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Bargeld gibt es in der Alt-Marler Volksbank seit 1. Juni nur noch über den Automaten.

Kundennähe gewünscht

Kassierer geht in Rente, Automat wird Nachfolger

MARL - Seit dem 1. Juni gibt es in der Volksbank-Filiale an der Hochstraße keine Kasse mehr. Befragten Kunden gefällt das gar nicht.

Peter Weiler hat ein Problem. Bisher war es für den Vorsitzenden des Vereins „Volksbad Marl“ üblich, die Einnahmen aus dem Betrieb des Guido-Heiland-Bads gleich morgens zur Bank zu bringen. „Da wir im Guido keine Kartenzahlung anbieten, haben wir immer noch viel Kleingeld in der Kasse“, erklärt Weiler. Das Geld brachte er regelmäßig zur Volksbank an der Hochstraße/Ecke Vikariestraße. Doch damit ist seit 1. Juni Schluss: Seitdem ist die Kasse in der Filiale geschlossen. „Von den Alt- Marler Bürgern wird jetzt erwartet, dass sie die Filiale im Marler Stern aufsuchen, wenn Sie Münzgeld einzahlen möchten“, sagt Peter Weiler verärgert.

Ihn stört besonders, dass es im Einkaufszentrum keine Möglichkeit gibt, direkt vor der Bank zu parken und man jetzt relativ weit laufen muss.Ein Blatt an der Eingangstür der Alt-Marler Filiale informiert außerdem darüber, dass Bargeld nur noch über den Geldautomaten erhältlich ist. Die Mitarbeiter seien den Kunden bei der Benutzung der Geräte aber gerne behilflich. Das kann eine ältere Frau bestätigen, die ihren Namen nicht nennen möchte. Die Bankangestellten sind nach ihrer Angabe sehr freundlich und helfen ihr auch beim Geldabheben. Sie hätte es aber trotzdem lieber, wenn sie weiterhin selbst den Gang zur Kasse antreten könnte. Der Umgang mit dem Automaten ist für sie völliges Neuland und fällt ihr im Alter sehr schwer. Die Kassenschließung hat laut Angaben der Volksbank mehrere Gründe. Einer ist altersbedingt: „Der bisher dafür zuständige Mitarbeiter wechselt in den Ruhestand“, sagt Olaf Kilimann, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Marl-Recklinghausen.

Unsere Nachfrage, ob man den Kassierer nicht durch Nachwuchs ersetzen konnte, verneint Kilimann. Denn: „Die Kasse hatte eine niedrige Frequenz.“ Das bedeutet, dass die Nachfrage nach der klassischen Schalterbedienung so stark zurückgegangen sei, dass sich deren Weiterführung nicht mehr gelohnt hätte. Das sieht der Volksbank-Kunde Wolf-Dietrich Schulze anders: „Ich finde solche Maßnahmen nicht gut. Natürlich spart die Bank dadurch Kosten ein, davon habe ich als Kunde aber nichts. Gerade bei einer Bank erwarte ich persönlichen Kontakt.“

Automaten setzen Limits

Überrascht von der Neuerung zeigt sich auch Siegfried Braun. Zusammen mit seiner Frau wollte er mehr Geld abheben, als das Limit des Automaten zulässt. „Durch solche Änderungen geht für mich die Kundennähe verloren“, sagt Siegfried Braun. Olaf Kilimann gibt Entwarnung und weist darauf hin, dass die Automaten der Volksbank einen hohen Komfort sowie alle wichtigen Funktionen anbieten. Dazu käme in den Filialen in Hüls und im Marler Stern ein sehr umfangreicher Service. „Andere Banken verzichten ja bereits ganz auf Kassen“, beschreibt Olaf Kilimann die Entwicklung auf dem Bankensektor. Für weitere Kassenschließungen oder gar Komplettaufgaben von Standorten wie zuletzt im Dezember an der Bergstraße (wir berichteten), gebe es laut Kilimann derzeit keine konkreten Pläne.

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