Essener Landgericht

Vierjährige aus Marl brutal misshandelt: Eltern verurteilt

Marl/Essen - Eine Mutter soll ihre vierjährige Tochter brutal misshandelt und gequält haben. Der Vater soll immer wieder weggeschaut haben. Das Essener Landgericht hat gegen die Eltern mehrjährige Haftstrafen verhängt. Und es gibt noch mehr Vorwürfe.

Für das vierjährige Mädchen aus Marl war es ein furchtbares Martyrium. Wochenlang wurde es von seiner Mutter brutal misshandelt und gequält – fast bis zum Tod. Am Dienstag ist die 32-Jährige zu sechs Jahren Haft verurteilt worden.

Gegen den Vater des Kindes hat das Essener Landgericht vier Jahre Haft verhängt. Der 41-Jährige hatte immer wieder weggeguckt, statt seiner kleinen Tochter zu helfen.

Die Vierjährige war vor rund einem Jahr halb verhungert und mit massiven Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert worden. „Alle Stellen am Körper waren blau und schwarz – von Kopf bis Fuß“, sagte Richter Volker Uhlenbrock. Außerdem war die Milz verletzt, Blut sickerte bereits in den Bauchraum. Ein paar Bewegungen mehr, und die Vierjährige wäre gestorben.

Die Richter gehen davon aus, dass sie von ihrer Mutter gewürgt, getreten und mit Besenstielen geschlagen worden ist. Außerdem soll die 32-Jährige ihre Tochter aufgefordert haben, vom Balkon in den Tod zu springen. „Sie wäre auch gesprungen“, so Uhlenbrock. Doch dann habe ihre Schwester im letzten Augenblick eingegriffen. „Sie hat sie als einzige davon abgehalten, in den Tod zu springen.“

Der Vater soll bereits 15 Jahre im Gefängnis gesessen haben

Es war ein anonymer Hinweis aus der Nachbarschaft, der der Vierjährigen am Ende das Leben gerettet hat. Daran haben die Richter keine Zweifel. Sie gehen davon aus, dass die Angeklagte ihre Tochter regelrecht gehasst hat. Warum? Das ist nicht ganz klar. Das Paar hat drei gemeinsame Kinder. Alle sind inzwischen in der Obhut des Jugendamtes. „Sie werden hoffentlich nie zu Ihnen zurückkehren, so Uhlenbrock an die Adresse der Eltern.

Doch es gibt schon neue Vorwürfe. Am Dienstag ist erstmals bekannt geworden, dass es auch um Vergewaltigung gehen könnte. Die Kinder haben bei ihren Vernehmungen offenbar Andeutungen gemacht, dass sie in der Wohnung regelrecht „verkauft“ worden sind. Danach mussten sich die beiden Mädchen angeblich im Wohnzimmer auf die Couch legen. „Dann kamen andere Männer“, hieß es im Prozess.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sollen bereits angelaufen sein. Eine neue Anklage gibt es zwar noch nicht. Die Richter in Essen gehen aber offenbar davon aus, dass es schon bald einen nächsten Prozess geben könnte. Die Angeklagten waren von Rumänien nach Deutschland gekommen. Der Vater soll wegen Gewaltstraftaten in der Heimat rund 15 Jahre im Gefängnis gesessen haben.

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