Flüchtlingsunterkunft ist sanierungsreif

Beim Röttgershof hilft nur Abrissbirne oder Pinsel

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MARL - Der Röttgershof an der Langenbochumer Straße ist als Flüchtlingsunterkunft ein Dauer-Reizthema. Die Wählergemeinschaft Die Grünen und die Bürgerliste WIR für Marl nannten ihn einmal den „Schandfleck Marler Sozialpolitik“. Die Piraten wollten dem Bürgermeister 2015 sogar einen „Schimmelpreis“ verleihen, nahmen davon aber Abstand, als die Stadt die schlimmsten Zustände beseitigte. Nun will sie das Gebäude freiziehen und sanieren.

Die Politiker wollen aber erst wissen, wie teuer das wird, was ein Neubau oder ein Abriss kostet – und ob statt des Röttgershofs andere Sammelunterkünfte genutzt werden können. Das beschloss eine große Mehrheit im Sozialausschuss auf Antrag der CDU. Die SPD enthielt sich mit fünf Stimmen, weil sie „keinen Druck aufbauen“ wollte, so Ratsherr Martin Röper.

Nach veralteten Zahlen aus 2015 kalkulierte die Stadtverwaltung rund zwei Millionen Euro für die Sanierung des Röttgershofs ein. Sie will ihn vorerst nicht schließen, um angesichts der unsicheren weltpolitischen Lage schnell reagieren zu können. Der Hof habe sich als Erstaufnahme-Einrichtung über Jahre bewährt, er könnte noch einmal als Sammelunterkunft gebraucht werden, argumentiert Sozialdezernentin Dr. Barbara Duka: „Wir wissen doch nicht, was sich in den nordafrikanischen Staaten abspielen wird.“ Eine Vermarktung der Fläche und eine Wohnbebauung in diesem Außenbereich sei nicht ohne Weiteres möglich.

Auch Siegfried Weisser, Abteilungsleiter im Amt für Gebäudewirtschaft, warnt: „Wenn wir eine Struktur aufgeben, kriegen wir sie so schnell nicht wieder.“

Die Marler Stadtverwaltung geht vorerst davon aus, dass sie für 500 Flüchtlinge Plätze frei halten muss. Belastbare Zahlen von Bund oder Land gebe es nicht. Zurzeit leben 330 Asylbewerber in von der Stadt angemieteten Wohnungen und 112 in Gemeinschaftsunterkünften. Die in Hüls relativ zentral gelegene und gerade neu eingerichtete Unterkunft auf Auguste Victoria reiche mit rund 100 Plätzen nicht aus.

Wie teuer die Sanierung des Röttgershofs ist, wollte die Stadtverwaltung sowieso prüfen – auch ohne Auftrag der Politik, erklärte Barbara Duka: „Wir brauchen belastbare Zahlen.“ 2019 könnte die Sanierung in Angriff genommen werden.

Die Wählergemeinschaft Die Grünen plädierte schon immer für eine Schließung des Röttgershofs. Auch seine Randlage behindere eine Integration, meint ihr sachkundiger Bürger Norbert Pfänder. Drastischer formulierte es Katharina Sandkühler (Bündnisgrüne): „Nur weil es knallen könnte, kann die Stadt doch keine abbruchreifen Gammelimmobilien horten.“

Die SPD will erst Zahlen als Grundlage einer Entscheidung über Abriss oder Sanierung des Hofs sehen. Sie versuchte, die Schärfe aus der Debatte zu nehmen.

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