948 saß der Marler als eines von 65 Mitgliedern im Parlamentarischen Rat, der über das Grundgesetz beriet. Die Richtlinien hatten zuvor bereits die Regierungen der elf westdeutschen Länder festgelegt.

Biografie mit Licht und Schatten

„In den Beratungen war Rudolf Heilands Meinung auch aufgrund seiner Erfahrung als politisch Verfolgter gefragt“, so Brian Nickholz, Vorsitzender der Marler SPD. Der SPD-Stadtverband würdigt Heiland zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes und hat die Büste des ersten Bürgermeisters der neuen Stadt Marl mit Blumen geschmückt. Im Hintergrund sind die Rathaustürme zu sehen. „Sicherlich hat seine Biografie Licht und Schatten“, so Brian Nickholz mit Blick auf dieses Motiv und die aktuelle Diskussion um die Sanierung des Rathauses, das zu Rudolf Heilands Zeiten noch größer – mit vier statt zwei Türmen – geplant worden war.

„Aber heute geht es darum, den Wert des Grundgesetzes zu würdigen, an dem Rudi Heiland mitgewirkt hat.“ Rudolf-Ernst Heiland gehörte im Parlamentarischen Rat dem Ausschuss für Organisation des Bunds an. Dort trat er für die Stärkung von Parlament und politischen Parteien und für ein konstruktives Misstrauensvotum ein. Statt des Bundesrats als Länderkammer wollte er einen Senat mit der gleichen Anzahl an Mandaten. Die Wahl der Mitglieder der Länderkammer sollte aus den Landtagen erfolgen.

„Engagiert und polarisierend“

Der Marler Politiker war an den Ausschüssen für den Verfassungsgerichtshof und Rechtspflege, dem Ausschuss für Wahlrechtsfragen und dem Ältestenrat beteiligt. In einem Porträt der Bundeszentrale für politische Bildung wird Heiland so beschrieben: „Er zeigt sich als engagiertes Ratsmitglied, das gelegentlich polarisierend Stellung nimmt. Selbst die Westalliierten nimmt er von seiner Kritik nicht aus, wenn er diesen vorwirft, eine ,Politik der imperialistischen Ausdehnung‘ zu praktizieren und die Deutschen nur als ,Schachfiguren‘ zu behandeln.“

Über die Grenzen der Stadt Marl hinaus war Rudi Heiland als Politiker im Kreistag eingebunden, er gehörte dem Gemeindebund an. Zeitzeugen berichten, dass er sich mit dem SPD-Patriarchen Herbert Wehner gut verstand. „Man sagt ihm nach, dass er ein ähnliches Temperament hatte“, erzählt Brian Nickholz.

Skandal nach Tod aufgedeckt

Rudolf Heiland diskutierte auf Bundesebene über die Zukunft der Bundesrepublik und blieb dabei Kommunalpolitiker – und als solcher auch nicht unumstritten. In seiner Amtszeit wurden das Rathaus, das Theater, die insel, die Hügelhäuser und die Scharounschule gebaut. Nach seinem Tod überschattete ein Skandal die Biografie des Baumeisters für die Stadt Marl und für die Bundesrepublik Deutschland.

„Wie ein Bürgermeister 1,5 Millionen DM verzockte“ titelte der Journalist Gert Eiben in einem Beitrag für den Vestischen Kalender. Darin geht es um eine Einlage in genannter Höhe, die Bürgermeister Heiland für die Stadt Marl in den 50er Jahren bei der dubiosen Handels AG in Berlin veranlasst hatte. Am Ende wurde das Rendite versprechende Geschäft zum Riesenverlust für die Stadt.

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