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Das sind die Spielregeln der Kinder, die Erwachsene einhalten sollen. Stefanie Bull mit Werbeplakaten für Kinderrechte.

Kinderschutzbund

Kindern mehr Gehör verschaffen

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Marl - Stefanie Bull (40) ist neu im Vorstand des Marler Kinderschutzbunds. Die zweifache Mutter will nicht nur reden, sondern etwas tun.

Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbunds Heinz Hilgers bekräftigte in Marl die Forderung: „Kinderrechte gehören ins Grundgesetz“. Der oberste deutsche Kinderschützer war im Oktober zu Gast beim Abrahamsfest. Sein Thema: Kinderarmut und Bildungsgerechtigkeit. Das Recht auf Bildung ist in § 18 der UN-Kinderrechtskonvention festgeschrieben.

Für Stefanie Bull (40) steht ein weiteres Kinderrecht ganz oben auf der Agenda: der Schutz vor Gewalt, Misshandlung und Ausbeutung. „Wird Gewalt gegen Körper und Seele von Kindern ausgeübt, fällt die geschützte und sichere Umgebung. Wo es Gewalt gibt, fehlt oft auch die elterliche Fürsorge“, erklärt die Marlerin.

Seit 2014 lebt die gebürtige Marlerin wieder in ihrer Heimatstadt

Kurz vor dem Jubiläumsjahr der UN-Kinderrechtskonvention ist die zweifache Mutter in den Vorstand des Kinderschutzbunds in Marl gewählt worden. Seit 2014 lebt die gebürtige Marlerin mit Ehemann Andreas und den Kindern Hannah (fast 4) und Jonas (2) wieder in ihrer Heimatstadt. Die Idee, sich bei den Marler Kinderschützern zu engagieren, kam ihr 2015, als sie selbst ihr erstes Kind bekam. „Durch die Geburt unserer Tochter sind familiäre Themen in den Mittelpunkt gerückt“, erzählt sie rückblickend.

Eine Geschichte über zwei wenige Monate alte, schwer vernachlässigte, misshandelte und unterernährte Zwillinge aus Recklinghausen, die in dieser Zeitung erschienen war, rüttelte sie besonders auf. „Als ich das las, habe ich gedacht: Meinem Kind geht es so gut, aber vielen anderen nicht“, erinnert sie sich. „Aber ich wollte nicht nur trauern, sondern auch etwas tun.“

Sie suchte den Kontakt zur Kinderschutzbund-Pädagogin Claudia Serschen und nahm an der Ausbildung zur ehrenamtlichen Familien- und Gesundheitspatin teil, die der Kinderschutzbund einmal im Jahr anbietet.

Zum praktischen Einsatz in Familien kam sie vorerst nicht – die Geburt ihres Sohnes Jonas kam dazwischen. Aber die Idee blieb, sich aktiv zu engagieren. Als im Herbst 2018 nach dem Rückzug des Kinderschutzbund-Gründers Jörg Schneider neue Kräfte für den Vorstand gesucht wurden, zögerte Steffi Bull also nicht lange und stellte sich zur Wahl. Jetzt gehört sie als Besitzerin zum Führungsteam um Jens Flachmeier.

„Ich fühle mich dem Wohl der Kinder in jeder Hinsicht verpflichtet“

An Ideen und Tatkraft fehlt es der 40-Jährigen nicht. „In diesem Jahr wollen wir unsere Babysitter-Ausbildung wieder aufleben lassen", kündigt sie an. In dem Kurs lernen Teenager Grundlagen für den Umgang und die Pflege von kleinen Kindern.

„Ich fühle mich dem Wohl der Kinder in jeder Hinsicht verpflichtet“, sagt die zweifache Mutter. „Sie finden in unserer Gesellschaft zu wenig Gehör, vor allem wenn sie klein sind.“ Dass es so etwas wie Kinderrechte überhaupt gibt, sei bei vielen Erwachsenen noch gar nicht angekommen, meint die Kinderschützerin. Sie hat sich vorgenommen, daran etwas zu ändern.

Und geradezu „beschämend“ nennt sie es, wenn Kinder aus finanziell schlechter gestellten Familien Hilfen beantragen müssen. „Das ist viel zu viel Bürokratie, solche Hilfen müssten viel leichter zugänglich sein“, fordert sie. Armut ist im breiten Spektrum ein Schwerpunkt der Arbeit beim Kinderschutzbund. In Marl trifft sie im landesweiten Vergleich überdurchschnittlich viele Familien: Jedes dritte Kind wächst hier in Armut auf.

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