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Auf der gegenüberliegenden Seite des Creiler Platzes demonstrierten Marler gegen die Moschee-Gegner.

Initiative macht gegen Moschee mobil

Fast drei Stunden Islamkritik aus dem Lautsprecher

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MARL - Moschee-Gegner sammelten am späten Nachmittag Unterschriften gegen den geplanten Neubau der Yunus-Emre-Gemeinde, begleitet von Trillerpfeifen, "Nazi"- und Buhrufen. Dass es keine gewöhnliche Kundgebung auf dem Creiler Platz würde, hatte die Polizei geahnt.

Sie zeigte Präsenz – mit einer Einsatzhundertschaft in schwarzen Uniformen, mit Hunden, aber auch Beamten, die Bürger freundlich ansprachen. Vor dem Rathaus versammelten sich mehrere hundert Menschen, bildeten zeitweise zwei Fronten: Auf der einen Seite die Gruppe „Wir sind Marler“. Sie braucht Unterschriften für einen Bürgerentscheid gegen den geplanten Neubau der Yunus-Emre-Moschee. Auf der anderen Seite Muslime, die Christlich-Islamische Arbeitsgemeinschaft und Marler, die sich für Toleranz und Respekt einsetzen. Den beanspruchte auch Frank Spickermann, Initiator des Bürgerentscheids, für seine Initiative. „Wir stehen für Gedankenaustausch und Dialog“, begann er und begrüßte alle, die sich von „Gutmenschen“ nicht abhalten gelassen hätten, zu kommen. Bei der Moschee gehe es nicht nur um baurechtliche Fragen, sagte Spickermann und zweifelte an Angaben der Gemeinde, dass die Moschee Platz für 600 Betende biete.

Sie werden einen Besucherstrom von 2000 Gästen anziehen, die den Hauptfriedhof durch wildes Parken blockierten, warnte Spickermann – ohne zu sagen, wie er auf diese Zahl komme. Die von den Marlern gewählten „so genannten Volksvertreter“ seien dabei, alle für dumm zu verkaufen. Auch unsere Zeitung, aus der Spickermann die Schlagzeile „Später Protest gegen den Moschee-Bau“ falsch zitierte, wolle die Bürger Glauben machen, dass es bisher keinen Widerstand gegen die Moschee gegeben habe. Weshalb sich die Gruppe „Wir sind Marler“ in der Diskussion über die Baupläne Monate lang nicht zu Wort gemeldet hat, sagte er nicht.

"Kein sakraler Bau"

Nur die UBP (Unabhängige Bürgerpartei) habe sich im Marler Rat gegen die „Mega-Moschee“ ausgesprochen, sagte die Recklinghäuser UBP-Ratsfrau Claudia Ludwig. Eine Moschee sei kein sakraler Bau, es gehe darum, Deutschland zu islamisieren und Schweinefleisch aus Kindergärten zu verbannen.

Der Münchener Islamgegner Michael Stürzenberger, zuvor Redner beim fremdenfeindlichen Pegida-Bündnis, heizte die Stimmung weiter auf: Der Islam sei eine kriegerische Ideologie, die Deutschland militärisch kolonisieren wolle, sich als Religion tarne und „linksgrüne Volldeppen“ täusche. Auch das Wort Lügenpresse fiel. Die Medien hätten die Hetzjagd in Chemnitz erfunden, so Stürzenberger, der Muslime erst provozierte, einzelne aber später ins Mikrofon sprechen ließ.

Abgesehen von Buhrufen und einer Rangelei mit einem Ordner blieb es auf dem Creiler Platz friedlich. Die Polizei verhinderte, dass hitzige Gegendemonstranten sich den Unterschriftensammlern näherten. Viele Muslime mussten fast drei Stunden Islamkritik aus dem Lautsprecher aushalten – und die von Spickermann angekündigte „Gesprächskultur“.

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