+
Das Arbeitsgericht Herne fand eine Entscheidung.

Kündigung ist unwirksam

Arbeitsgericht gibt Pflegedienstleiterin Recht

MARL - Die ehemalige Pflegedienstleiterin der Alten Schmiede klagte gegen ihren Rauswurf.

Sechs Monate nach dem umstrittenen Rauswurf einer Pflegedienstleiterin bei der Alten Schmiede wegen eines Beschwerdebriefs hat das Arbeitsgericht in Herne die fristlose Kündigung jetzt wieder einkassiert. Die Richter gaben einer Klage der Frau statt – und beurteilten den sofortigen Rauswurf als unwirksam. „Es wird festgestellt, dass das Arbeitsverhältnis durch die außerordentliche Kündigung zum 1. August 2018 nicht beendet worden ist“, urteilte die 3. Kammer des Arbeitsgerichts (Az: 3 Ca 1553/18). Soweit es rechtskräftig wird, bedeutet das Urteil für die Beklagten eine bittere Pille. Der Angestellten stehen dann noch nachträglich beträchtliche Gehaltszahlungen zu. Außerdem hätte sie im Anschluss an ihre mittlerweile bekannt gewordene Schwangerschaft auch das Recht auf Weiterbeschäftigung zu den im Arbeitsvertrag geregelten Konditionen.

Eine gütliche Lösung durch eine einvernehmliche Trennung plus Abfindung war im Kammertermin vor der 3. Kammer am Veto der Gekündigten gescheitert. „Das kommt für mich nicht in Frage“, hatte die Pflegedienstleiterin erklärt. Auch Rechtsanwalt Ismail Kilicli hatte sich außerstande gesehen, seiner Mandantin zu einer einvernehmlichen Beendigung des seit mehr als zwölf Jahren bestehenden Arbeitsverhältnisses zu raten. „Die Zahlen, die im Raum standen, waren bei weitem nicht attraktiv genug“, hatte der Anwalt erklärt. Die Arbeitsrichter hatten zuvor aufgrund des in ihren Augen völlig zerrütteten Arbeitsverhältnisses nach dem Motto „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“ bereits zum zweiten Mal eine rückwirkende Trennung zum 31. Januar 2019 bei vollem Gehalt vorgeschlagen. Anders als noch im Gütetermin erhöhten sie ihren Abfindungsvorschlag sogar auf nun einmalig 20.000 Euro (vorher 14.340 Euro).

Pflegedienstleiterin verstand Aufregung nicht

Ausgangspunkt für die fristlose Kündigung war ein auf den 24. Juni 2018 datierter Brief, der früher oder später auch der Vorstandsetage in die Hände gefallen ist. Inhalt war eine Beschwerde über das Führungsverhalten der Betriebsleiterin der Alten Schmiede. Während die Arbeitgeberseite sich vor die Betriebsleiterin gestellt hatte, weil diese durch das Schreiben mit unhaltbaren Vorwürfen überzogen worden sei, hatte die gekündigte Pflegedienstleiterin die Aufregung bis zuletzt überhaupt nicht verstehen können. Es sei nie Absicht gewesen, jemanden zu diskreditieren, sondern vielmehr vor drohendem Schaden zu bewahren. „Und das ist doch das ureigenste Recht eines Arbeitnehmers“, so Kläger-Anwalt Ismail Kilicli. Der unterlegenen Solidaritätsgemeinschaft arbeitsloser Bürger steht der Weg in die Berufung beim Landesarbeitsgericht in Hamm offen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Fotostrecke: 700 Feierwütige bei Hertens größtem Oktoberfest
Fotostrecke: 700 Feierwütige bei Hertens größtem Oktoberfest
Acht Verletzte - Polizeieinsatz bei Auswärtsspiel des SV Herta bei Westfalia Vinnum
Acht Verletzte - Polizeieinsatz bei Auswärtsspiel des SV Herta bei Westfalia Vinnum
Ermittlungen gegen Hochzeitskorso - Hinweise auf neue Straftaten
Ermittlungen gegen Hochzeitskorso - Hinweise auf neue Straftaten
Kein Rauchmelder – das hätte ein Mann fast mit dem Leben bezahlt
Kein Rauchmelder – das hätte ein Mann fast mit dem Leben bezahlt
Bundesliga-Topspiel im Ticker: Bayern verpasst Lucky Punch
Bundesliga-Topspiel im Ticker: Bayern verpasst Lucky Punch

Kommentare