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In der Leitwarte erklärt Techniker Holger Ernat (hinten links) die Abläufe in der ALBA-Müllsortieranlage und beantwortet die Fragen der Besucher. Sie wollen unter anderem wissen, wie Müll richtig getrennt wird. Foto: Patrick Köllner

Großes Interesse

Ein Blick hinter die ALBA-Kulissen

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MARL - ALBA lädt zur Betriebsbesichtigung in seine umstrittene Müllsortieranlage im Chemiepark ein. Das Interesse ist groß. Auch die Marler Zeitung ist vor Ort.

"Die Entwicklung hat niemand vorhergesehen“, sagt ALBA-Pressesprecher Henning Krumrey bei der Betriebsbesichtigung der neuen Müllsortieranlage. Gemeint sind die seit Januar anhaltenden Beschwerden vieler Anwohner über Geruchsbelästigung und Fliegenbefall (wir berichteten mehrfach).

Damit sich die Bürger selbst ein Bild vom betroffenen Unternehmen machen können, lud Betreiber ALBA jetzt zu einer Betriebsbesichtigung ein. Das Interesse ist groß. Bereits nach zwei der auf vier Stunden angesetzten Veranstaltung seien laut Henning Krumrey knapp 200 Besucher auf dem 55.000 Quadratmeter großen Werksgelände gewesen.

Sie sehen unter anderem ein 5,6 Kilometer langes Förderbandsystem, das in der Halle für warme Luft sorgt, stapelweise recycelten Hausmüll und eine Leitwarte, die mit ihrem Großbildschirm an den Kontrollraum bei einer NASA-Mondlandemission erinnert.

Üble Gerüche seit Januar

ALBA-Sprecher Henning Krumrey räumt die genannten Probleme ein. Die Betriebsbesichtigung solle auch dazu dienen, den Bürgern die Bemühungen zu zeigen, mit denen man die Probleme beseitigen möchte. Zu den Besuchern gehören Walter und Karola Kirchhoff. Das Paar wohnt an der Zollvereinstraße und nimmt seit Januar üble Gerüche wahr. „Wir passten damals auf den Nachbarhund auf. Wenn ich mit ihm nachts noch eine Runde drehte, bemerkte ich den Gestank“, erinnert sich Karola Kichhoff. Ihren Mann Walter stört, „dass die Anlage nahezu im Geheimen gebaut wurde und dass das Argument der Arbeitsplätze mittlerweile für jeden Mist vorgeschoben wird.“ Fliegen haben die Kirchhoffs auch bemerkt.

„Bei Müll sind Fliegen normal“, erklärt Henning Krumrey und sagt: „Wir gehen mit chemischen Mitteln dagegen vor, müssen dabei aber die Gesundheit der Mitarbeiter berücksichtigen.“ Das Problem der Geruchsbelästigung soll ebenfalls bald behoben sein. „Wir werden drei große Aktivkohlefilter einbauen. Der erste wird Ende Mai einsatzbereit sein, die anderen beiden im Juli“, sagt Henning Krumrey. Diese Filter sorgen für Unterdruck und saugen die Luft bei geöffneten Toren von außen nach innen.

Stichwort Tore: Damit diese nicht zu lange offen stehen, werden an der 30.000 Quadratmeter großen Halle jetzt nachträglich zehn Tore eingebaut, die doppelt so schnell schließen, wie die ursprünglich verbauten Exemplare. Bei der geplanten Demonstration von Tor Nr. 4 kommt es zum Vorführeffekt: Die Haussicherung fliegt raus und verhindert vorläufig das Herunterfahren.

Zu den Bedenken vieler Anwohner, dass der Gestank und die Fliegen im Sommer temperaturbedingt noch zunehmen würden, sagt Henning Krumrey: „Der Geruch ist nicht schön, keine Frage. Durch die gute Wärmedämmung und die eingeleiteten Maßnahmen dürfte da aber nichts mehr passieren.“

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