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Foto: Oliver Berg dpa/lnw

Kasse zahlt nicht in jedem Fall

Keine Taxifahrt trotz Beförderungsscheins

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MARL - Trotz Beförderungsscheins ist eine Marlerin die rund zwölf Kilometer vom Krankenhaus Bergmannsheil in Gelsenkirchen Buer nachts nach Hause gelaufen. Der Schein war in ihrer Situation nutzlos. Die Knappschaft hätte ihr die Kosten der Fahrt nicht erstattet.

Der letzte Bus von Gelsenkirchen-Buer nach Marl-Mitte war am Sonntag vor zwei Wochen um kurz nach Mitternacht bereits weg. Jennifer Stöcker (33) kam da gerade aus der Ambulanz des Krankenhauses Bergmannsheil. Die Marlerin war den Tag über in Buer, am Abend gestürzt und zur Behandlung in das Krankenhaus gegangen. Um nach Hause zu kommen, erhielt Stöcker einen Beförderungsschein fürs Taxi. Kurz darauf fuhr der Fahrer los – ohne Stöcker. Er wollte den Taxischein nicht akzeptieren. Nach Angaben der Marlerin verlangte der Chef des Taxiunternehmens telefonisch, dass sie die Fahrt bezahlen solle. „Ich hatte doch den Beförderungsschein. Außerdem bin ich Hartz-IV-Empfängerin und hatte nicht das Geld für die Strecke dabei“, sagt die 33-Jährige.

Die Kosten für die Fahrt vom Buerer Krankenhaus Bergmannsheil zu ihrer Adresse liegen bei rund 40 Euro. Fünf Euro habe Stöcker dabei gehabt. Das hätte für den Eigenanteil gereicht. Dieser wird bei Beförderungsscheinen fällig und liegt laut Jennifer Stöckers Krankenkasse Knappschaft Bahn See bei zehn Prozent des Fahrpreises. Die Marlerin versteht die Welt nicht mehr, als sie sich in der Redaktion meldet.

Weil sie nicht weiter wusste, lief sie die rund zwölf Kilometer nach Hause. „Ich hatte keine Jacke dabei, weil es während des Tages warm war. Zum Teil waren die Straßen nicht beleuchtet. Mir hätte etwas passieren können“, sagt Stöcker. Cetin Kalin ist Inhaber des betroffenen Taxiunternehmens in Gelsenkirchen Buer. Er erinnert sich an Jennifer Stöcker. „Ja ich habe mit ihr telefoniert.“ Wie der Taxiunternehmer sagt, habe er Stöcker das Angebot gemacht, dass der Fahrer sie nach Hause bringe. „Er hätte ihr eine Rechnung ausgestellt. Die hätte sie später bezahlen können“, sagt Kalin. Davon habe die Frau aber nichts wissen wollen. Die Marlerin bestätigt das Angebot, verweist aber erneut auf den Beförderungsschein und ihr Hartz-IV-Einkommen. Das Problem: In ihrer konkreten Situation hat sie trotz des Transportscheins keinen Anspruch. Die Krankenkasse hätte laut Knappschaftssprecherin Sandra Piehl die Kosten nicht übernommen. In welchen Fällen sie die Rechnungen trägt, regelt das Gesetz. Der Taxiunternehmer wäre in Jennifer Stöckers Fall auf den Fahrtkosten sitzen geblieben. „Ich habe durch solche Fälle viele Rechnungen, die Fahrgäste nicht bezahlt haben“, sagt Cetin Kalin.

In welchen Fällen die Kasse zahlt, steht in der Printausgabe oder im E-Paper.

Warum Jennifer Stöcker, den nutzlosen Beförderungsschein erhalten hat, kann Sandra Piehl nur mutmaßen: „Wir entscheiden nach Gesetzen, Ärzte nach medizinischer Sachlage.“ Die gesetzliche Krankenkasse sei eine Solidargemeinschaft, in der jeder die gleiche Zuwendung erhalte. Kulanz sei da nicht möglich. Piehl bedauerte aber die Situation: „Die ist für die Frau nicht schön.“

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