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Die Gruppe "Baumschutz Marl" an der Bahnstrecke S9.

Kahlschlag an Bahnstrecke

Naturschützer verlangen Antworten

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MARL - Die Gruppe „Baumschutz Marl“ begutachtet das Resultat der Schnittarbeiten an der Trasse der Linie S9. Die Besucher sind wütend.

Erwin Gebauer lässt nicht locker: Vor mehr als sechs Wochen wollte der Gruppensprecher des Naturschutzbunds Marl (Nabu) wissen, wer die Abholzung neben der Bahnstrecke S9 genehmigt hat. (wir berichteten.) Seine Anfrage bei der dafür zuständigen Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises Recklinghausen lieferte ihm bisher aber noch nicht das gewünschte Ergebnis.

Auch die zwischenzeitliche Gründung einer Gruppe namens „Baumschutz Marl“ konnte den Prozess nicht beschleunigen oder den Kahlschlag verhindern. Die in der Gruppe vereinigten Naturschützer trafen sich jetzt an der Stübbenfeldstraße in Höhe der Hochstraße, um sich ein Bild von der Situation zu verschaffen. „Gleich am 17. April, nachdem wir von der Maßnahme erfahren haben, stellten wir bei der UNB einen Antrag auf Zugang zu Umweltinformationen“, sagt Erwin Gebauer. Ergebnis: „Am 29. April erhielt ich eine Antwort per E-Mail. Darin teilte man mir mit, dass mein Antrag an das Eisenbahnbundesamt (EBA) weitergeleitet worden wäre.“

Vom EBA, Außenstelle Essen, kam dann Mitte Mai ein Antwortschreiben an den Nabu-Sprecher. Darin zeigt sich das Amt relativ unwissend. Laut EBA wurde für den Abschnitt Marl-Polsum von der Außenstelle Essen weder die Anweisung zur Beseitigung „betriebsgefährdender Vegetation“ erlassen, noch hätte die EBA Kenntnis über die durchgeführte Maßnahme gehabt. Dass die Bahn Kahlschläge wie den neben der Strecke S9 wiederholt mit Sicherheitsbedenken begründet, stößt den Umweltschützern besonders auf. „In den Sträuchern nisten viele Vogelarten wie Elstern, Zaunkönige, Meisen oder Tauben. Außerdem sind sie Lebensraum und Nahrungsquelle für Kleintiere und Insekten“, macht Erwin Gebauer deutlich.

„Auch die Bahn muss sich an Gesetze halten“

„Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet den Rückschnitt zwischen 1. März und 30. September“, erklärt Erwin Gebauer, „Das Oberverwaltungsgericht Münster hat 2005 in einem Urteil bestätigt, dass sich auch die Deutsche Bahn an diese Gesetze halten muss.“ Der Anblick des Resultats macht die Besucher vor Ort wütend: Wo vor wenigen Wochen noch Sträucher wuchsen, liegen nur noch abgetrennte Äste auf dem Boden. Erwin Gebauer wünscht sich ein Umdenken in den dafür verantwortlichen Köpfen – und hofft weiter auf Antworten der UNB auf seine Fragen.

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