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Vielleicht funkt Jana Schneider (17) bald vom Beifahrersitz. Sie will unbedingt Polizistin werden. Als Schulpraktikantin muss sie aber noch auf dem Rücksitz Platz nehmen. Während des dreijährigen Studiums darf sie dann vorne sitzen.

Kostüm wird Uniform

Traumberuf gefunden

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MARL - Jana Schneider absolvierte ein Schulpraktikum bei der Polizei. Für sie genau das Richtige.

Während andere Mädchen an Karneval gerne Prinzessin spielten, war das für die 17-jährige Jana Schneider keine Option: „Ich habe mich immer als Polizistin verkleidet.“ Mit der Leidenschaft für die Ordnungshüter ist die Schülerin vom Hans-Böckler-Berufskolleg aufgewachsen. Denn Vater und Onkel sind Polizisten. Sie möchte in ihre Fußstapfen treten. Damit aus dem Karnevalskostüm die offizielle Uniform wird, büffelt die Schülerin für ihren Traum in einem Vorbereitungsbuch und trainiert im Fitnessstudio für den Sporttest. Das zweiwöchige Schulpraktikum bei der Polizei ist für die 17-jährige Schülerin wie ein Sechser im Lotto.

Als wir sie treffen, kommt Jana gerade von einem Einsatz zurück auf die Marler Polizeiwache. Sie war mit zwei Polizisten in Haltern. „Es hieß, dass aus einem Wohnungsfenster eine Reichskriegsflagge hängen soll.“ Weil im Vorfeld nicht klar war, ob vor Ort eine Variante mit verbotenen Symbolen hängt, macht sich die Schülerin während der Fahrt Gedanken. „Ich habe mich gefragt, wer da wohnt, ist er freundlich, oder aggressiv.“ Um Jana nicht zu gefährden, bleibt sie nach der Ankunft hinter den Polizisten. „Bei Gefahr wäre ich zurück in den Streifenwagen gegangen.“ Ein normaler Vorgang, wie Andreas Lesch von der Polizei Recklinghausen sagt. Ist schon nach dem Notruf abzusehen, dass der Einsatz gefährlich wird, bleiben die Schulpraktikanten direkt auf der Wache.

Die Anspannung löst sich kurz nach der Ankunft

Die Anspannung bei der Schülerin löst sich in Haltern jedoch schnell. „Es war niemand zu Hause. Die Polizisten haben noch Fotos gemacht, dann sind wir zurück zur Wache gefahren.“ Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass die Flagge legal ist. Jana ist anzumerken, dass sie Spaß an der Polizeiarbeit hat. Neben der Leidenschaft für den Beruf hat ihr Vater ihr ein Talent fürs Funken mitgegeben. Sie erzählt stolz, dass sie ein Kennzeichen überprüfen durfte und für ihr professionelles Vorgehen Lob erhalten hat. „Die Einsatzbearbeiterin auf der Wache sagte, dass ich es besser gemacht habe, als mancher Polizeianwärter im ersten Studienjahr.“ An den Ablauf der Anfrage erinnert sie sich ganz genau: Zuerst habe sie über Funk bei der Einsatzbearbeiterin die Kennung des Streifenwagens genannt. „Nach dem das Kennzeichen überprüft war, habe ich den Einsatz als abgeschlossen gemeldet“, sagt die 17-Jährige.

Kreisleitstelle hört beim Funk zu

Auch Andreas Lesch von der Polizei Recklinghausen würdigt die Funkleistung der Schulpraktikantin. „Es hört nicht nur jede Streifenwagenbesatzung, sondern auch die Kreisleitstelle in Recklinghausen mit. Da verspürt mancher Anfänger Druck.“

Aus diesem Grund hat für Andreas Lesch die Praxiserfahrung während des Praktikums mit Hinblick auf ein Polizei-Studium Vorteile. „Es kommt vor, dass Studenten für sich feststellen, dass der Job nicht ihr Traumberuf ist. Sie merken, in welch schwierigen und belastenden Situationen wir unterwegs sind.“

Die Facetten des Polizeialltags hat Jana in den zwei Wochen bereits kennengelernt. Sie war unter anderem mit dem Verkehrsdienst unterwegs, hat den Schießstand besucht und die Arbeit der Kriminalpolizei kennengelernt. „Die Kripo war spannend. Die Beamten haben mir gezeigt, wie sie Einbrüche aufarbeiten. Außerdem habe ich meine eigenen Fingerabdrücke genommen.“ Dazu hat die Schülerin ein Glas angefasst, mit Pulver bestreut und mit einer Folie die Abdrücke abgezogen. Zur Belohnung durfte Jana das Glas mitnehmen. Es steht jetzt wie eine kleine Trophäe bei ihr zu Hause. Nach dem Ende des Praktikums bereitet sich Jana weiter auf das Auswahlverfahren vor. Sollte es klappen, weiß sie schon, wo sie später eingesetzt werden möchte: bei der Hundertschaft.

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