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Betriebsleiter Michael Baune (l.) und der pädagogische Leiter Werner Kroll laden zum Fest anlässlich des 20-jährigen Bestehens des LWL-Jugendhilfezentrums ein. Foto: Grunschel

20 Jahre LWL-Jugendhilfe

"Revolutionäre" Normalität

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MARL - Rund 50 Kindern und Jugendlichen bietet das LWL-Jugendhilfezentrum allein in Marl ein Zuhause in Wohngruppen. Werden die Wohngruppen im Umkreis dazu gerechnet, sind es sogar 138 Kinder und Jugendliche. Koordiniert werden die unterschiedlichen ambulanten Angebote, Wohn- und Tagesgruppen von der Verwaltung an der Rappaportstraße 8b aus. Seit 20 Jahren hat das Jugendhilfezentrum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe hier seinen Sitz.

Der Geburtstag wird am Freitag, 19. Juni, groß gefeiert. Die rund 200 Mitarbeiter, die in Marl, Gelsenkirchen, Dorsten und Haltern im Einsatz sind, fiebern der Zeitreise auf dem Hubertus Hof in Haltern, Granatstraße 650, entgegen. Allen voran Betriebsleiter Michael Baune (52) und sein Stellvertreter Werner Kroll (54), der gleichzeitig Pädagogischer Leiter ist. Die beiden Männer sind von Anfang an dabei. Angetreten sind sie mit „schon fast revolutionären Ideen“: Sie wollten weg von der damals üblichen Heimunterbringung an einem Ort, weg von der Zentralität. „Wir wollten Normalität. Natürlich sollten die Kinder normale Schulen besuchen, und natürlich sollten sie im normalen Umfeld aufwachsen“, unterstreicht Werner Kroll. Nach und nach wurden Wohngruppen über die Stadtgebiete verteilt. „Klar wissen die Nachbarn, dass es sich um Wohngruppen handelt. Aber wenn Sie als Bürger an den Häusern vorbeifahren, würden Sie sie nicht erkennen“, ergänzt Julia Tuttlies, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit.

Raus aus der Familie

Die Zahl der Unterbringungen ist in den 20 Jahren deutlich angestiegen. „Das geht auch mit der gestiegenen Zahl der Inobhutnahmen einher“, begründet Michael Baune. Gründe für Unterbringungen gibt es viele. Eltern sterben, sind überfordert, brauchen Hilfe bei der Erziehung, weil das System diese nicht bietet. Oder aber es sind die Kinder, die raus wollen. „Bei uns leben Kinder, die nicht mehr zu Hause leben konnten oder wollten“, fasst Julia Tuttlies zusammen.

Die Rückführung in die Familie habe immer Priorität. „Aber ehrlicherweise muss man sagen, dass manche Familien so kaputt und zerstört sind, dass das nicht geht“, räumt Michael Baune ein. Dann sehen die LWL-Mitarbeiter, wie die Kinder erwachsen werden, begleiten sie auf ihrem Lebensweg. Manchmal zwölf, dreizehn Jahre lang.

Erfolgsmodell

In den Wohngruppen leben je nach Modell drei bis neun Kinder zusammen – je nach Wohnform leben die Mitarbeiter sogar selbst mit unter dem gleichen Dach. Letzteres ist ein absolutes Erfolgsmodell. „Für Erziehung braucht man erstens eine Struktur und ein Konzept. Zweitens braucht man Menschen, die mit einer bestimmten Haltung dieses Konzept mit Leben füllen“, meint Michael Baune.

Neben den 138 Kindern und Jugendlichen in den Wohngruppen erreicht das LWL-Jugendhilfezentrum über seine ambulanten Angebote noch einmal weitere 100 Kinder und Jugendliche. „Manche wohnen schon allein, brauchen aber gewisse Hilfestellungen“, nennt Werner Kroll ein Beispiel. Anti-Gewalttrainings, Soziales Kompetenztraining, Integrationshilfe, sozialpädagogische Familienhilfe – auch das gehört zum Angebotsspektrum.

Dritter Baustein sind zwei Tagesgruppen in Marl und Gelsenkirchen. Sie werden in der Regel von Grundschülern nach dem Unterricht besucht. In den großen Gruppen im regulären Offenen Ganztag wäre ihre Betreuung für das Personal eine Herausforderung. In die LWL-Gruppen kommen pro Tag nur zehn Kinder – allerdings wechselt die Besetzung mit den Wochentagen. Werner Kroll: „Denn auch hier wollen wir die Öffnung nach außen. Die Kinder sollen auch das Normale kennenlernen.“

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