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Baudezernentin Andrea Baudek, Projektleiter Bernd Herzog-Schlagk und Verkehrsplaner Udo Lutz stellen das Projekt fußgängerfreundliches Marl vor.

Fußgängerfreundlichkeit im Blick

Marl zu Fuß entdecken

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MARL - Seit zwei Jahren ist Marl eine von fünf Modellstädten für Fußgängerfreundlichkeit. Unter 70 Bewerbern wählte der Fachverband Fußverkehr Deutschland (FUSS) die Stadt aus. Beim Fußverkehr ist im autogerechten Marl noch viel Luft nach oben. Das finden auch unsere Leser.

„Schlendern ist Luxus“, singt Popsängerin Ulla Meinecke. Baudezernentin Andrea Baudek gibt ihr recht: „Zu Fuß durch die Stadt zu gehen, tut gut und ist gesund. Mich überrascht, was man wahrnimmt, wenn man sich nur Zeit nimmt.“ Für die Marler Bürger soll das Schlendern kein Luxus mehr sein. Die Stadt will es ihnen leichter machen. FUSS trug gute Ideen aus allen Städten zusammen. Für Marl schlägt der Verband vor, die Forumsplatte zu beleben. Viele gute Fußwege aus den Ortsteilen in die Innenstadt sollten stärker genutzt werden. Deshalb will die Stadt besser lesbare Wegweiser mit Zeitangaben („5 Minuten Fußweg zum City-See“) aufstellen. „Die Bürger brauchen so was“, sagt Projektleiter Bernd Herzog-Schlagk, der als Berliner die

Ihm fiel auf, dass in Marl „eine Menge Leute interessiert sind, mehr für Fußgänger zu tun – der Seniorenbeirat, die Polizei, viele Ämter...“ Die vielen Grünzüge seien fast ein Alleinstellungsmerkmal. Im Alltag müssten sie für Fußgänger genutzt werden. Zurzeit stellt die Stadt ein klimafreundliches Mobilitätskonzept auf. Ziel ist es, den Fußgänger- und Radfahrer-Verkehr zu fördern, sagt Andrea Baudek. Laut Verkehrsentwicklungsplan haben Fußgänger in Marl einen Anteil von 17 Prozent am Stadtverkehr, Autofahrer 55 Prozent. Beim Fußverkehr ist im autogerechten Marl noch viel Luft nach oben.

Das meinen auch unsere Leser, die wir nach Verbesserungsvorschlägen fragten. Einige setzt die Stadtverwaltung bereits um: Bis Ende 2021 sollen alle 146 Bus-Haltepunkte barrierefrei umgebaut und mit Wartehäuschen ausgestattet werden. Auf Fußwegen sollen Stolperfallen entfernt werden. Beispiel Triftstraße: Da nehmen dicke Bäume fast den ganzen Gehweg ein, brechen mit ihren Wurzeln Pflastersteine auf. „Dort gibt es keine einfache Lösung, denn die Bäume wollen wir schützen“, sagt Verkehrsplaner Udo Lutz. Er denkt mit seinen Kollegen über eine Entsiegelung der Gehwege nach. In verkehrsberuhigten Wohn- und Spielstraßen seien Autofahrer und Fußgänger gleichberechtigt.

Weitere Hinweise unserer Leser hat sich Udo Lutz notiert: Stolperkanten auf dem Fußweg an der Augustastraße, Löcher im Asphalt auf dem Fußweg vor der Goetheschule... Mitarbeiter des Zentralen Betriebshofs werden sich die Stellen ansehen. Noch keine Lösung gibt es für die Einmündung Friedrichstraße. Hier dürfen Autofahrer nur nach rechts in die Victoriastraße abbiegen – das ist eindeutig ausgeschildert. Trotzdem biegen viele Fahrer nach links ab, rollen um die Verkehrsinsel herum. Schon 20 Mal (!) wurde das Schild an der Einmündung umgefahren, berichtet Udo Lutz. Hier helfen nur Kontrollen. Als die Projektgruppe sich am Fußgängerüberweg Sickingmühler Straße umsah, geschah ein Unfall mit einem viel zu schnellen Radfahrer. Die Stadt reagierte, stellte dort rot-weiße Gitter auf. Sie bremsen Radler, zwingen sie abzusteigen oder langsam über den Zebrastreifen zu fahren. Für Autos gilt Tempo 30. Seither sind an dieser Stelle keine Unfälle mehr passiert.

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