+
Da soll einer durchblicken: Redaktionspraktikantin Sophia Maibaum studiert die Verfügbarkeitskarte der Telekom für schnelles Internet in Marl. Die weißen Löcher sollen aus den bebauten Gebieten verschwinden..

Internetausbau in Marl

Weiße Flecken nerven Surfer

  • schließen

MARL - Dass es nach dem Netzausbau für schnelle Internet-Zugänge weiße Flecken geben würde, stand schon vor Beginn der Arbeiten im Marler Stadtgebiet fest. Welche Bürger es trifft, wem die Überholspur auf der Datenautobahn weiterhin verschlossen bleibt, das war lange unklar. Jetzt melden sich die ersten Betroffenen zu Wort. Es gibt für sie immer noch Hoffnung – aber sie müssen sich in Geduld fassen.

Maik Rumpa wohnt in einem dieser Versorgungslöcher – und zwar nicht irgendwo im Wald oder in einem Außenbezirk, sondern mitten in Hüls-Nord, umgeben von gut versorgten Bereichen. Nur einen Teil seiner Straße hat die Telekom angeschlossen, seinen Abschnitt nicht.

Aufgebracht wandte sich der Anwohner zunächst an die städtische Wirtschaftsförderung und ihren Chef Dr. Manfred Gehrke. Er hatte Verständnis für die Wut des Betroffenen, konnte aber nur darauf verweisen, dass die Stadtverwaltung keine Möglichkeit hat, der Telekom vorzuschreiben, wo sie auszubauen hat und dass sie keine Lücken lassen darf. Anders als vor Jahrzehnten die Post als Telekom-Vorgängerin darf und muss der heutige Konzern nach seiner Privatisierung als Unternehmen handeln, jede Entscheidung unter Wirtschaftlichkeits-Gesichtspunkten treffen. Darauf hatten Sprecher des Magenta-Konzern mehrfach öffentlich hingewiesen. Mit anderen Worten: Weder die Stadt noch der Rat, der die politischen Vorgaben für ihre Arbeit festlegt, hätten die weißen Internet-Löcher verhindern können.

Allerdings gibt Gehrke zu bedenken: Auch wer in einem der Marler Löcher wohnt, bleibt nicht völlig unversorgt. Anschlüsse mit einer Datenrate von weniger als sechs Megabit pro Sekunde (MBit/s), wie in anderen Städten noch vorhanden, gäbe es in Marl nicht. Zum Vergleich: Das schnelle Telekom-Internet schafft bis zu 100 MBit/s, vereinzelt noch mehr.

Für den betroffenen Hülser ist das ein schwacher Trost, denn: „In Zeiten in denen Video-Streaming wie Amazon-Prime, Netflix etc. mittlerweile fast Standard sind, wie auch viele andere Internetanwendungen, die nur mit einer schnellen Internetverbindung akzeptabel funktionieren, finde ich die Situation doch sehr unbefriedigend.“

Völlig aussichtslos ist die Lage auch für Maik Rumpa nicht. Wie angekündigt, gibt es einen zweiten Vorstoß, mit dem die weißen Löcher verschwinden sollen – und diesmal ist die Stadtverwaltung mit im Boot, wenn die Entscheidungen gefällt werden. Denn: Der zweite Ausbau soll mit öffentlichen Mitteln unterstützt werden. Ein sogenanntes Markterkundungsverfahren hat bereits stattgefunden. Ein gemeinsamer Förderantrag der Städte im Kreis Recklinghausen ist in Vorbereitung. Der Rat der Stadt Marl hat sich Donnerstag gerade dieser Initiative angeschlossen.

Auf den ersten Blick verwirrend: Ausgerechnet die Telekom, die den Ausbau der fraglichen Bereiche verweigert hat, bewirbt sich darum, den Zuschlag für diese zweite Ausbaustufe zu bekommen. Die Zuschüsse machen den Unterschied. Durch sie können für den Konzern auch Bereiche wirtschaftlich interessant werden, deren Versorgung sich vorher nicht rechnete – vielleicht gilt das auch in Hüls-Nord.

Wann das geschehen könnte, ist unklar, selbst für Gehrke: „Ich habe keine Ahnung, wann die Zuschüsse bewilligt werden.“ Erst danach können die Baukolonnen wieder anrücken. Im letzten Jahr wurde inoffiziell das Jahr 2018 als möglicher Termin genannt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Nach dem Feuer in der "Kinderwelt": So äußert sich der Betreiber
Nach dem Feuer in der "Kinderwelt": So äußert sich der Betreiber
Brandursache in RE geklärt, Fahndung nach unsittlicher Berührung, Verkehrschaos vor Schalke-Spiel
Brandursache in RE geklärt, Fahndung nach unsittlicher Berührung, Verkehrschaos vor Schalke-Spiel
Polizei veröffentlicht Phantombild nach sexuellem Übergriff: Wer kennt diesen Mann?
Polizei veröffentlicht Phantombild nach sexuellem Übergriff: Wer kennt diesen Mann?
Dattelnerin drohte im letzten Jahr die Arbeitslosigkeit - sie wählte Plan B
Dattelnerin drohte im letzten Jahr die Arbeitslosigkeit - sie wählte Plan B
Waltroper Bürger des Jahres: Große Dankbarkeit, Emotionen und eine Liebeserklärung
Waltroper Bürger des Jahres: Große Dankbarkeit, Emotionen und eine Liebeserklärung

Kommentare